Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 2 (1882)
- Issue
- Heft 7 (1.7.1882)
- Date
- 1882-07-01
- Page
- Seite 147 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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147 giösen Erkenntnis, sondern getrübtes unklares Öl, dessen Flamme einen Geist und Gemüt erstickenden Rauch um sich verbreitet. Wie sollte er, dem das Judentum nicht ein Leichenacker war, in welchem der Priester als Totenbeschwörer steht, der mit prophetischer Gehörschärfe für die religiösen Bedürfnisse der Zeit ausgerüstet war und mit aller, einem ehrlichen Charakter eigener Entschiedenheit für diese Ideen eintrat, dort Verständnis und Teilname finden, er, der gerade aus Ehrfurcht vor der reinen Lehre des Judentums das Veraltete, Abgelebte, Hemmende und Beengende wollte beseitigt und entfernt wissen und geschieden von der ewig frischen lebensspendenden Idee des Judentums. Im Januar 1852 hielt Einhorn seine Antrittspredigt in der Reformgenossenschaft zu Pest. Fand er auch hier eine Gemeinde, die seinen Worten begeistert lauschte, so war Ungarn damals am allerwenigsten der Boden, in dem das Gute gedeihen konnte. Die Orthodoxen denuncirten Einhorn und seine Gemeinde und brachten es in ihrem frommen Eifer soweit, daß Einhorn's Reden regelmäßig durch einen Polizeicommissär überwacht wurden, der sich in der Synagoge einfand, ohne hier staatsverbrecherische und religionsgefährliche Sätze zu entdecken. In Pest verweilte Einhorn nur kurze Zeit, denn es war das Jahr, in welchem in Ungarn der Rache- und Würgengel der Reaction furchtbar sein Haupt erhob und das Land mit Strömen edlen Menschenblutes tränkte. Auch die Pester Reformgemeiude fiel der Reaction zum Opfer und orthodoxe Denuncianten, die Staatshnlfe gegen eine freiere Regung in Israel und gegen ihre ehrlichen Brüder anriefen, führten deren Auflösung herbei. Im Jahre 1855 folgte Einhorn einem Rufe nach Baltimore, wo er am 27. September seine Gemeinde begrüßte, und wirkte später noch in Philadelphia und zuletzt in New-Iork, wo er sich am 12. Juli 1879 von seiner Gemeinde verabschiedete. Die nach seinem Tode erschienenen Reden *) sind sein Vermächtnis an die Bekenner des Judentums. In diesen Reden reihen sich nicht nur Gedankenperlen an Gedankenperlen zu eineni herrlichen Diadem um des Verblichenen Stirne, sondern sie sind, weil sich in Einhorn ein Stück Geschichte der Reformbewegung innerhalb des Judentums verkörpert, zugleich wichtig und bedeutend für die Geschichte der Juden in diesem Jahrhundert, wie sie wegweisend und pfaderhellend bleiben für alle Zukunft. In diesen Reden, die sich durch Gedankentiefe wie durch Gedankenschwung auszeichnen, können die Dunkelmänner ebenso ihr häßliches Zerrbild sehen, wie die falschen Aufklärer und Indifferenten, die beide durch ihre Jrrreligiosität wie durch ihre gemachte Religiosität gemeinsam an dem Ruine des Judentums arbeiten und jedes reinere, höhere und edlere Streben in unserer Mitte zu ersticken und zu ertöten trachten. Auch wird durch diese Rede der Standpunkt der ehrlichen Männer innerhalb des Judentums der Gegenwart klar und deutlich hervorgekehrt und gekennzeichnet. Die Worte Einhorn's, aus den Tiefen einer festen Überzeugung stammend, werfen Helle Streiflichter auf die Zustände der Juden und des Judentums in der Gegenwart, der zu Nutz und Frommen wir hier einige der wichtigsten Sätze hervorheben und hervortreten lassen, die uns beim Lesen dieser herrlichen Reden von dauernder Bedeutung für die Zukunft wie von belehrendem belebendem Einflüsse für die Gegenwart sich erwiesen haben. *) Dr. David Einhorn's ausgewählte Predigte» und Reden. Herausgcgeben von I>r. K. Köhler Rew-Uork Verlag von E Steiger u. Comp. 1881. Zn beziehen durch alle Buchhandlungen. Preis b Mk. (VIII. u. 399 S.) 13*.