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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1882-05-01 · Heft 5 (1.5.1882) · p. Seite 107

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
2 (1882)
Issue
Heft 5 (1.5.1882)
Date
1882-05-01
Page
Seite 107 (sequence 11)
Language
German
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107 deutlicher und schroffer, auf diesem gemeinsame» Boden streitend erheben, wenn nicht Toleranz und Aufklärung die Leidenschaften besiegen und das Machtwort führen. Nichtsdestoweniger finden die lieberalen und wohlwollenden Worte Pulszky's den besten Eindruck zrücklassend, bei uns die höchste Beachtung, und sie sollen, indem ich sie hier wiedergab, die Deutschen vom Schlage Stöcker's, Förster's, Henrici's re. nicht nur belehren, wie ein ungarischer Staatsmann von großer Autorität und weltmännischem Blicke das Deutschtum der Juden auffaßt, sondern auch dem Gesamnitdeutschlaud zeigen, wie hoch geachtet und anerkannt der deutsche Kronprinz auch bei uns in Ungarn ist, und' wie seine frei- und edelmütigen Äußerungen, mit welchem er den antisemitischen Unhold zu Schanden macht und jede Ehrenbezeugungen von Seiten desselben abweist, gewürdigt und geschätzt werden. Mehr aber als der Hinweis Pulszky's auf den deutschen Kronprinzen und die Einbeziehung von dessen erlauchten Namen in seine Betrachtungen, soll das Weitere von der Werthschätzung Zeugnis geben die man hierzulande dem edlen deutschen Sproß, dem Sieger auf den Schlachtfeldern, dem Vorkäinpfer freiheitlicher und toleranter Ideen entgegenbringt, es beweißt daß auch hier jeder Mund seine Offenheit, Wahrheitsliebe, Unparteilichkeit, Bescheidenheit und seinen wahrhaft fürstlichen und biederen Charakter preist. Die Äußerungen des deutschen Kronprinzen über die Antisemiten-Bewegung und die Wiederholung des Wortes, daß die Berliner Judeuhetze eine Schmach unserer Zeit sei, erwartet man hier, werden dieser Bewegung denn doch das wohlverdiente Ende bereiten, veranlassen aber auch allenthalben die Frage, wie denn der deutsche Kronprinz dazu komme, solch ein enragirter Judenfreund zu sein? Darauf erzählt man sich, ein Herr aus der nächsten Umgebung des Kronprinzen habe einem ihm befreundeten Ungarn auf eben diese Frage geantwortet: Der Kronprinz hat mehr als andere Gelegenheit gehabt zu erkennen, daß die deutsche Jugend und selbst die deutschen Männer für ihr Vaterland zu bluten und zu streiten bereit sind ohne Unterschied des Glaubens und der Abstammung. Mir sind — sagte der Gewährsmann dem Ungarn — einige specielle Fälle bekannt, in welchen der Kronprinz die Tapferkeit, die Aufopferungsfähigkeit, den glühenden Eifer und die Geschicklichkeit einiger jüdischen Soldaten kennen lernte. Wie andere Heerführer, so pflegte auch er sich nach allen Verhältnissen der Personen genau zu erkundigen, welche sich bei irgend einer Gelegenheit besonders ausgezeichnet hatten. Der Zufall wollte mm, daß im Laufe des deutschen Krieges unter den Würdigsten und Tapfersten weit mehr Juden waren, als deni Zahlenverhältnisse zur ganzen Bevölkerung nach erwartet werden konnte. Dieser Umstand fiel deni Kronprinzen auf, wie er dem ganzen Heere auffallen mußte, aber anstatt daß die Verleihung des eisernen Kreuzes an so viele Juden, als thatsächlich dasselbe bekamen, mißgünstig angesehen wurde, verbreitete sich vielmehr im ganzen Heere die Anschauung, daß das alte Vorurteil von der Feigheit und Vaterlandslosigkeit der Juden eben nichts weiter sei, als ein Vorurteil, und wenn seitdein irgendwo im Lande Freunde der Juden existiren, so sind sie zunächst und an erster Stelle unter denjenigen zu suchen, welche auf französischem Boden gekämpft und geblutet haben. Der Kronprinz aber achtet nun den Juden ganz so wie den Christen, denn er, der vor Allem Soldat ist, achtet in ihm das Talent und die Begeisterungsfähigkeit, welche eben nirgends zu so großem Erfolge führt, als gerade im Heere. Dies Alles ist hier nicht nur allgemein bekannt, sondern man kennt auch

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