Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 2 (1882)
- Issue
- Heft 3 (1.3.1882)
- Date
- 1882-03-01
- Page
- Seite 67 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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67 konstatirt war, starben. In dem Hanse Mardechai Wienarskis, ergriff der, in in dem Sachen nach Raub getäuschte Pöbel, das dreijährige Kind des Mannes, und warf cs grausam ans dem Fenster. Das Kind fiel tot zu Füßen einer Kosackencompagnie, welche auf der Straße aufgestellt war, aber kein Versuch, die Mörder zu arretiren wurde gemacht. Schließlich als verschiedene Häuser angezündet waren, erhielt das Militär Befehl Verhaftungen vorzunehmen, den sie mit vielem Eifer ausführten, so daß 1500 Gefangene gemacht wurden, unter welchen sich 150 Juden befanden, die ihr Leben und Eigentum zu schützen suchten. Nicht weniger als 2000 Juden wurden ohne Schutz gelassen, durch die Zerstörung, oder die Abbrennung ihrer Häuser, und ein Kiewer Comitä hatte bald darauf für die Abhülfe dringender Bedürfnisse die Summe von 30,000 Livres zu zahlen. Den folgenden Tag begaben sich ähnliche Gewaltscenen in Browary, in der Nachbarschaft von Kiew in der Provinz Czcrnikow. Denselben Tag wurden noch schreckliche Taten in Berezolvka in der Provinz Cherson verübt. Hier schien Wollust mehr der Antrieb zur Bewegung gewesen zu sein als Plünderung. Während die Juden des Dorfes in der Synagoge waren, griff der Pöbel die Jüdinnen an, that vielen von ihnen Gewalt an, und verursachte den Tod dreier von ihnen; andere welche den schlimmsten Übel entgingen, wurden in den Fluß getrieben, und neun starben schließlich an den Folgen der Aussetzung. Als die Juden zu ihrer Rettung herbeikamen, wurden zwei von ihnen getödtet, und ein junger Knabe zu Tode gesteinigt. Die Nachbarschaft von Kiew ward wiederum den folgenden Tag, am 10. Mai zu Konotop und Wassilkow heimgesucht. An beiden Stellen waren die Angriffe geplant worden; an dem ersteren Orte waren hölzerne Kreuze vor die Thüren von Christen gestellt worden, um ihre Häuser zu schonen, während an letzterein Orte der Tag des Aufstandes angekündigt und das Gerücht geflissentlich verbreitet war, daß der Czar das Eigentum der Juden verschenkt habe. Zu Wassilkow und in der Nachbarschaft gingen 8 Leben verloren, sieben fielen auf einmal in der Schenke eines Juden Namens Rykelmann. Er wurde gezwungen, dem Pöbel Zutritt zu seinem Weinkeller zu geben, und während seiner Abwesenheit Hülfe zu suchen, schnitten die betrunkenen Aufständler die Kehlen seiner Frau und sechs seiner Kinder ab. Zu dieser Zeit waren die Hauptstädte und Dörfer Südrußlands durch Gewalttat und Aufstand in Flammen gesetzt. Durch die gesammten Provinzen Cherson, Taurida, Ekaterinoslav, Poltawa, Kiew, Czernigow und Podolien war die Nachricht schnell wie ein Lauffeuer gegangen, daß die Juden und Besitztum der zärtlichen Schonung der Populace anheinigefallen seien, eine Annahme, die Angesichts der Trägheit des General-Gouverneurs den Aufstand zu Elisabethgrad und Kiew zu hemmen, gerechtfertigt war. In Wasiljew las der Schulze sogar eine Copie des vermuteten Ükases den Bürgern vor, und ein Aufstand würde gefolgt sein, wenn nicht der Dorfpriester seine Pflicht getan, und erklärt hätte, daß ein solcher Ukas nicht existire. Zu Alexandrowsk, an dem Ufer des Dnieper, führten die Fabrikarbeiter dasjenige, was sie als den Willen des Czaren ansahen, aus, indem sie am 13. Mai 300 der 400 jüdischen Familien des Ortes obdachlos machten, und Eigentum in dem Belaufe von 400,000 Rubel zerstörten. Wie gewöhnlich, waren die Aufstände vorher angekündigt, und das Gesuch an den Gouverneur weitere Hülfstruppen herbeizurufen, bewies sich als nutzlos. Sogar nachdem die Aufstände angefangen hatten, war eine Telegranim das nach der 6*