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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1882-05-01 · Heft 5 (1.5.1882) · p. Seite 112

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
2 (1882)
Issue
Heft 5 (1.5.1882)
Date
1882-05-01
Page
Seite 112 (sequence 16)
Language
German
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— 112 Folge seiner ungewöhnlichen Geistesgaben und tiefen Gelehrsamkeit schon damals zu den Autoritäten ersten Ranges gezählt wurde. Die Rabbinen gaben sich alle erdenkliche Mühe uin ihn umzustimnien und dem Judentum zu erhalten, ließen ihm sogar durch einen seiner Freunde eine jährliche Pension von 1000 Gulden anbieten, wenn er sich entschließen würde dem traditionellen Judentume treu anhänglich zu bleiben. Allein alle ihre Anstrengungen, blieben fruchtlos, denn Spinoza war um keinen Preis der Welt geneigt seine Überzeugungen und Ansichten zu verleugnen, obschon er dadurch als Skeptiker verrufen und von der Gesellschaft gemieden wurde. Als jedoch ein Fanatiker in Amsterdam Spinoza durch einen Messerstich den Garaus zu machen beabsichtigte, welcher Gefahr er frühzeitig entging, verließ er Amsterdam und verfügte sich nach Rynsburg, wo er bei einem Freunde ein Asyl fand. Später übersiedelte er nach Voorburg, und zuletzt nach dem Haag, .wo er bis an sein Lebensende verweilte. Kaum hatte er Amsterdam verlassen, als das Rabbinatskollegium der Amsterdamer Gemeinde sich veranlaßt sah ihn, den unversöhnlichen Ketzer, mit dem großen Bann zu belegen. — Dieser schwere Bann (Cherem) der am <>. Ab 1000 in der Synagoge zu Amsterdam von den Rabbinen in portugiesischer Sprache von der Kanzel herab in feierlichster Weise verkündet wurde, wurde mit folgenden Worten eingeleitet: „Die Herren des Maamad thun euch zu wissen, daß sie schon vor einiger Zeit Nachricht von den schlimmen Meinungen und Handlungen des Barnch de Espinoza hatten und sich durch verschiedene Wege und Versprechungen bemühten, ihn von seinen schlimmen Wegen abzuziehen. Da sie dem nicht abhelfen konnten, im Gegentheil erhielten sie täglich mehr Nachrichten von den entsetzlichen Ketzereien, die er übte und lehrte, und von ungeheuerlichen Handlungen, die er beging, und sie hatten davon viele glaubwürdige Zeugen, welche sie ablegten und bezeugten alles in Gegenwart des besagten Espinoza, dessen er überführt wurde. Da dieses Alles in Gegenwart der Herren Chachamim geprüft wurde, beschlossen sie mit deren Zustimmung, daß besagter Espinoza sei gebannt und von Israels Nation getrennt, wie sie ihn gegenwärtig in Cherem legen mit folgendem Oberem etc." (Gr. Gesch. 10 B. Note 1.) Spinoza fern von Amsterdam küinmerte sich sehr wenig um die dortigen Vorgänge, und weihte seine ganze Kraft und Fähigkeiten ausschließlich seinen philosophischen Forschungen. Durch Schleifen optischer Gläser, das er nebenbei erlernte, erwarb er sich so viel, däß er die nötigsten materiellen Bedürfnisse be friedigen konnte ohne auf die Munifizenz Anderer hingewiesen sein zu müssen. So oft seine Freunde es versuchten seine Lage durch Subventionen verbessern zu wollen, weigerte er hartnäckig die Annahme derselben. Der Umstand, daß er selbst dem ehrenvollen Rufe als Universitäts-Professor nach Heidelberg Folge zu leisten Anstand nahm, iveil er hierdurch in die unangenehme Lage versetzt worden wäre ein „religiöses Wechselgeschüft" zu machen, beweist zur Genüge, daß er trotz seiner destruktiven Ansichten in religiöser Beziehung, ein äußerst biederer und wackerer Charakter gewesen ist. Unter seinen trefflichen höchst gediegenen rind gedankenreichen Werken war der „theologisch-politische Traktat," in welchem er für die Denkfreiheit im Jntresse der Religion und des Friedens plaidirte, am ineisten epochemachend. Spinoza starb am 21 Febrnar 1677 an einem Brustübel, uub wurde von seinen Freunden und Verehrern aufs tiefste betrauert. .

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