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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1882-06-01 · Heft 6 (1.6.1882) · p. Seite 123

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
2 (1882)
Issue
Heft 6 (1.6.1882)
Date
1882-06-01
Page
Seite 123 (sequence 3)
Language
German
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123 1349 entgangen sind und stillschweigend von ihren Häusern Besitz genommen und den Friedhof benutzt haben; denn ihre Häuser, erzählt die Chronik, wurden jetzt Bürgern verliehen, „ihr Kirchhof umgeackert und mit Korn besäet." Aber im nächsten Jahre wurden in der That wieder Einige ausgenommen, ihnen die „Judenschule und ein Teil ihres Begrübnisplatzes verliehen". Die Austreibung, in deren Folge die Stadt und ihre Bürger eben jedesmal den hinterlassenen Besitz sich aneigneten, sowie die Wiederaufnahme, die jedenfalls mit schwerem Gelde erkauft werden mußte, waren zu gewinnbringend, als daß man nicht so oft als möglich davon hätte Gebrauch machen sollen. Wo alles Sittengesetz so abhanden gekommen war, wie damals, ja wo man wenigstens bei dem irregeleiteten und aufgestachelten Pöbel, zuni Teil noch ein Gott gefälliges Werk in jeder Gewalt, die man Andersglaubenden zufügte, zu üben wähnte, da darf uns keine Schandthat Wunder nehmen, und jedes Aufsuchen von Fehlern, die von Seiten der Duldenden die Gewalt herbeigeführt haben sollten, ist eine Sünde an den Manen der unglücklichen Opfer jener finstern Zeit. Es verdient jedoch bemerkt zu werden, daß Pfalzgraf Ruprecht I. die Juden, welche dem Gemetzel in «peier (und Worms) entgangen waren, in seinem Schlosse zu Heidelberg retten wollte. Allein auch er mußte dem Andrange des Pöbels weichen und sie Preisgebens). Auch in Landau waren die Juden in jenen verhängnißvollen Jahren 1348—49 wie überall dem Tode geweiht. Allein hier vermochten sie die Angriffe auf ihr Leben zurückzuweisen ^). Es mag sein, daß sie dazu mächtig und zahlreich genug warens), besonders in der noch nicht so bevölkerten Stadt. Doch scheint es, daß die bessern Bürger sich ihrer angenommen haben, und sie ohne deren Beistand eben so wenig wie anderswo dem Andrange Hütten widerstehen können. Es ist das um so wahrscheinlicher, als gerade der Rat von Straßburg, mit welchem Landau iu enger Berbinduug stand, mit aller Kraft gegen die thörichten Anschuldigungen auftrat 4), bis der durch die Aussicht auf Plünderung und Fanatismus ausgestachelte Pöbel durch Aufruhr und Gewalt Bürgermeister nnd Rat ihrer Stellen entsetzte und einen neuen Bürgerrat an ihre Stelle brachte, der das wilde Wutgeschrei begünstigte"!. Es war eben damals wie heute: Alles Gemeine und Niederträchtige schloß sich den Hetzern au, edle und vorurteilslose Männer wandten sich mit Entrüstung von ihnen ab, niit dem Unterschiede allerdings, daß einerseits viele, sonst edle Menschen, in ihrer Beschränktheit wirklich an das Märchen glaubten, die Juden Hütten Quellen und Flüsse vergiftet, anderseits die Meisten in der That mit der Vertilgung der Juden ein gottgefälliges Werk zu übeu glaubten, was heutzutage selbst die Heiligen an der Spree kaum Jemanden glauben machen können, und endlich das Gold der Juden unmittelbar geteilt werden konnte"), was heutzutage bei nnseren Gesetzen und staatlichen Einrichtungen doch noch in etwas weiter Ferne stehen dürfte Dennoch scheint auch in Landau der Pöbel insofern gesiegt zu haben, daß die Juden die Stadt verlassen mußten. Bessere Tage brachen für die Juden, wenn auch nur auf kurze Zeit, unter dem Kaiser Ruprecht von der Pfalz (1400 ') Grätz nach Albertus von Stratzbnrg p. 149. •) Lehmann, Urtl Gesch. der Stadt Landau nach Schöpflin Alsat 111. u. Hdschr. d. Ed. Jost. Daten aus der 600jähr. Gesch. d. Stadt Landau, S. 8 a) l. l. 4) Albertus von Straßburg, S. 145, Jac. Königshoven, Elsäss. Chronik. 5) Königshofen l. l ") Das war auch die Vergift, die die Inden döttet', Elsäss. Chron. S. 296. 11*

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