Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 2 (1882)
- Issue
- Heft 5 (1.5.1882)
- Date
- 1882-05-01
- Page
- Seite 111 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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111 Religionsgesetze verletzte. Er wurde verraten und in Folge dessen aufs Neue in den Bann gelegt, und von der Gesellschaft ausgeschlossen.' In dieser traurigen höchst unerguicklichen Lage lebte er sieben Jahre lang. Länger aber konnte er die Qualen des Bannes nicht ertragen, daher faßte er den Entschluß sich den Anordnungen des Rabbinates mit aller Unterwürfigkeit zu fügen. Er wurde ans Befehl des Rabbinates in die Synagoge geführt, wo er öffentlich in Gegenwart zahlreicher Männer und Frauen seine ketzerischen Ansichten widerrufen und die demütigste Geißelung an sich vollziehen lassen mußte. Dieser schauerliche Akt der öffentlichen Demütigung wirkte niederschmetternd auf sein Gemüt und in seiner erregten und erhitzten Phantasie sann er auf Rache. Er schrieb nämlich in seinem aufgeregten Zustande seine Leidellsgeschichte, in der er Inden und Judentum auf die schmählichste Weise herabwürdigte, verdächtigte und verunglimpfte. Dieselbe hatte den Titel: „Ein Beispiel des menschlichen Lebens." Nachdem er diese Schmähschrift (April 1640) vollendet hatte, nahin er sich durch einen Pistolenschuß das Leben. Auch eine andere weit größere und hervorragendere Persönlichkeit als da Costa wurde in Folge der strengen an Intoleranz grenzenden Verfahrungsweise des Amsterdanler Rabbinates aus dieser Gemeinde verdrängt. Es war dies der berümte Philosoph Spinoza. Benedict (Baruch) Spinoza lvurde am 24 November 1632 in Amsterdam geboren. Er bekundete frühzeitig schon einen großen Geist, und überragte in der Amsterdanier Lehranstalt „Talmud Thora," die er fleißig frequentirte, alle seine Mitschüler. In Folge dessen erwarb er sich die Liebe seines Lehrers Saul Morteira in solch hohem Maße, daß er bei jeder Gelegenheit ausgezeichnet wurde. Spinozas großer Wisselisdurst aber war von dein Talmudstndium allein noch nicht befriedigt, er war vielmehr aus allen Kräften bestrebt und bemüht sich auch auf dem Gebiete profaner Wissenschaften reiche Kenntnisse anzueignen. Er hörte fleißig die Borlesungen des als Philologen damals berühmten Arztes Franz van den Enden, und brachte es bald in der Kenntnis der lateinischen, spanischen, portugiesichen, holländischen, fränzösischeu, italienischen und deutschen Sprache zu einer staunenswerten Fertigkeit. Mit besonderer Vorliebe aber betrieb er das Studium der Philosophie. Er studirte mit heißem Bemühen sowol die Schriften des Maimonides, Gersonides und Creskas als die des Cartesius. Durch die philosophischen Grundsätze des Letzter» geriet er auf Abwege, die ihn zum Skeptieismus verleiteten. Trotz seines sittlich reinen tugendhaften Lebenswandels, trotz seines biedern und wackern Charakters wendete er, Spinoza nämlich, dem Glauben seiner Väter den Rücken, besuchte nie die Synagoge und verletzte die Speisegesetze und sonstige religiöse Bräuche und Zeremonien. Selbst die wißbegierigen Jünger, die sich um ihn schaarten, suchte er mit seinen Ansichten und Anschauungen vertraut zu machen. In Folge dieser, öffentliches Ärgernis erregenden Verfahrnngswcise wurde Spinoza vor das Rabbinatskollegium geladen, und ernstlich ermahnt die einmal betretene Bahn der Jrreligiösität zu verlassen. Allein Spinoza war nicht im entferntesten geneigt die Ermahnungen seiner Lehrer zu würdigen, und perhorreseirte nach wie vor die wichtigsten religiösen Satzungen und Lehren. Dieser Starrsinn veranlagte die Rabbinen und Vorsteher der Amsterdamer Gemeinde ihn anfangs mit dem leichten Banne zu belegen. Mit all zu großer Strenge wollte nian anfangs gegen ihn nicht verfahren, weil man der Befürchtung Raum geben zu dürfen glaubte, daß er zum Christentum übertreten und dann dem Judentum um so gefährlicher werden könnte, als er in