Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 2 (1882)
- Issue
- Heft 4 (1.4.1882)
- Date
- 1882-04-01
- Page
- Seite 78 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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78 in Rasdory, einige wenige Meilen südwestlich von Orjechow ermordet, und in Znamenka bei Nikopol an dem Dnieper wurde ein jüdischer Schenkwirt Namens Resser ermordet, seine Frau entehrt, worauf beide in den Fluß geworfen wurden. In Balka, auch am Ufer des Dnieper, war nur ein Jude Namens Allowicz. Am 17. Mai begab sich eine Bande Raubgesellen zu seiner Wohnung und da er abwesend war, schändeten sie sein Weib, und setzten um ihr Verbrechen zu verbergen, das Haus in welchem das arme hülflose Weib lag, in Brand. Alles dieses ward von ihrer kleinen Tochter, die in einem nahegelegenen Garten lab, angesehen. Am vorhergehenden Tage trug sich ein anderes Trauerspiel in Kitzkis zu, wo das Haus eines Mannes mit Rainen Preskoff angezündet ward, und er mit zwei kleinen Kindern darin verbrennen mußten, während Frau und Mutter zusahen, vergebens die herzlosen'Verbrecher um Gnade anflehend. In Gregoriewk wurde ein jüdischer Schenkwirt Namens Riesfmann in eines seiner Fässer gesperrt und in den Dnieper geworfen. Wiederum wurde in Kauzeropol ein Mann Namens Enman grausam gemordet, seiner Frau Gewalt gethan und dieselbe daraus getötet. Das waren die Thäten, welche an den Ufern des Dnieper im Laufe des Monats Mai sich begaben. Inzwischen war auch der Seehafen Odessa die Scene eines anti-jüdischen Aufstandes geworden. Ursprünglich auf den 13. Mai angekündigt wurde er auf Sonntag, den 15. Mai verschöben, ohne daß jedoch irgend eine Vorsichtsmaßregel von dem Gouverneur, welcher wie gewöhnlich vor dem bevorstehenden Ausstande benachrichtigt war, ergriffen wurde. Obschon nur 6 Stunden dauernd, brachte der Aufstand den Tod eines Juden Namens Handelmann, und elf Fälle von Schändung wurden berichtet, von denen einer Tot zur Folge hatte. Hier scheinen die Juden am meisten Energie in ihrem Widerstande bewiesen zu haben. Unter den 800 Verhafteten waren 150 Juden, von welchen 20 später beschuldigt wurden, ohne Erlaubnis Revolver getragen zu haben. Die Polizei schützte den geschehenen Schaden auf 1,137,831 Rubel, während die unmittelbar Beschädigten die Summe auf 3,000,000 anschlugen. Ähnliche Seenen fanden an demselben Tage in Wolwezysk, au der Grenze statt, wo ein Aufstand für den Sonntag angekündigt worden war. Eine Woche später erhoben sich die niederen Stünde in Berdyczew gegen' die Juden und am 24. Mai fand ein Aufstand in Zmerinka in Podolien statt. So hat innerhalb eines Monats, seit dem ersten Ausbruche, fast jede bedeutende Stadt Südrußlands solche Schrecken gesehen, wie wir sie beschrieben haben. Außer dem Einflüsse der Rädelsführer, hatten die Aufständler keine sie zum Raube antreibende Veranlassung, abgesehen von der Macht der Ansteckung, und dem Eindrücke, daß der Czar wirklich das jüdische Eigentum seinen orthodoxen Unterthanen übertragen hätte. Wenn dieser Eindruck einmal offiziel entfernt worden wäre, so würde dadurch der Epidemie Einhalt gethan worden sein. In vielen Fällen >var es klar bewiesen, daß die Landleute die Juden liebten, und nur plünderte«, weil sie glaubten, es sei io befohlen. In Bougaifka z. B. bekamen die Bauern einige Tage, nachdem sie das Eigentum der Juden zerstört hatten, Reue, und gaben ihren jüdischen Nachbarn 800 Rubel als einige Entschädigung für den Verlust, den sie ihnen zugefügt hatten. Angesichts solcher Thatsachen ist es hinlänglich gewiß, daß, wenn die vermeinte Proklamation energisch und offiziell verleugnet worden wäre, die Aufstände, nicht die Ausdehnung die sie wirlich fände», erreicht hätten. Die Bewegung verbreitete sich bis Saratow Anfangs Juli, von dort nach Astrakhau, und erreichte sogar eine Stadt, bei Somsk in Sibirien, >vo sie einen anti-jüdischen Aufstand veranlaßte.