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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1882-05-01 · Heft 5 (1.5.1882) · p. Seite 109

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
2 (1882)
Issue
Heft 5 (1.5.1882)
Date
1882-05-01
Page
Seite 109 (sequence 13)
Language
German
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109 und Gelehrte, der Weise in mystischen Sprüchen, doch voll Lebensweisheit redend, der Stanimvater eines edlen Volkes, er konnte nur im Morgenlande, nur in diesen Gegenden Hausen. Zeiten haben sich geändert, Religionen in den Formen auch; aus den vielen im Wesen gleichen, in den Hauptgedanken ähnlichen, nur im Ritus verschiedenen Glaubensbekenntnissen und Götterkultnssen des morgenländischen Altertums hat sich nur Eine rein erhalten, es ist die hebräische, die Lehre des alten Jehova, seines Propheten Moses. Doch das Volk, das auserwählte Volk der Juden, es hat Heimat- und Staatsgewalt verloren und der ewige Jude ist unsterblich, immer Typus und Glauben unverfälscht erhaltend, in alle Länder der Erde verteilt. Unbewußt rächt er sich durch sein Wesen, bewußt vertritt er eine gewisse Macht, die ihm der scharfe Geist des Morgenlünders verleiht. Das Abendland hat ihnen alles genommen, sie über die Erde verstreut; doch ihr Wesen auszumerzen, war es nicht im Stande, und so lebt das alte, vielgeprüfte Volk noch heute und hat Anspruch auf die unleugbare Weltgeschichte. Aus dem an Weisheit reichen Glauben der Hebräer entstand das Judentum; nur ein Land wie Palästina, der Orient allein konnte die Lehren Christi hervorbringen, in vielen Sätzen neu, in Entstehung und Wesen aber die Fortsetzung der alten morgenländischen Religionen. Im heutigen ins Abendländische übersetzte Christentum sind Hauptgedanken und die Geburtsstätte doch immer der Orient. Wer so über Hebräervolk und Hebräer-Religion denkt und schreibt, der kann kein Freund des Antisemitismus sein. Trotz dieser hohen Beispiele und trotz der Abmahnungen von Seiten der ersten ungarischen Autoritäten wühlt der Antisemitismus hier doch langsam und unablüßlich und darum auch gefahrdrohender, was auch jüngstens den Abgeordneten Polonyi zu der Interpellation drängte, die sich mit großer Schärfe an die Staatsanwaltschaft mit der Frage wendete: Woher es komme, daß sie nicht bemerke, daß man seit Jahren systematisch gegen einen Teil des ungarischen Volkes, gegen die Juden, in Zeitungen und Flugschriften eine Hetze betreibe, ohne daß die Autoren der betreffenden Brandschriften wegen Aufreizung zum Hasse gegen einzelne Volksklassen in den Anklagestand versetzt würden. Merkwürdigerweise antwortete nicht die Regierung, sondern der bekannte Judenfeind Jstoczy, der da versprach, demnächst erklären zu wollen, warum er ein Judenfeind geworden und warum er es in aller Ewigkeit bleiben werde. Für die Abgeordneten wird es nun allerdings jetzt bald eine heitere Sitzung geben; Jstoczy's Expektorationen erregen immer viel Gelächter; nicht so heiter und belanglos ist die Sache aber für die Juden. Doch warten wir diese interressantc Sitzung ab, und scheiden hiemit vorläufig von den halb semitisch, halb antisemitisch gestalteten Zuständen Ungarn's, um auf unsere staatliche Ehehälfte, auf Österreich, ttberzugehen. Preßburg, den 15. Januar 1882. Ra bb. Dr, David.

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