Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 2 (1882)
- Issue
- Heft 5 (1.5.1882)
- Date
- 1882-05-01
- Page
- Seite 110 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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110 Heschichlsbitder aus der nndjta(mubirrt)rn Zeit bis auf die Gegenwart (.1500—1880). Nach den Quellen bearbeitet von Dr. M. H. Friedländer. lluief Oa Losla unh Spinoza. Urict da Costa, oder wie sein christlicher Name lautete, Gabriel da Costa ivurde ungefähr 1590 in Oporta in Portugal von christlichen Eltern, die einer Marannenfamilie entstammten, geboren. Seine Eltern, die schon fromine Katholiken waren, haben ihm eine streng katholische Erziehung angedeihen lassen. Er studirte mit heißem Bemühen juridische und theologische Wissenschaften und erhielt in seinen! 25. Lebensjahre in seiner Vaterstadt das lvichtige Amt eines Schatzmeisters an der Kirche. Allein durch fleißiges Bibellesen wurde in ihm der Wunsch rege zum Glauben der Väter zurückzukehren. Er resignirte auf sein kirchliches Amt, verkaufte sein schönes von seinem bereits verstorbenen Vater ererbtes Haus und flüchtete sich heimlich mit seiner Mutter und seinen Brüdern nach Amsterdam, wo sie öffentlich zum Jndcntume übertraten. Hier sah sich jedoch llriel da Costa bald in seinen Erlvartungen getäuscht. Das rabbinische Judentum mit seinen unzähligen Zeremonien, Observanzen und Bräuchen hat durchaus nicht seinem Geschmacke wie seinen Illusionen entsprochen. Er leugnete die Tradition, wollte außer der Bibel keine Autorität auf religiösem Gebiete anerkennen und setzte sich öffentlich über wichtige religiöse Bräuche hinweg, wodurch er mit der Amsterdamer Gemeinde in Konflikt gerieth. Die Rabbincn bedrohten ihn mit dem Banne, so er nicht von seinen, öffentliches Aergernis erregenden irreligiösen Handlungen Nachlassen sollte. Allein da Costa wurde hierdurch noch inehr erbittert und fuhr fort die wichtigsten religiösen Satzungen öffentlich zu verletzen. In Folge dessen wurde er voin dem Rabbinate in den Bann gelegt. Alles in der Gemeinde wich ihm, dem Ketzer, aus, selbst seine nächsten Verwandten, die mit Liebe die religiösen Satzungen beobachteten, mieden seine Gesellschaft und so stand er einsam und verlassen da in seiner neuen Heimat. In dieser traurigen Situation arbeitete er eine Schrift aus, in der er die Behauptung aufstellte, daß-das Judentum die Lehre der Unsterblichkeit der Seele nicht kenne. Bevor jedoch noch diese Schrift das Tageslicht erblickte, veröffentlichte der Arzt Samuel da Silva, der wol von dem Vorhaben des da Costa erfahren haben mußte, eine Schrift unter dem Titel: „Abhandlung über die Unsterblichkeit der Seele," in der er die Unwissenheit eines gewissen Ketzers geißelte. Diese Schrift regte da Costa noch mehr auf und er beeilte sich sofort seine ketzerische Schrift nebst einer Entgegnung gegen den Arzt da Silva der Öffentlichkeit zu übergeben. Diese Schmähschrift veranlaßte den Amsterdamer Gemeindevorstand ihn beim Magistrate anzuklagen, daß er durch das Verleugnen der Unsterblichkeit der Seele nicht blvs die Lehre des Judentums sondern auch die des Christentums öffentlich verletzt, und ketzerische Lehren in der Welt verbreitet habe. In Folge dessen wurde da Costa verhaftet, mußte mehrere'Tage im Kerker schmachten, und wurde endlich zu einer Geldstrafe von 300 Gulden verurteilt. Ungefähr fünfzehn Jahre lang lebte er im Banne, allein diese traurige Situation wirkte deprimirend auf sein Gemüt und er entschloß sich endlich auf Anregung seines Neffen sich mit der Gemeinde auszusöhnen und seine Reue, wenigstens mit den Lippen öffentlich zu bekunden. Kaum aber hatte er sein Sündengeständnis abgelegt, als er heimlich in gewohnter Weise die