Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 2 (1882)
- Issue
- Heft 5 (1.5.1882)
- Date
- 1882-05-01
- Page
- Seite 117 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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117 Harmonie, die der vernimmt, der mit bescheidenen! nnd ernsten, Sinne an die Offenbarung der Geschichte herantritt." Rheineck: „Während Sie jenen Melodien lauschen, reißt der Wucherer den Reichtum des Volkes an sich." Sternau: „Auch der Menschenfreund kann es nicht leugnen, daß sie ihre Reichtümer finden, wo weinend der Arme seine Hütte verläßt." Laroche: „Die Fehler der Privilegirten. sind auch die ihren. Man sei gerecht, aber gegen Jeden! Man beschränke den Übermut des Besitzenden, ob er ein Lord, ein Magnat oder ein Jude ist! Dem Volke gilt es gleich, von welcher Hand die Peitsche, unter der es stöhnt, geschwungen wird. Waruin wirft man nur dem verachteten Volke vor, was als furchtbare Schuld auf dem Haupte der Besitzenden aller Zeiten und aller Völker lastet?" In dem weiteren Verlauf der Handlung komint es nun zu einer Erklärung zwischen Laroche und Sophie. Er erkennt ihre hingebende Liebe, und bewirbt sich um ihre Hand. Die Scene, in welcher er unter dem durchsichtigen Schleier einer rührenden Erzählung sich als Juden bekennt, ist von ergreifender Wirkung. Er wird niit seiner Bewerbung schroff zurückgewiesen und Sophie ist in der fürchterlichen Lage, entweder ihren Geliebten oder ihre Angehörigen verlassen zu müssen. Rheineck beleidigt Laroche in einer tötlichen Weise, und es kommt zum Duell, in welchem der letztere fällt. Diesen Stoff hat der Dichter echt dramatisch zu gestalten gewußt. Das Interesse wächst von Scene zu Scene, von Akt zu Akt. Der Konflikt bildet sich in natürlicher Weise, ohne der Handlung Zwang anzuthun, und man könnte höchstens an dem Stücke aussetzen, daß die Schlußkätastrophe nicht mit Notwendigkeit eintritt, indem der Ausgang eines Zweikampfes dem Zufall zu viel Spielraum läßt. Indessen ist der Charakter Laroches so leidenschaftlich angelegt, daß wir auf einen tragischen Ausgang gefaßt sind, sobald er auf seine Geliebte verzichten inuß, mag er nun in, Zweikampfe fallen, oder selbst Hand an sich legen. Die Sprache des Stücks ist schwungvoll, ohne schwülstig zu sein; der Dialog geistreich und spannend. Die Aufführung war den besten Kräften des Frankfurter Schauspielhauses anvertraut. Wünschen wir unserem begabten Mitbürger ferneres Gedeihen und noch manche Lorbeerkränze auf seiner dichterischen Laufbahn! Mdischdeutsche Chrestomathie. Zugleich ein Beitrag zur Kunde der hebräischen Literatur von 1>r. Max Grünebaum. Leipzig. F. A. Brockhaus. 1882. (XU. u. 587 Seiten.) Auch die jüdisch-deutsche Literatur, die ganz das Gepräge der Zeit an sich trägt, in der sie entstanden, wird nach und nach von dem Banne eines Vorurteils, unter welchem sie stand, befreit und staubige Bücher, die man gewohnt war bei Seite liegen zu lassen, weil man für die Eulturgeschichte keine Ausbeute von ihnen erhoffte, erstehen in herrlichem Prachtgewande. Ein frischer Luftzug fährt durch einen alten niorschen Bau, und man entdeckt in demselben nie geahnte Geistesschätze. Fragen wir uns nach dem Grunde, wie. so es kam, daß man bis auf unsere Tage diesen! so äußerst wertvollen interessanten Literaturgebiete gegenüber sich fast ganz indifferent verhalten hat, so ist er darin zu finden, daß man das Jüdisch-deutsche fälschlich für eine Art Kauderwelsch hielt, das nicht der