Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 2 (1882)
- Issue
- Heft 3 (1.3.1882)
- Date
- 1882-03-01
- Page
- Seite 71 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2969669-2969684-2969688--0392-2970810- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
71 Aus den ersten Jahren seines Aufenthaltes in Wien stammt ein von ihm in hebräischer Sprache abgefaßter Commentar zum Pentatenche und literarisch novellistische Versuche wie „Ans Alexandriens Vorzeit" und „Judentum und Romantik." Im Jahre 1879 gründete Szäntü, da sich innerhalb des Judentums für den begabten Theologen kein eigentlicher amtlicher Wirkungskreis vorfand, in Wien eine Lehr- und Erziehungsanstalt für Knaben, die sich, weil Szäntü durch aufsehenerregende pädagogische Arbeiten einen Ruf hatte, eines guten Namens erfreute. Szäntü war ein ständiger Mitarbeiter an denk von Joseph Ritter v. Wertheimer herausgegebenen „Wiener Jarbuch für Israeliten", dessen Redaktion er vom Jare 1865—1869. selbst Vorstand, als dem früheren Redakteur wegen eines Aufsatzes von Prof. Grätz, in welchem eine Beleidigung des Christentunis erblickt wurde, ein unliebsamer Prozeß anhängig gemacht wurde. Seit dem Jahre 1861 gab Szäntü anfangs mit Dr. Kompert später allein eine Wochenschrift für die Interessen des Judentums „Die Neuzeit" betitelt heraus, in welcher die Ideen des Fortschrittes innerhalb des Judentums mit Energie und Wärme, gestützt auf reiches theoretisches Wissen, wie auf lebensvolle praktische Erfahrung trotz aller Anfechtungen mutig und offen vertreten wurden. Die „Neuzeit" hatte sich im Laufe der Zeit, als das einzige Blatt, das den Reformstandpunkt entschieden vertrat, in gebildeten jüdischen Kreisen besonders Oesterreich-Ungarns einer großen Beliebtheit zu erfreuen und waren es die einzig in ihrer Art gehaltenen gediegenen Leitartikel des Redakteurs in welcher jüdische Tagesfragen mit ebenso großer Sachkenntnis, wie mit anschaulicher Lebendigkeit behandelt wurden, welche dieser Zeitschrift eine mehr als ephemere Bedeutung zusichern. Szäntü kämpfte gegen die alberne Bornirtheit der Orthodoxen in Ungarn, gegen die geheiligte Geschmacklosigkeit der Frommen in Galizien, wie gegen die bewußten neuorthodoxen unwissenden Heuchler ans Deutschland in deren Reihen er mit seinem scharfen Geistesange auch einen Teil der „Breslauer Theologen" erblickte. Neben den von ihm in seiner „Neuzeit" veröffentlichten literarischen Arbeiten schrieb er auch für die vielgelesenen Wiener Zeitungen unter dem Rainen „Pflüger" und „Unbefangen" und haben mit drei Sternen versehene Feuilletons in der „Neuen freien Presse" aus dem Anfänge der siebziger Jahre in weitesten Kreisen durch den philosophischen Gehalt, wie durch klassische Darstellung Aufsehen erregt. Szäntü hatte wenig Sinn und Verständnis für streng wissenschaftliche Arbeiten und beschäftigte sich mit Vorliebe mit der populären Behandlung vieler Fragen auf dem Gebiete der Culturgeschichte und Völkerpsychologie. Seit dem Jahre 1863 wirkte Szäntü auch als Lektor an dem durch Dr. Jellinek in Wien gegründete UetlibL-^liärLsvI». Im Jahre 1869 ernannte ihn die Wiener israelitische Cultusgemeinde znm Religionsschulinspeetor, in welcher Stellung er Gelegenheit hatte, seine reichen Kenntnisse auf dem Gebiete der jüdischen Religionswissenschaft und der Pädagogik zu verwerten und auf neuaufstrebende Kräfte anregend und belehrend zu wirken. Szäntü war von der universellprophetischen Seite des Judentums ganz erfüllt und begeistert und versenkte sich liebevoll in diesen Jdeenkreis und darum war auch sein ganzes Streben und Wirken von dem Gedanken getragen, daß die nationale Einseitigkeit durch religiösen Universalismus überwunden werden müsse. Es sei hier noch hervorgehoben, daß Szäntü auch als Mitglied der Synoden zu Leipzig und Augsburg an den Verhandlungen den lebhaftesten Anteil nahm. Am 19. Januar wurde seine irdische