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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1882-07-01 · Heft 7 (1.7.1882) · p. Seite 146

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
2 (1882)
Issue
Heft 7 (1.7.1882)
Date
1882-07-01
Page
Seite 146 (sequence 2)
Language
German
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beengende Gegenwart hinausrichten, um auf der glanzvollen Vergangenheit der Geschichte den herrlichen Bau der Zukunft erstehen zu lassen. Des Edlen Stirne war ein Gewölbe göttlicher Gedanken, aus seinen Angen strahlten Demut und Liebe und rein und edel wie Gold und fest und stark wie Eisen war sein Wille, war sein Wort, tvar seine That. Nie hat er seinen Schild entweiht, die Fahne gesenkt oder gar die Waffen feige hingeworfen; er war ein mächtiger Herold des Lichtes und in tausende von Herzen hat er die Saat einer besseren reineren Überzeugung gelegt, die aufgehen muß, wenn auch augenblicklich die Eisdecke der Erstarrung über die Gefilde Israels lveithin sich ausgebreitet hat. Einhorn war ein ehrlicher, wissenschaftlicher Vertreter des Judentums und seiner Ideale und seine Reden sind Weckrufe, sind Schlacht- und Siegesrufe, die nie verhallen werden, die immer von Neuem die Verzagten stärken, die Schlaffen ermutigen, die Gefallenen aufrichten und die Kämpfenden mit Kraft und Frische rüsten werden. Er wollte den ewig lebendigen Geist des Judentums aus seiner beengenden Umhüllung hervortreten lassen und loslösen von der Schale des Buchstabens, die ihn anfangs schützend später aber drückend umkrustete. Einhorn hat seine ganze Geistesrüstung angelegt, wenn er zum Volke gesprochen; seine Rede war nicht Blüte, die vergeht, sondern nährende Frucht, die erquickt und belebt. Er gehörte zu jenen berufstreuen gottbegeisterten Sendboten des Lichtes und der Wahrheit, die nicht weichen und nicht wanken, nicht zagen und nicht fragen, die nicht nach der Gunst der Gemeinden und ihrer Vorsteher Haschen, welche leider nur zu oft für die Bestrebungen der geistigen Führer innere halb des Judentums kein Verständnis besitzen und anstatt ihnen fördernd zur Seite zu stehen, ihnen noch hindernd in den Weg treten. Ein Seraph hat ihm die Zunge beschwingt und sein Feuer, das zündet und strahlet und leuchtet und wärmet ist der Prophetenflamme entnommen. Nie mißbrauchte er das Wort um Gedanken zu verbergen, und die Rede ward bei ihm nicht das Grab seiner inneren Überzeugung. In einer Zeit, deren Charakter Charakterlosigkeit ist und in der man die Weisheit durch Klugheit zu ersetzen glaubt, in der man nur selten von den Kanzeln ein ehrliches offenes aus begeistertem Herzen stammendes Wort zu hören bekommt, da ist es um so mehr geboten, auf die Stimme eines Mannes zu achten, dessen Worte wie Blitze die Abgründe erhellen, vor denen wir stehen und die Ziele erleuchten, denen wir unentwegt zu folgen haben, auf die Stimme eines Mannes, der nicht pactirt hat, nicht gefeilscht und gefälscht, der mutig und hoch gehalten das Banner der Wahrheit, welchen Anstoß auch die Unwissenheit, die Verketzerungssucht, der Jndifferentisnms und die Parteileidenschaft daran genommen haben mögen. Gleich Einhorn dürfen wir nicht müde werden, gegen alles Niedrige und Gemeine zu Felde zu ziehen, nicht ermüden den Berg Gottes hinanzuklimmen, um dort das heilige Banner zu entfalten, wenn auch in den Niederungen die Lüge überall sich breit macht, in den Gemeinden Israels geistige Verkrüpplung an der Tagesordnung zu sein scheint, die für lange Zeit hinaus jedem edleren, reineren Streben den Boden entzieht. Es tvar am 14. September 1847, als Einhorn als Nachfolger Holdheim's, des gedankenreichsten gesinnungstüchtigsten Predigers der Juden in der Neuzeit, dessen Bedeutung noch nicht genügend von Historikern hervorgehoben ist, die Stelle eines Landrabbiners zu Schwerin antrat. Ein schweres Bangen lag wie bleiernes Gewicht an den goldenen Schwingen seiner Berufsfreude, denn schmollend und grollend haben sich die Dunkelmänner von ihm zurückgezogen, haben ihm Ohr und Herz verschlossen, sie wollten nicht das reine Öl einer geläuterten reli-

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