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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1882-05-01 · Heft 5 (1.5.1882) · p. Seite 116

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
2 (1882)
Issue
Heft 5 (1.5.1882)
Date
1882-05-01
Page
Seite 116 (sequence 20)
Language
German
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116 Sohn der Freiheit erlaubte ihm, des edlen Ursprungs eingedenk, dem Wohle der Menschheit zu dienen. Traurig war sein Herz, denn seine Ideale von der kalten Hand des Caesars niedergehalten, sie würden, das fühlte er, wohl dereinst wieder aufblühen, aber erst auf seinem Grabe." Die ferneren Kriege des Kaisers führen Laroche nach Deutschland, seinem eigentlichen Vaterlande. Hier lernte er in einer hocharistokratischen Familie eine junge Dame kennen, welche ihn mit heftiger aber hoffnungsloser Liebe erfüllt. Er hat indes Gelegenheit, ihren Bruder, ohne ihn zu kennen, vor den Häschern Napoleons, die ihm als Anhänger Schill's nachspürten, zu retten. Dieser Umstand macht ihn zum Vertrauten der Familie, kostet aber auch seine Stellung. Ohne geben die gute Sitte zu verstoßen, kann er die Einladungen des Hauptes der Familie des Grafen v. Sternau nicht ablehnen. Er gewinnt die Liebe seiner von ihm im Stillen heiß geliebten Tochter, obgleich er ihr den Rath gegeben hat: „den gefährlichen Existenzen aus dem Wege zu gehen, welche heute den Anblick vollkommenen Glücks gewähren und morgen mit den Trümmern ihres Schiffs - bruchs die mit ihnen Verbundenen bedecken." Er erkennt zu gut die uuübersteiglichen Hindernisse, welche einer Verbindung mit Sophie im Wege stehen. Ihre Familie hat alle Vorurteile der Rasse und des Standes im höchsten Grade. Laroche ist Jude und Republikaner, vor allem aber Manu des Friedens. Betroffen ist er von den verächtlichen Worten, welche ihm in dein aristokratischen Salon entgegenschallen und die ihn auf das Tiefste verletzen- Höhnisch fragt ihn der Graf von Rheineck, wie er sich die Organisation des Friedens denke, welche Laroche als das erstrebenswerte Ziel einer fernen Zukunft hingestellt hatte. Darauf erwiederte Laroche: „Statt alle Kräfte wie jetzt dem Kriege dienen zu lassen, wird sich der Staat der Zukunft der Bekämpfung seiner nie schlummernden innern Feinde, der Armut, der Unwissenheit, des Verbrechens widmen. Reich und Arm darf nicht länger in zwei feindliche Lager geschieden sein, nicht länger Haß, tief verhaltener Groll bei den Einen, Furcht, Argwohn, Mißtrauen bei den Andern herrschen. Auch der Masse der Enterbten, dem unbemittelten Volke, das Alles erzeugt, was uns das Leben verschönt, das die Existenz des Staates möglich macht, seine Schlachten schlägt und seine Steuern zahlt, soll ein menschenwürdiges Dasein geboten, Bildung und höhere Genüsse sollen einem Jeden ermöglicht werden." Wir sehen Laroche ist Volksfreund, seine Devise ist die der französischen Republik: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit; und er zieht aus derselben schon jetzt die Consequenzen, welche eigentlich erst später von einzelnen Männern des Volks daraus gezogen worden sind. Als der Graf Reineck, der selbstverständlich nicht weiß, daß Laroche Jude ist, spöttisch meint: „Schließlich werden wir auch noch die Juden für unseres Gleichen achten müssen", erwiedert Laroche stolz und entschlossen: „Sind sie es nicht? Sie haben in langer schmachvoller Knechtschaft manche Eigenschaften der Sklaven angenommen. Aber wer hat das Volk erniedrigt, das der Welt einen Gott und die Gesetze der Liebe und Sittlichkeit gegeben hat? Ein furchtbares Drama der Weltgeschichte, vielleicht ihre erschütterndste Tragödie. Ein Volk löste das andere im Henkeramte ab." Als Rheineck meint „besser wäre es, wenn man den Ahasver unter den Völkern zur Ruhe bettete" versetzt Laroche: „Keine Saite des niächtigen Instruments, auf welchem der Weltgeist seine unendlichen, wunderbaren Melodien spielt, darf verstummen, denn sie sind notwendig zu jener

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