Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 2 (1882)
- Issue
- Heft 4 (1.4.1882)
- Date
- 1882-04-01
- Page
- Seite 92 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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92 Dein Wirken der Menschheit, Dein Andenken uns." Er warf die üblichen drei Rosen als trefflich gewählte Sinnbilder in das Grab. - Noch sprachen, Kränze auf das Grab niederlegend, Oe. Volmer, als Vertreter der I. Gotta'schen Buchhandlung in Stuttgart, Adolf Zahn, als Vertreter der Neuen Badischen Landeszeitung in Mannheim, und Lohmaier, als Vertreter des dentschen Schriftstellervereins. — Das Quartett der akad. Liedertafel in Tübingen beschloß die Feier mit dem Lied: „Persischer Nachtgesang" von Beethoven. Am Grabe standen außer der Wittwe des Verstorbenen, zwei Söhne und eine Tochter. Aus Karlsruhe waren Minister Elstätter und Verlagsbuchhändler Bielefeld anwesend. Auffallend erschien es, daß die israelitische Kirchenbehörde in Stuttgart keinen Vertreter sandte. — Auch die Natur schien zu trauern um den Dichter, der sie in seinen ländlichen Erzählungen so wunderbar schön zu schildern wußte. Hohe Ehren sind ihm bei seiner Bestattung erwiesen worden, es wurde damit anerkannt, was er als Mensch und Dichter gewesen und wie tief sein Name und seine Persönlichkeit mit den edelsten Kulturbestrebungen des Jahrhunderts verflochten war. Mit Recht wurde in den trefflichen Reden, namentlich durch Professor v. Bischer betont, wie Auerbach ein wahrhaft deutscher Mann war, wie er als solcher zu den reinsten und begeistertsten Aposteln der deutschen Einheitsbestrebungen und zu den kühnsten Vorkämpfern derselben gehört hat. So war er denn auch mit den Führern der nationalen Partei stets in regen persönlichen Beziehungen und stand auch den Kriegsereignisscn voil 1870 nahe, bekanntlich im Hauptquartier des Kronprinzen, dann bei Sraßburg. Wir fügen noch schließlich hinzu, daß die Loge zur ausgehenden Morgenröthe zu Frankfurt das Andenken desdahingeschiedeneu Bruders am 26. Februar in würdiger Weise beging. Hlefera 1 e. Drei Tage in Iiidilch-ktnßland. Ein Cultur- und Sittenbild, entworfen von Oe. I. Rülf. Frankfurt a. M. Verlag von I. Kausfmann 1882. (131 Seiten.) Der Verfasser dieser Schrift, bekannt durch seine liebevolle Teilnahme und Tätigkeit für die Juden in Rußland, die in ihm einen warmen Freund und Fürsprecher besitzen und denen er jährlich aus Sammlungen hervorgegangene große Summen zuführt, schildert uns in obbenannter Schrift die Eindrücke, die er während eines Aufenthaltes in Wilna und Minsk bei Beobachtung des jüdischen Lebens und Treibens daselbst empfangen. Or. Rülf, der, nach diesem Berichte zu schließen, nur Auge nnd Ohr hatte für die guten Seiten der russischen Juden, ohne deren Fehler und Schattenseiten hervorznheben, die er angiebt verschwiegen zu haben, hat durch diese Schrift uns einen wesentlichen Dienst erwiesen, denn wir gewinnen durch diese auf Autopsie ruhenden Mitteilungen nicht nur einen Einblick in Zustände, die uns fern liegen nnd die besonders in jetziger Zeit zu kennen von besonderer Wichtigkeit ist, sonder» sie ist auch insofern lehrreich ilild kann Juden nnd Nichtjuden uni empfohlen werden, als darin nianche Schilderungen anzutreffen sind, welche im Stande sind, Vorurteile, von beiten Viele befangen sind, welche die russischen Juden von jeder Schuld an ihren trau-