Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 2 (1882)
- Issue
- Heft 4 (1.4.1882)
- Date
- 1882-04-01
- Page
- Seite 77 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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77 Drucke seine Freiheitsfeste feiern und seine Dankgesänge anstimmen, denn der Geist, der in ihm lebte, den haben sie mit allen ihren Gewaltmitteln nicht zu knechten und niederzudrücken vermocht; die in Gott den Hort ihrer Freiheit priesen, die konnten nie von den Menschen sich abhängig fühlen, und Gottcssinn und Geisteswürde, die haben in Israel stets einen festen Boden gefunden, und sind eine Bürgschaft seines Bestandes ihm geblieben, eine sichere Gewähr seiner Freiheit und seiner Hoffnung. Die Wacht des Geistes zu halten, das Licht der ewigen Wahrheit treu zu hüten, die reine und vernünftige Gotteserkenntnis zu bewahren, das Streben nach den hohen Gütern der Tugend und des Wissens stets von Neuem zu beleben, das ist und bleibt unsere Aufgabe wie in unserer bisherigen schmerzensreichen Vergangenheit auch in der so vielfach durch Haß und Leidenschaft betrübten Gegenwart bis in die späteste Zukunft. Lassen wir nur von den Scheinlichtern und Irrlichtern, die von der rechten Bahn des Fortschrittes uns ablenken, uns nicht blenden, nicht blenden von dem Glanze, der in den gesegneten Tagen der Neuzeit das Haupt Israels umstralet. Und wenn der Herr der Welten an uns die Frabe richtet: Israel, Wächter meiner Lehre, wie steht es um die Nacht? siehe, sie ist dahingezogen und die Sonne der Freiheit stralt über deinem Haupte, dann soll dieser Wächter, der in der Zeiten Gänge so Vieles erfahren hat, nicht die Antwort scheuen. Wol ist ein neuer Morgen angebrochen, der einen herrlichen Tag herbeigebracht, der eine lichte Zukunft verheißt, aber die Nacht, die entschwunden ist, die kann wieder kommen. Befraget nur Israeliten, Euere Vergangenheit, Euere Geschichte, und ihr werdet finden, daß mehr wie einmal Israel von der Fülle irdischer Macht umgeben war. und mehr wie einmal der Strom dieser Segnungen, der von allen Seiten ihm reichlich zufloß, wieder verronnen und vertrocknet ist. Israel kann nur in der Geistesmacht, in dem Gottessinne, der seine Lebensseele gewesen, eine feste und sichere Stütze finden, auf diesem Grund muß es seine Größe aufbauen, auf dieses Feld muß es seine Zukunftssaaten ausstreuen. Es muß alle Menschheit es erkennen, daß Israel für einen hohen Gedanken einsteht, daß es von einem edlen Streben beseelt, daß seine herrlichen Seelenschüze für die Menschheit aufbewahrt sind, daß ein erhabenes Geistesleben von ihm ausgeht, daß das Licht der Wahrheit stralet auf allen seinen Wegen, dann wird jegliche Schmach von unserm Haupte genommen sein, der starre Hochmut wird gebrochen, die finstere Gewalt wird gestiirzt, und alle Völker werden die Erhebung Israels mit Freuden besäßen, und es wird der Haß sich in Liebe verwandeln und die finstere Bosheit fliehen vor der siegenden Gerechtigkeit, die Pforten einer schönen, herrlichen Zukunft werden sich uns öffnen, und Israel wird inmitten aller Menschheit dahinschreiten als ein Volk des Rechtes, als ein Wächter der Wahrheit. Die Iudenverfokgung in Kurland im Jahre 1881. (Schluß.) Bis zu dieser Zeit waren die Aufstände hauptsächlich unter der Stadtbevölkerung entstanden, jetzt aber verbreiteten sie sich in die Landdistrikte und erreichten jedes kleine Dorf, >vo nur ein einziger Jude wohnte. Ein Jude wurde