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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1882-06-01 · Heft 6 (1.6.1882) · p. Seite 130

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
2 (1882)
Issue
Heft 6 (1.6.1882)
Date
1882-06-01
Page
Seite 130 (sequence 10)
Language
German
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130 Ganze in diesem Einen Worte zusammen aus; durch dieses Eine Wort, durch ein Wort, welches Neue (?) und Glauben bedeutet, welches Wahrheit bedeutet, Wahrheit dessen, was ist und was wir wünschen. In jedem Falle sagt man „Amen." Das ist die Gemeinsamkeit in allen europäischen Völkern und deshalb können sie miteinander tagen, von einander lernen. Ergreifend und in hohem Grade bedeutsam war die Ansprache des > >r. Fastenrath aus Köln, der als Teilnehmer am Schriftsteller-Congresse in Lissabon und als Vertreter des Verbandes bei den Calderon-Festen in Madrid die Grüße der spanischen Literaten überbracht. „Ich möchte Ihnen," sprach er, „nebst einem Gruße noch eine Mahnung bringen, eine Mahnung nicht so sehr fiir Österreich als für Deutschland. Aus der Heimat der Inquisition bringe ich Ihnen die Mahnung gegen die unwürdige antisemitische Agitation, nnd diese Mahnung kommt von Eniilio Castelar." Redner verliest nun einen Brief, den Castelar in eineni spanischen Blatte über die Judenverfolgungen in Deutschland veröffentlichte und der eine glanzende Philippika gegen das Treiben der Antisemiten ist. Folgende Sätze treten lapidarisch aus diesem Artikel hervor. „Man begreift nicht Amerika ohne seine Republik, Frankreich ohne seine Demokratie, England ohne sein Parlament, Italien ohne seine Kunst, Spanien ohne seinen Heldenmut; aber noch weniger begreift man Deutschland ohne seine religiöse Freiheit. Wenn in dem allgemeinen Urteile der Völker ihr ihnr das Privilegium nehmt, das menschliche Gewissen emancipirt und erlöst zu haben, welch' anderer größerer Ruhmestitel kann ihm übrig bleiben? . . . Wenn sich Deutschland in einem Paladin der religiösen Intoleranz verwandeln würde, uni seinen! Ursprung untreu zu werden und einen Meineid an seinen Ideen zu begehen, so würde es gar bald vom Planeten verschwinden, wie alle selbstmörderischen Nationen, welche die ursprünglichen Principien des Rechtes verkennen." Sehen wir aber hier Semitisches und Antiseniitisches auf demselben Boden sich abspiegeln, so wird uns auch das Monstrum nicht erspart, zu sehen, wie semitische und antisemitische Pflanzen an einem und demselben Stocke sich emporranken, so daß es dem oberflächlichen Beobachter nicht leicht zu entscheiden ist, welches die ursprüngliche, natürliche und welches die Schmarotzerpflanze ist; ich meine einen Mann, der soviel semitisch gefärbte Gaben auf antisemitisch gestempelter Schale aufzutragen versteht, daß man an seiner Gesinnung irre wird: das ist Herr v. Schmerling, der Präsident des obersten Gerichtshofes, eine überaus einflußreiche und hochstehende Person. Schmerling hat jüngstens als Präsident der Delegation dieselbe mit einer Ansprache eröffnet, in welcher er, nachdem er die Beziehungen Österreich-Ungarns zu den anderen Staaten beleuchtete, den Antisemitismus betreffend, Folgendes sagte: Noch eine andere Erscheinung hat sich an unseren Grenzen vollzogen. Man hat dort den Krieg gegen einen Volksstamm eröffnet, dein man den Vorwurf macht, daß er die Kapitalien an sich sauge und den Ruin der Völker verursache. Ich will nicht in Abrede stellen, daß dies eine gewisse Berechtigung habe, aber ich weise darauf hin, daß wir in Österreich das sicherste Mittel gewählt haben, um dem entgegenzutreten, den Weg der Gesetzgebung, der mir besser zu sein scheint, als wenn inan plündert und Familien verjagt. Schmerling ist über diese für eine Delegation etwas eigenthümliche Rede von der Presse nicht unbestraft geblieben. Das maßgebendste Journal Wien's begleitet sie mit folgenden Bemerkungen: „Wir wissen zur Genüge, daß Herr v. Schmerling — wie er sich einmal ausdrückte — für die Juden „nicht schwärmt;" denn Herr v. Schmerling verabsäumt seit einigen Jahren in keiner seiner Reden

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