Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 2 (1882)
- Issue
- Heft 4 (1.4.1882)
- Date
- 1882-04-01
- Page
- Seite 75 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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75 Nächten, und mit km Lichte der ewigen Wahrheit, das als eine mächtige Feuersäule es geleitet hat auf seinen Wanderungen durch die Jahrtausende, abwehren den finsteren Geist der Thorheit und Verstocktheit, der Knechtung und des Wahnes, das ist die zweite Mahnung, die wir da vernehmen. Den ermunternden und ermahnenden Doppelruf des Festes wollen wir besonders in unseren Tagen, wo der Haß von Neuem entfesselt ist, uns verdeutlichen. Es war kein Ende abzusehen für die Leiden unserer Väter in Ägypten. Jahrhunderte hatten sie bereits das Knechtesjoch getragen, geseufzt unter der Last des Druckes und des Elends; zum Himmel stieg ihre Wehklage empor, doch auf Erden wollte Niemand ihnen Gehör geben,' die Menschheit' war taub für den Jammer eines Volkes, das wie ein Wurm im Staube sich krümmte unter den Fußtritten der rohen Gewalt. Immer schlimmer, immer härter wurde die Verfolgung, der es sich preisgegeben sah, das Recht hatte keinen Zutritt zu den Stufen des Thrones, zu dem Herzen des Königs, der Ruf nach Befreiung mochte noch so laut erklingen, noch so bescheiden sich vor Pharao vernehmen lassen — für Israel gab es keine Schonung, keine Gnade, und selbst die mahnenden Stimmen der Zeit und des Geschickes, die selbst an dem verstocktesten Sünder nicht wirkungslos zu verhallen pflegen, und oft auch da, wo die Verkehrtheit und Unbesonnenheit den höchsten Grad erreicht hat, noch einen Umschwung zum Besseren hervorriefen, blieben in Ägypten ungehört, und so war für-Israel auch der letzte Schimmer der Hoffnung erloschen und düsteres Elend das einzige Los seiner Zukunft. Doch wenn die ganze Menschheit sich auch in Schweigen hiillte und außerhalb Israels nirgendwo ein Helfer aufstand, der im Namen des beleidigten Rechtes und der gekränkten Menschlichkeit füx Jstäels Befreiung eintrat, sein Gott, zu dem es das stille Flehen seines Herzens emporgesendet , hatte seiner nicht vergessen. Die Nacht der Leiden hatte "alle ihre Finsternis über Israel ergossen, aber das Licht der göttlichen Gnade zerteilte, sie, brach mitten in dem düstern Dunkel wie sonniger Morgenglanz hervor, und heller wurde es auf dem weiten Erdenrunde, an dem Himmel der Menschheit war ein neuer Stern aufgegangen — die Freiheit! — „Preiset den Ewigen, ihr Völker der Erde, lobet seinen Namen ihr Nationen alle, denn seine Gnade hat gesiegt, und die Wahrheit von Gott, sie besteht in aller Ewigkeit." Der Lobgesang des aus Mizraim erlösten Israel, ruft der heilige Sänger aus, muß als ein Halleluja der ganzen Menschheit ertönen, denn gefeiert wird in ihm der Sieg der Liebe über den Haß, der Triumph des Rechtes über die Gewalt, die Erhebung des Lichtes über die Finsternis, die göttliche Gnade und die ewige Wahrheit, deren erlösende Macht nicht ausbleibt, wenn die Mächte des Hasses und des Truges auch noch so hoch sich aufgerichtet haben. Gott wacht in der Nacht! Die finstere Gewalt kann nicht für die Dauer bestehen, es bricht auch für die Unterdrückten und Geknechteten, auf denen ihr Joch lastet, einst ein Morgen der Freiheit heran. Das Recht ist eine Sache Gottes, und auf Liebe hat er den Thron seiner Herrschaft gegründet, die Wahrheit ist unbesiegbar, wenn die Lüge noch so viel Machtmittel zur Verfügung, noch so viel Erfolge auf ihrer Seite hat; das war Israels erste Erfahrung, dieses Bewußtsein hat es mit seiner wunderbaren Erlösung aus Ägypten gewonnen, und auf ihm ruht das unerschütterliche Gottesvertrauen, die ewige Hoffnung Israels, in der es sich stets verjüngt hat und die in den finstersten Zeiten seines Daseins ihm die Zukunft erstralen ließ im Lichte des Heiles und im Glanze der Herrlichkeit. „Fürchte nicht, denn mit dir bin ich, verzage nicht, denn ich bin dein Gott, ich 7*