Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 2 (1882)
- Issue
- Heft 3 (1.3.1882)
- Date
- 1882-03-01
- Page
- Seite 64 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2969669-2969684-2969688--0385-2970803- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
64 vorzuwerfen. Menasche b. Israel beteuerte zum Ueberfluß mit einem feierlichen Eide, um die fo oft wiederholten Anschuldigungen wegen Gebrauches von Christenblute abzuweisen: „Ich beschwöre, daß ich nie einen solchen Gebrauch bei dem Volke Israels gesehen, und daß es nie eine solche Ruchlosigkeit ausgeiibt oder auch nur versucht hat." Nachdem er alle übrigen Anschuldigungen gegen die Juden auf ihr Nichts zurückgeführt hat, beschließt' er seine Schutzschrift mit einem schönen Gebete und mit einer Anrede an England: „Die sehr ehrwürdige englische Nation ersuche ich ganz untertänigst, daß sie meine Gründe unparteiisch und ohne Vorurteil und Leidenschaftlichkeit lesen möge, die durch die Propheten verheißene Zeit nahen zu lassen, daß wir Gott eines Sinnes anbeten und daß wir die Tröstungen Zions sehen mögen." (Gesch. X. B. S. 122.) Obgleich die Geistlichen und ein Teil der von ihnen aufgestachelten Bürger das Judentum zu verdächtigen aus allen Kräften bemüht waren, hatte diese Schutzschrift Menasche b. Israels denn doch nicht verfehlt, in England Aufsehen zu erregen und einen äußerst günstigen Eindruck auf das Volk zu machen. Wenn auch Cromwell momentan nicht im Stande war, einer großen Anzahl Juden, wie es der sehnlichste Wunsch Menasche's war, die Einwanderung zu gestatten, so erlaubte er denn doch noch in demselben Jahre einzelnen Juden sich in London anzusiedeln. Menasche b. Israel trat im Februar 1657 seine Rückreise an und wurde von Cromwell, der ihn bei dieser Gelegenheit mit einem Jahrgehalt von hundert Pfund Sterling bedachte, mit vielen Ehrenbezeugungen entlassen. Allein aus seinem Rückwege ereilte ihn (im März 1657) in Middelburg der Tod. Seine Leiche wurde später nach Amsterdam gebracht und unter großer Beteiligung zu Grabe getragen. Seine Anstrengungen und Bemühungen in England blieben nicht fruchtlos, die günstigen Folgen derselben haben sich bereits zehn Jahre nach seinen! daselbst erfolgten Tode gezeigt; denn ungefähr 1667 hatte sich in London die erste jüdische Gemeinde organisirt, die den Jakob Sasportas zu ihrem Rabbiner ernannte. Menasche hatte auch einen sehr gelehrten Sohn Samuel b. Israel Soewo, der seiner großer Gelehrsamkeit halber von der Oxforder Universität zum Doktor der Philosophie und Medicin ernannt wurde. Zum Schlüsse müssen wir noch erwähnen, daß Saul Morteira, Isaak Abvab und David Pardo die Collegen Menasche b. Israels im Amsterdamer Rabbinate waren. Diese waren auch als Lehrer in der damals in Amsterdam neu errichteten siebeuklassigen Lehranstalt (Talmud Tora) thütig. Pie Judenverfolgung in Mußland im Jahre 1881.*) Zeit ist es, daß die englische Gesellschaft aufinerksam werde auf den Charakter und die Ausdehnung der Verfolgungen, welche die russischen Juden im Laufe des vergangenen Jahres erlitten haben. Die Warschauer Aufstände *) Persecution of the Jews in Russia 1881. Reprinted from the „Times“ with Map and Appendix Printed by Spottiswoode & Co, New-Street Square, London 1882. Wir verweisen hier auf die jüngst erschienene Schrift: „Drei Tage in Jüdisch-Rußland. Ein Cultur- und Sittenbild entworfen von Dr. I. Rttlf", welche wir Judenfeinden, die Land und Leute in Rußland nicht kennen, zur Belehrung nicht dringend genug empfehlen können. Wir werden auf diese interessante Schrift angesichts der Bewegung in England und Amerika zu Gunsten der Juden noch zurückkommen.