Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 2 (1882)
- Issue
- Heft 3 (1.3.1882)
- Date
- 1882-03-01
- Page
- Seite 70 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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70 zum Teil dem jetzt bestehenden Pester jüdisch-theologischen Seminare zuzuschreiben. Als neue Preisaufgabe wurde gestellt: „Darstellung von der Lehre der Willensfreiheit der älteren jüdischen Religionsphilosophen des Mittelalters". Vom dritten Teile der Aruchausgabe von Dr. Alexander Kohut ist das dritte Heft erschienen. Wersonakien und Berichte. (Paris ) Unter Vorsitz des Deputirten Camille Viox hat sich in Luneville ein Comitö gebildet, um für das einstige Mitglied der constituirenden Versamnilung Abbä Gregoire, der für die Gleichstellung der Israeliten in Frankreich das Meiste gewirkt hat, ein Denkmal zu errichten. Es ist in unserer Zeit erfreulich, zu hören, daß die Männer, die ihr ganzes Leben lang für das Princip der Gewissensfreiheit und für die Gleichheit aller Religionsbekenntnisse und aller Religionsbekenner gekämpft haben, noch in den Herzen Vieler in dankbarer Erinnerung leben. Am 17. Januar d. I. starb in Wien Simon Szäntö, ein ebenso tüchtiger wie entschiedener Vertreter der Reform innerhalb des Judentums. Indem wir uns Vorbehalten aus sein Leben und Wirken in diesen Blättern, deren Erscheinen er mit Freude begrüßte, näher einzugehen, wollen wir hier nur einzelne Daten, gleichsam die äußeren Umrisse seines reichen Geisteslebens vorläufig hingeworfen haben. Szäntö stammt aus Groß-Kaniza in Ungarn, woselbst er am 23. August 1819 geboren wurde. Als zehnjähriger Knabe schon nach deni Verluste seiner Eltern mußte er seinen Heimathsort verlassen und kam nach Lackenbach in Ungarn. Dort behagte dem unerfahrenen Knaben die damals üblich gewesene einseitige Erziehung nicht, die alles profane Wissen verpönte. Er wurde bei der Lectüre eines deutschen Buches ertappt und diese Thatsache, wodurch der geistige Zwiespalt zwischen ihm und seinem Lehrer blosgelegt wurde, sowie die Furcht wegen der Strafe, die seiner harrte, veranlaßten den Knaben Szänt» die Flucht zu ergreifen. Nach vielen Jrrgängen kam er nach Jenikau in Böhmen, woselbst der tolerante Aron Kornfeld über den in diesen Blättern (Jahrg. II. S. 24) berichtet wurde, einer Talmudschule Vorstand. Hier konnte er sich »»gescheut und offen auch mit den Elementen profaner Wissenschaften bekannt machen. Von Jenikau ging er nach Prag, dann zur Absolvirung der Gymnasialstudien nach Preßburg und wieder zurück nach Prag um philosophischen und theologischen Studien obzuliegen. Mit deni Rabbinerdiplome versehen kam Szäntü nach Vollendung seiner Universitätsstudien im Jahre 1845 nach Wien, woselbst er bis an sein Lebensende eine Wirksamkeit entfaltete, die ihn würdig machte, den Edelsten und Tüchtigsten beigezühlt zu werden, die mit der ganzen Kraft ihres Geistes und mit dem ganzen Mute ihrer Ueberzeugung an der Neugestaltung des Judentums ihr Leben lang mit Ernst, mit Ehrlichkeit und Entschiedenheit gearbeitet haben.