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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1882-04-01 · Heft 4 (1.4.1882) · p. Seite 86

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
2 (1882)
Issue
Heft 4 (1.4.1882)
Date
1882-04-01
Page
Seite 86 (sequence 14)
Language
German
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86 zu sein, Rußland den Juden als Wohnplatz unmöglich zu machen, oder sie vielleicht, vollständiger Vernichtung zu weihen. Die russisch-jüdische Frage mag daher in folgenden Worten zusammengefaßt werden: „Sollen drei und eine halbe Million Menschen untergehen, weil sie Juden sind."? Pas Judentum und die AalionaMälsidee. Eine völkerpsychologische L tudie von Dr. A. Rosenberg, Rabbiner in Kaposvör. (Fortsetzung.) II. üerhältiiis jum Uaterlande. Nächst dem stolzen Bewußtsein einer edlen Racenabstammung ist das zweite, bei weitem mächtigere Ferment eines zähen nationalen Sinnes in jenem Verhältnisse zu finden, in welchem ein Volk zu dem Lande steht, in dessen Atmosphäre es zu einer national-politischen Gemeinschaft sich gestaltete und erstarkte. Ist dieses Verhältnis solch' ein innig-festes geworden, daß es in der Volksseele fort und fort die Überzeugung nährt, sein ureignes physisches und geistiges Leben hänge ausschließlich von dem ungestörten Besitze des Landes ab, sei so inniglich mit der klimatischen und tellurischen Beschaffenheit desselben verwachsen, daß es losgerissen von demselben, der entwurzelten Pflanze gleich, politisch und moralisch verkümmern müßte; so wird dieses Verhältnis wie das unwiderstehliche Naturgesetz des Selbsterhaltungstriebes den Volksgeist beherrschen und jene glühende nationale Vaterlandsliebe erzeugen, die kein höheres und heiligeres Gebot kennt, als jeden zollbreiten Boden des Landes auch mit dem letzten Blutstropfen des Herzens zu verteidigen. — Wenn wir nun nach der Ursache forschen, die in der Geschichte der alten Volker, besonders aber bei den alten Griechen und Römern ein solches unlösbares Verhältnis zwischen Nation und Vaterland bewirkte, so werden wir mit psychischer Notwendigkeit zu der Ansicht gelangen, daß aus dem eigentümlichen Enwicklungsgange des alten Israel ein derartiges, die Lebensbedingung in sich bergendes Verhältnis zuni Lande der Verheißung sich nicht herausbilden konnte weil eben die Ursache hierzu gänzlich fehlte. — Fast bei allen Volksstümmen der alten Welt war nämlich, wie schon Th. Mommsen bemerkt, der Glaube allgemein, daß die ersten Bewohner ihres Landes dem Boden selbst entsprossen seien, daß mithin eine jede Nation schon von ihrem Urbeginne an auf einem bestimmten Boden erblühte, der ihr den nötigen Raun: und die mannigfache Nahrung zur freien Entfaltung ihres eigengearteten Lebens gewährte, daß sich eben deßhalb wie der Baum mit seinen Wurzelfasern an diesen Teil der Erde klamnierte. — „In dem Sagenkreis der Hellenen — bemerkt der Historiker E. Curtius — findet sich keine Erinnerung einer fernen Urheimat, wo sie einst als ein nationales Ganzes gewohnt hätten; sie wußten auch von keinem fremdartigen Volke, das sie in ihrem Lande vorgejunden und dann ausgetrieben oder unterworfen hätten. Auch die wanderlustigen, kraftbewußtesten Stämme der Griechen konnten sich nicht außerhalb Hellas denken; sie fühlten sich durch alle Geschlechter mit ihrem Boden verwachsen und die Vorstellung der Autochthonie findet sich bei ihnen in den mannigfachsten

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