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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1882-05-01 · Heft 5 (1.5.1882) · p. Seite 114

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
2 (1882)
Issue
Heft 5 (1.5.1882)
Date
1882-05-01
Page
Seite 114 (sequence 18)
Language
German
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114 zeichnen die Reden des Jesaia, des. die Capitel 40 bis 66. — Um die Zeit Alexander's des Großen nimmt das jüdische Geistesleben ein neues Element in sich auf, das für die kulturhistorische Einwirkung des Judentums in Kleinasien und Ägypten von großer Bedeutung wurde. Die dort lebenden Juden schufen eine Verbindung von griechischer Bildung und jüdischer Sittenreinheit. Die Septuaginta und die Schriften des Alexandriners Philo sind die bedeutenden literarischen Beurkundungen jener Epoche. Während aber der jüdische Geist auf dem Boden der griechischen und römischen Welt in Geltendmachung seiner Welt- und Lebensauffassung sich bethätigte, bereitete sich, vom Ursitze des Judentums, und von alten, unmerklichen Trieben ausgehend, die Entwicklung des Christentums vor. Der Vortragende zeichnete mit wenigen aber scharfen Umrissen die Signatur jener Epoche, sowie die Entstehung und Verbreitung jener neuen, aus dem Judentum hervorgegangenen Lehre. Er versagt den Urhebern und Verbreitern des Christentums, besonders dem Apostel Paulus nicht die Anerkennung von bedeutenden kulturhistorischen Verdiensten, die sich nicht zum Wenigsten auf die Einführung jüdischer Lehre und Sitte in die Heidenwelt gründen. Aber der Vortragende verwahrte sich aufs Nachdrücklichste gegen die bekannte Auffassung der christlichen Theologen, daß mit der Hervorbringung des Christentums die Bedeutung der jüdischen Geschichte erschöpft wäre. Diese Frage sei bis ans den heutigen Tag maßgebend gewesen für die Stellung, welche die' Bekenner des Christentums gegenüber den Inden eingenommen haben. In der vielen, unerwünschten Antwort, welche diese Frage durch den geistigen Fortbestand des Judentums gefunden hat, ist die Quelle des Hasses zu suchen, welcher die Scheiterhaufen angezündet, die Juden recht- und heimatlos gemacht. — Eine andere Hervorbringung der jüdischen Geschichte ist der Muhamedanismus, die Religion des Islam. Aber neben diese kulturhistorische Bedeutung, welche ihren Grund im Wesen des Judentums hat, vermöge deren es treibend und fördernd, wenn auch selbst im Hintergründe stehend, auf weitere Kreise einwirkte, treten noch andere kulturhistorische Momente, die ihre Entstehung in den Schicksalen haben, welche dein jüdischen Stainm auferlegt wurden. Als'ein solcher kulturhistorischer Moment ist die Beteiligung der Juden am Handel, der ein Geschichtsschreiber dieses Zweiges menschlicher Kulturarbeit gewiß einen bedeutenden Raum widmen muß. Aber gerade das, was in der Handelswelt der Jude heißt, zeigt den Reflex dessen, was man ihm angethan. Der Vortragende führte den geschichtlichen Nachweis, daß die Inden erst um die Zeit nach den Kreuzzügen sich dem Handel, und zwar ganz gegen ursprüngliche nationale Neigung und Anlage, aber durch eine barbarische Gesetzgebung gezwungen, ergeben haben. Jndeß könne Spanien, das die Juden ausgewiesen, und Holland, das sic ausgenommen, darüber entscheiden, von welchem Wert die Handelst hätigkeit der Inden sei. Leistungen von Juden auf dem Gebiete der Kunst und Wissenschaft hat Herr l)r. Cassel aus seinem Thema ausgeschlossen, weil nur kulturhistorische Einflüsse, die im Wesen und in der Geschichte des Judentums ihren Ursprung haben, in Betracht kommen, wo von einer kulturhistorischen Bedeutung der jüdischen Geschichte im engeren Sinne die Rede ist. In der Geschichte des Judentums begründet, sind aber die Einflüsse, welche die Juden auf die Gestaltung der hebräischen, später der weiteren semitischen Sprachwissenschaft und die Kenntnisse jener Literaturen ausgeübt haben. Auch die Pflege, welche die Medicin durch das ganze Mittelalter bis in die Gegenwart hinein von Seiten der Juden gefunden, ist nichts Zufälliges, sondern in den geschichtlichen Schicksalen derselben,

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