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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1882-05-01 · Heft 5 (1.5.1882) · p. Seite 100

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
2 (1882)
Issue
Heft 5 (1.5.1882)
Date
1882-05-01
Page
Seite 100 (sequence 4)
Language
German
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100 schwer machen würde, sich als ursprünglichen Autochthonen zu legitimieren'). Wo möglich aber noch einen größeren Widersinn schließt der heutzutage so eifrig geschürte Rassenhaß in sich, wonach die Japhetiten, wie man sich selbstgefällig nennt, die Semiten, das ist die Juden, nicht dulden, ihnen wenigstens kein Staatsbürgerrecht einräumen sollten. Da war man doch zu des alten Noa Zeiten noch duldsamer und wahrhaft frommer. Man ließ ihn doch seinen Söhnen Japhet und Sem anempfehlen, sich als Brüder zu lieben nnd friedlich und gleichberechtigt unter einander zu wohnen-). Doch verlassen wir diese Ungereimtheiten, da wir doch Alle Kinder Gottes sind. (Mal. 2, 10.) Jedenfalls kann es keinem Zweifel unterliegen, daß die Juden in der Pfalz und namentlich in den am Rhein gelegenen Orten schon mit den ersten römischen Legionen sich ansiedelten, und daß sie hier, wie in Gallien und Spanien und in allen römischen Provinzen, volles Bürgerrecht ohne alle Ausnahmsgesetze besaßen"). Merkwürdig ist noch, daß quellengemäß4) sowohl in Frankreich wie in Spanien und also wohl auch in den rheinischen Städten Ehen zwischen Juden und Christen stattfanden und selbst das Verbot der Concilien und der Eifer der Bischöfe nichts dagegen vermochten, bis man die Kinder ans solchen Mischehen mit Gewalt zur Taufe zwang'') gegen Ende des sechsten Jahrhunderts. Es traten jetzt überhaupt schwere Zeiten für die Inden ein, bis unter Carl dem Großen, diesem seltenen Geiste im Kriege wie im Frieden, wieder bessere Tage für sie anbrachen. So viel er auch für die Ausbreitung des Christentums durch seine zweiunddreißigjährigen Sachsenkriege und die Bekämpfung des Heidentums überhaupt und für die Kirche durch die Gründung von Bistümern und vieles Andere that, so war er doch viel zu gebildet, viel zu sehr bewandert in den Schriften des klassischen Altertums, las auch die h. Schriften mit viel zu freiem Blicke, wie er ja selbst textkritische Bemerkungen an den Rand seiner Bibel schrieb, als daß er nach Art der kleinen, in eingesogenen Vorurteilen verrannten oder verstockten Geister Hütte intolerant gegen die Inden sein können, in welchen er vielmehr die Bekenner des Gottesglaubens, die Nachkommen der Propheten, und in deren Schriften die Wurzeln des Christentums erkannte und achtete. Dabei war der staatsmännische Blick dieses wahrhaft großen Mannes schon damals zu weit und klar, als daß er den großen Vorteil nicht Hütte einsehen sollen, den die Juden durch ihre Verbindungen mit ihren Glaubensgenossen im östlichen und westlichen Europa und selbst dem fernen Asien, wo der Sitz ihrer obersten Re ligionsbehörde war, durch ihre Rührigkeit, durch ihre geistige Befähigung mitten in einer Bevölkerung, deren Größe sich nur dem Kriege widmeten und den Handel weit unter ihrer Würde hielten, die Kleinen aber, in Unwissenheit und Hörigkeit versunken, geistig abgestumpft waren, für auswärtige Handelsverbindungen bieten mußten. Letztere aber können nur bei freier Bewegung ohne kleinliche Beschränkungen und Nergeleien gedeihen, und so ist es erklärlich, daß Karl der Große auch aus diesem Grunde die Inden in ihren Bürgerrechten geschützt hat, so zwar, daß er ja bekanntlich einen Inden, sogar mit der Gesandtschaft an Harun al Raschid ') Selbst Prof. Treitschke, der so munter, in die neumodische Judenhetze einstimmte, wurde seine slavische Abstammung uachgewieseu. Übrigens hat schon Josephus e. App dem Borläufer Treitschke's und Genossen die Ungereimtheit dieses Borwurfs nachgewiesen. -) I.B. M. ll, 26 27, cf. Gerlach z. St. der seine Erklärung mit den Worten schließt: „So wird hier mit wenigen Worten . . die Heiligkeit des väterlichen Ansehens und der Ordnungen Gottes unter den Menschen festgestellt." Sv spricht der wahrhafte christliche orthodoxe Gerlach. ") S. Grätz 1 o. o V, S. 27 ff. 4) Depping, d. Juden im Mittelalter. fi) S. Depping und Grätz l. l.

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