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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1882-06-01 · Heft 6 (1.6.1882) · p. Seite 129

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
2 (1882)
Issue
Heft 6 (1.6.1882)
Date
1882-06-01
Page
Seite 129 (sequence 9)
Language
German
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— 129 nun wie sich alle Juden benehmen! Man hat ihn aber durch die allgemeine Entrüstung bald fort gebracht." Er gibt dann seiner Befriedigung Ausdruck, daß Österreich noch einen „anständigen Erbadel" habe und fährt fort: „Sehen Sie die armen Franzosen, es wäre dort bald dazu gekommen, daß das arme Volk in die Hände des Juden Gambetta (!!!) gefallen wäre — ein Volk, wo doch so viele und schöne Elemente vorhanden, in die Hände eines Semiten!" Redner bespricht sodann die „verjüdelte" Presse „und ruft aus: „Was sollen wir thun, um uns der Juden zu erwehren, ihrer Überlegenheit im Schacher und Handel? Es muß etwas geschehen, wir müssen uns aufraffen und uns wehren gegen den semitischen Feind! Natürlich erschlagen kann man sie nicht, denn das wäre gegen die katholische Religion." Nach dieser Vorbereitung spielt er endlich seinen größten Trumpf aus, er verspricht der Versammlung einen Vortrag des „berühmten" Fürsten Lichtenstein, der über die sociale Frage und vor Allem über die Judenfrage sprechen werde, zu welchen! Zwecke eine große Versammlung einberufen werden und jeder Anwesende das Recht haben soll, an der freien Debatte teilzuuehmen. Schließlich wirft er einen Blick auf die Berliner Judenhetzen, wo man sich auch des unerträglichen Judenzwanges zu entledigen strebt und ruft voll Befriedigung aus: „Dort wandern die Juden aus; glückselig das Land wohin sie komnien, wenn sie nur uns nicht heimsuchen!", worauf dann noch die Judenfrage von mehreren Rednern in behaglicher Breite gewürzt mit scharfen Ausfällen fortgesponnen wird. Und dies konnte geschehen trotzdem nicht lange vorher ein internationaler literarischer Kongreß unter Jubel und Teilnahme der ganzen Stadt in Wien tagte, auf welchem man mit begeisternden Worten für die Einheit der Menschheit eintrat und schwere anklagende 'Worte gegen den deutschländischen Antisemitismus gefallen sind. Zweier der daselbst gehaltenen Reden, gesprochen von Koryphäen der Bildung, glaube ich als Denkmale des hohen Geistes und der hohen Moral, sowie als Protest gegen die Wiener „Liga" hier erwähnen zu dürfen. Professor Lazarus sprach unter Anderem: „Wir kommen zusammen aus verschiedenen Völkern; aber wir reden auch verschiedene Sprachen, wir sind verschiedenen Geistes. Ist das also wirklich eine Association? Ist eine solche möglich? Das Wort allein thut es nicht, der Geist thut es und die Frage ist, ob wir im Geiste uns treffen können. Darauf sage ich Ihnen wir können uns treffen. In welchem Lande wir ausgewachsen sind, der alte Vater Homer war es, der uns lehrte; Äschilos, der die tiefe Gewalt des Schicksals und den menschlichen Kampf dagegen gelehrt hat, der für alle Zeit gezeigt hat, welche Macht diejenigen haben, die gegen das göttliche Feuer sind, das dem Menschen gebracht wurde. Sokrates und Plato! Wenn hier Viele sind, die meiner Sprache nicht mächtig sind, die deutsche nicht verstehen, wie wir die ihre, sobald ich das Wort sage: „Idee," „Ideal," sie haben es gehört, es ist dasselbe Wort, dessen sich die Anderen bedienen. Aber nicht von den Griechen allein haben wir gelernt! wir von den germanischen und ronianischen Völkern, die wir allen in Europa bestehenden literarischen Gesellschaften angehören, haben von den Römern gelernt, was Politik und Recht heißt. Und Eines ist uns noch gemeinsam. In allen Kirchen, in allen Tempeln, welchen Glaubens sie sind, werden dieselben Psalmen gesungen. Es sind dieselben Gedanken, welche vom Endlichen ins Unendliche erheben und wie das Wort „Idee" gemeinsam sind. Und es gibt noch Ein Wort, das gemeinsam ist unter allen Völkern, und das ist das Wort „Amen." Wenn ein Mensch erwärmt ist von religiösen Gedanken, dann drückt sich schließlich das

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