Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 2 (1882)
- Issue
- Heft 5 (1.5.1882)
- Date
- 1882-05-01
- Page
- Seite 118 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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118 Beachtung wert sei. Zudem ist es nicht so leicht, diese Literatur zu erforschen. Aus äußeren Gründen, weil sie nicht bibliographisch klar gesichtet und gehörig geordnet ist und weil sie zerstreut durch alle Länder uicht so leicht zugänglich gemacht werden kann, und aus inneren Gründen, weil zu deren Erforschung Vertrautheit mit der hebräischen und aramäischen Sprache und mit der jüdischen Wissenschaft einerseits nötig ist, insofern als oft orientalische Wörter im Texte mit unterlaufen und als auch der Inhalt derselben zumeist aus Stoffen besteht, die dem Judentume, seiner Religions- und Geschichtswissenschaft augehören und als andererseits derjenige, der diese Literatur erforschen null, sich genau mit der Geschichte der deutschen Sprache und ihren verschiedenen Dialekten vertraut gemacht haben muß, weil sich ihm sonst der Sinn des Textes nicht erschließen kann. Die deutsche Sprachwissenschaft hat von der Erforschung dieser bisher verkannten Literatur viel zu erwarten. Manches verloren gegangene ächt germanische Wort haben die Juden, die eine zähe Vorliebe für die deutsche Sprache an den Tag legten, hier aufbewahrt und man wird gar manchen aus der deutschen Sprache verschwundenen Ausdruck entdecken, wie auch besonders durch alte vielsprachige Glossare für die Kunde der romanischen Sprachen und ihrer Dialecte eine Bereicherung zu erwarten ist. Der Verfasser dieser obbenannten Chrestomathie, sonst schon durch seine wertvollen Arbeiten auf dem Gebiete der jüdischen Literatur vorteilhaft bekannt, welcher eine Auswahl von mehreren alten jüdischdeutschen Druckwerken und Handschriften, die im deutschen Buchstabengewande austreten, bietet, hebt auch mit Recht hervor, daß diese Arbeit zugleich ein Beitrag zur Kunde der hebräischeu Literatur sei, weil die Leser dadurch in den Stand gesetzt werden, viele seltene sonst unzugängliche Bücher der jüdischen Literatur in deutscher Sprache kennen zu lernen. Die jüdisch-deutsche Literatur zerfällt in zwei Teile, in eine solche, welche schon tot ist und nur in Deutschland hervortrat, und in eine solche, welche in slavischen Ländern ihre Heimat hat, woselbst heute noch in ununterbrochenem Zusammenhänge mit der Vergangenheit so geschrieben und zum Teil auch noch so gesprochen wird. Auffallend ist, daß slavische Wörter in den« Teile der Literatur, welche in slavischen Ländern entstanden sind, nur äußerst selten anzutreffen sind, woraus zu ersehen ist, mit welcher Liebe und Anhänglichkeit die Juden an der deutschen Sprache hängen. Die Druckwerke dieser äußerst interessanten Literatur reichen bis in das fünfzehnte Jahrhundert, welchen Handschriften aus älterer Zeit zu Grunde liegen. Ihr Inhalt läßt sich in die Fächer: Bibelübersetzung, Lexikographie, Geschichte, Sage (auch deutsche in eigenartiger Fassung und Bearbeitung), Fabeln, Novellen, Gebete, Lieder, Dramen, Sprüche, Reisebeschreibungen, Sittenbücher, Medizin, Mathematik und Astronomie einteilen. Ganz unbekannt ist dem Verfasser eine Arbeit des Referenten auf diesem Gebiete, unter dem Titel „Beiträge zur Kenntnis der jüdisch-deutschen Literatur", Frankfurt a. M. 1877. Separatabdruck aus Dr. N. Brüll's Jahrbüchern für jüdische Geschichte und Literatur, Hl. Jahrgang, in welcher auf dieses vernachlässigte Literaturgebiet hingewiesen und die Erforschung desselben angeregt wird. Herr Grünebaum ist ganz mit den Vorkenntnissen ausgerüstet, welche zur Erforschung dieses Schrifttums nötig sind und können wir ihm nur Dank zollen, daß er in weiteren Kreisen das Interesse für dasselbe durch seine gediegene Arbeit weckt und belebt. Grünebaum's Buch macht natürlich auf Vollständigkeit keinen Anspruch und sind dem Verfasser auch manche Kenntnisse nicht zur Hand, die er aus schon Vorhandenem hätte schöpfen können. So ist ihm entgangen, daß das Buch des ewigen Lebens,