Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 2 (1882)
- Issue
- Heft 5 (1.5.1882)
- Date
- 1882-05-01
- Page
- Seite 115 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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115 sowie in rabbinischen Lehren begründet. Wenn nun in neuerer Zeit gerade Ärzte jüdischer Konfession ihrer Wissenschaft wesentliche Förderung zugewendet, so ist — ihnen selbst unbewußt — die Veranlassung zu diesem Berufe in ganz obsolet gewordenen Verhältnissen zu suchen. So gestaltete sich denn die Frage nach der Existenz einer kulturhistorischen Bedeutung der jüdischen Geschichte zu einer nachdrücklichen Bestätigung und einer positiven Kennzeichnung der Richtung, in welcher sie weltgeschichtlich zur Geltung gekonimen und auch in den zukünftigen Gestaltungen der Geschichte fortwirken wird. — In dem zweiten, nicht minder vom Publikum mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Vortrage über „Das Land Palästina rc." führte Herr Dr. Cassel aus, wie ganz anders es sich mit den natürlichen Bedingungen der größten religiösen Entwicklung verhalte, als mit denen der politischen und wissenschaftlichen Erfolge. Diese setzen Mittelpunkte eines großen Staatenkomplexes für ihr Bestehen und Gedeihen voraus. Die Wiege der religiösen Vorstellungen aber ist ein Land gewesen, das weder durch seinen Anfang noch durch die Machtstellung seiner Einwohner irgend einen Einfluß auf die Welt auszuüben geeignet war. Aus diesem Gesichtspunkte hat Herr Dr. Cassel seine Ausführungen sehr beziehungsreich und seine Schilderungen mit vollendeter Anschaulichkeit gegeben. I) 8. Hleferate. Laroche. Trauerspiel in fünf Aufzügen von Ferdinand Ludwig Neubürger. Frankfurt a. M. Verlag von Carl Jügel's Nachfolger (Moritz Abendroth). 1882. (101 S.) Nach einer langen Pause brachte Dr. F. Neubürger vor einiger Zeit ein neues Trauerspiel auf die Bühne des Frankfurter Stadttheaters. Mit „Laroche" errang der Dichter einen durchschlagenden Erfolg. Bis jetzt machte das Stück sieben volle Häuser, und der Autor soll wegen der Aufführung auch mit auswärtigen Bühnen in Verbindung stehen. Hoffen wir, daß es auch anderswo die begeisterte Aufnahme finde, welche es hier gefunden hat. Laroche ist ein Deutscher von Geburt, voll Liebe für sein Vaterland, aber da er Jude ist, so findet diese Liebe keine Erwiederung, die spröde Geliebte stößt ihn zurück, und es ist erklärlich, daß er beim Ausbruche der französischen Revolution nach Frankreich eilte, um, wie viele Ausländer, für eine Sache einzutreten, welche seine Ideale der Wirklichkeit näher zu bringen schien. Er wurde Soldat und bald Offizier in dem Heere der Republik und verblieb auch bei deniselben, als Napoleon als Diktator auftrat. Dieser erkennt seine Verdienste an, obgleich er in ihm den glühenden Republikaner sieht, und befördert ihn zu einem wichtigen Posten. Hören wir, was er unter dem Namen eines Freundes von sich selbst erzählt: „Als Napoleon, zum Kaiser gekrönt, den Eid der Treue verlangte, stand er an der Spitze von Jünglingen, die ihn verweigerten. Zur Wut gereizt, forderte der Kaiser die Namen der Republikaner, um sie aus der Lifte seiner Armee zu streichen. Als er den Namen meines Freundes erblickte, rief er heftig: „Wenn es ein Anderer wäre, so sollte er die Schwere meines Zorns empfinden." Mein Freund, der Oberst, verleugnete seine Gesinnungen nicht, aber der abtrünnige 10*