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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1882-04-01 · Heft 4 (1.4.1882) · p. Seite 85

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
2 (1882)
Issue
Heft 4 (1.4.1882)
Date
1882-04-01
Page
Seite 85 (sequence 13)
Language
German
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86 Lösung der jüdischen Frage das Gewähren einer vollen Gleichheit ist. Es ist absolut gewiß, daß die ganze jüdische Körperschaft, ein Achtel der Bevölkerung unter der sie wohnt, bildend, nicht wegen „Ausbeutung" oder „Wucher", wie das Reskript es für gut hält, angeklagt werden kann, indem die Thatsache sich vorfindet, daß die Hauptindustrie der Russen in den Händen der sparsamen und eifrig thätigen Juden sich befindet. Wiederum ist auch der Einwand gegen Wirthshaushalten der Juden eine deutliche, grobe Ungerechtigkeit, indem durch die Statistik nachgewiesen, daß Trunkenheit in den von Juden nicht bewohnten Provinzen mehr vorherrscht. Aber davon abgesehen, gewiß können die armen geschändeten Frauen, die kleinen gemordeten Kinder, die ihres Vieh's und ihrer Geräte beraubten Farmer, nicht dieser Beschuldigung halber belastet werden, und war es demgemäß eine raffinirte Grausamkeit, dieses Dokument zu erlassen, welches so von Feindschaft schwillt, zu einer Zeit, wo alle Leidenschaften des Pöbels gegen alle Juden, ohne Unterschied von Person, Beschäftigung, Alter oder Geschlecht, aufgeregt sind. Die jüdische Frage ist augenblicklich nicht, ob die Juden davon abgehalten werden sollen, mit den Russen in verschiedenen Geschäften zu concurriren, sondern ob das Leben dreier und einer halben Million Juden der Gnade der Volksleidenschaft überliefert werden soll. Ein Dokument, wie dieses trägt nur noch zur Verwicklung der Frage bei, anstatt sie zu lösen, indem sie der Populace deutlich zeigt, daß die Autoritäten ihre Vorurteile teilen. Dieselbe Verkehrtheit zeigen die Kommissionsernennungen. An der Spitze der Kiewer Kommission wurde General Drudkoff, der Gouverneur von Kiew gestellt, welcher die Versammlungen der ersten Zusammenkunft mit den Worten einleitete: „Entweder ich, oder die Juden müssen gehen!" In eine andere Kommission war M. Chigaryne angestellt, dessen einzige Berechtigung für einen Experten in der jüdischen Frage war, daß er ein Pamphlet betitelt: „Die Vernichtung der Juden", geschrieben hatte. In Odessa ward die erste Kommission entlassen, weil sie die einzig richtige Lösung der Judenfrage, die von dem Minister des Innern aufgestellt war, anempfahl, — die Gewährung völliger Rechtsgleichheit, und Ansiedlungsrecht, mit ihren andersgläubigen Mitbürgern. Eine zweite Komniission ward darauf berufen mit Ansichten, tvelche mehr mit dem Geiste des Reskripts sich vertragen. Als der Gouverneur von Warschau, Graf Albidinski, das Cirkular veröffentlichen sollte, verweigerte er es Anfangs, indem er sagte, daß Juden und Polen stets so friedlich bei einander gewohnt hätten, daß keine Kommission erforderlich sei. Er ward jedoch gezwungen, das Reskript zu veröffentlichen, und kompetente Beobachter schreiben das Entstehen eines anti-semitischen Fühlens in Warschau hauptsächlich dieser Veröffentlichung zu. Diese Handlungen und der Gehalt des Cirkulars selbst, machten es der Kommission klar, was von ihnen erwartet würde. Sie haben demgemäß Schritte empfohlen, welche, wenn sie angenomnien würden, alle Schrecken des Mittelalters auf die unglücklichen Juden Rußlands zurückbringen würde. So haben sie unter andern Vorschlägen angeraten, daß es den Juden nicht erlaubt sein solle, Synagogen zu bauen, Schulen und Waisenhäuser zu errichten, auch eigene Häuser oder Landeigentum zu besitzen; daß Juden keine Fabriken mieten, Spirituosen verkaufen, oder Pfarmazien. Außerdem verlautet, daß man beabsichtigt das Domizilrecht der Juden einzuschränken, und beu Juden nicht zu gestatten, innerhalb 80 Meilen von der Grenze zu wohnen. Kurzum, es scheint beabsichtigt

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