Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 2 (1882)
- Issue
- Heft 4 (1.4.1882)
- Date
- 1882-04-01
- Page
- Seite 91 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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91 Glaubens, stellte tu seiner Person den engerischsteu Protest gegen alle jene verleumderischen Vorwürfe und Anklagen dar, die Vorurteil und Wahn gegen uns, gegen unsere Zugehörigkeit pm deutschen Volke erhoben haben. Wie eine brennende Schmach empfand es der Verblichene in seinem treuen deutschen Herzen, als die Flammen des Haßes und der Verfolgung wie aus einem unterirdischen, längst für erloschen gehaltenen Krater von Neuem gegen uns emporgeschlagen. Tief, tief empfand er die Kränkung, die dadurch seinem geliebten deutschen Vaterlande von dessen eignen Söhnen vor den Augen der ganzen gebildeten Welt ist zugefügt worden. Und wie einst Moses, der am Königshofe Erzogene und Heimische, dort im Lande der Pharaonen es nicht verschmähte, seiner bedrückten Brüder liebevoll sich anzuuehmen. so trat auch er, der an Fürstenhöfen Geschätzte, hinaus zu seinen geschmähten Brüdern, sich an ihre Seite stellend, um sein zündend Wort in ihren Dienst zu stellen. Ja, er war ein treuer Sohn Juda's, der allenthalben mannhaft und kraftvoll eintrat, wo mann Juda's Ehre augriff, sein heilig Recht verkümmerte, seinen Namen vernuktimpft mtb geschmäht hat. Stellte er doch in sich die schönste und edelste Verschmelzung des deutschen und jüdischen Geistes dar. In ihm schlug vor Allem das jüdische Herz in seiner ganzen Innigkeit und Wärme. Voll Liebe umfaßte er die ganze Menschheit, umfaßte er das Vaterland; aber sein Herz schlug darum nicht minder warm für den engen Kreis der Familie, der er entsprossen. Welch hohe Stufe des Ansehens er auch errungen, treu und innig hing er doch an ihr und trug in seinem warm fühlenden Herzen die Sorgen und Angelegenheiten eines jeglichen Gliedes derselben." Auf diese Rede folgte ein von Lehrer Strauß aus Nordstetten gesprochenes Gebet, nach welchem der Sarg ins Grab versenkt wurde. Die reiche Fülle prächtiger Kränze und Palmen deckte den Sarg. Sie waren gespendet von dem Großherzog und der Großherzogin von Baden, von den Israel. Gemeinden in Berlin und Hechingen, vom Bade Jmnau, von dem allgemeinen deutschen Schriststellerverein in Leipzig, vom Schriftstellerverein „Concordia" in Wien, von der Familie v. Schenk und dem Abgeordneten Dnmba dort, von der Redaktion der „WienerPresse",der „Nationalzeitung" in Berlin, der „allgemeinen Montagspresse" in Stuttgart und der „deutschen Rundschau"; ferner von Eduard Lasker, Fanny Lewald, Paul Meyerheim, Paul Heyse, Professor Dr. Lübke in Stuttgart, Julius Wolf, Robert Kaüla in Würzburg, Emil Naumann, den Familien Landes niann und H. Friedeberg, Paul und Rudolph Lindau u. A. Hierauf trat der bekannte Aesthetiker Professor Dr. F. v. Bischer aus Stuttgart an das Grab und widmete dem Freunde einen tief innigen Nachruf. Er verherrlichte in schönen Worten den Dichter, Philosophen und Menschen, dessen persönlichen Vorzüge hervorhebend. Er schilderte Auerbach als den Schöpfer des deutschen Jdills, als den feinen Forscher der deutschen Volksseele. Nach dieser längeren Rede, die leider für Viele wegen des stürmischen Wetters unverständlich blieb, sprach Bankier Marx ans Berlin, als des Dichters langjähriger Bekannter und Freund. In schwungvoller leicht fließender Rede feierte Professor Köftlin aus Tübinben Namens der Hochschule das Andenken des großen Verblichenen und legte einen Kranz auf das Grab. Daun folgte, einen Kranz am Grabhügel niederlegend, mit kurzer kräftiger Rede der senior der Tübinger Burschenschaft. Ergreifend waren die Worte eines Verwandten des Dichters, des Herrn Fritz Auerbach aus Frankfurt a. M., der dem Verblichenen die Scheidegrüße der Loge „zur ausgehenden Morgenröthe", deren Mitglied er war, brachte. Er begann und schloß seine poetisch gehaltene Rede mit den Worten: „Dein Leib der Erde, 8*