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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1882-03-01 · Heft 3 (1.3.1882) · p. Seite 63

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
2 (1882)
Issue
Heft 3 (1.3.1882)
Date
1882-03-01
Page
Seite 63 (sequence 15)
Language
German
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63 England an- In London angelangt, wurde er von Cromwell, der den Juden freundlich gesinnt und deren Wiederaufnahme zu gestatten geneigt war, in ehrerbietigster Weise empfangen. Er überreichte dem Protektor eine Bittschrift, in welcher er die Wünsche seiner Glaubensgenossen begründete, und auf die Vorteile, die dem Reiche durch Ansiedlung der Juden erwachsen würde, hinwies. Cromwell nahm sich wohl der Sache der Juden sehr warm an, allein in den im Dezember J 655 stattgefundenen diesbezüglichen Beratungen haben die Geistlichen entschieden gegen die Aufnahme der Juden, denen seit drei Jahrhunderten der Aufenthalt in England nicht gestattet war, gestinimt. Auch viele Kaufleute, die durch die Ansiedlung der Juden eine Concurenz befürchten zu müssen glaubten, haben gegen ihre Aufnahme dcmonstrirt und alle mögliche das Judentum verunglimpfende Gerüchte verbreitet. In Folge dessen sah sich Menasche b Israel veranlaßt in London eine Schuhschrift für die Juden unter dem Titel „die Rettung Israels" auszuarbeiten, in der er die Beschuldigungen, Verläumdungen und boshaften Vorwürfe, die gegen das Judentum geschleudert wurden, in sehr trefflicher Weist widerlegte. Grätz charakterisirt diese höchst gediegene Arbeit in folgender Art: „Sie ist mit warmem Herzen und darum überzeugend geschrieben; gelehrter Kram fehlte zwar auch darin nicht, aber die Gelehrsamkeit ist dem Hauptzwecke untergeordnet. Bei Abfassung der Schutzschrift muß es Menasche eigen zu Muthe gewesen sein Er war nach England in der Erwartung gekommen, um als Dolmetsch oder Vertreter des Gottesvolkes die Sympathie der Christen gewissermaßen im Sturmschritt zu erobern und die Herrschaft Israels über die Völker der Erde auzubahuen, und nun wurde diese Nation so zu sagen auf die Anklagebank gesetzt, und er mußte sie verteidigen. Daher ist der Ton dieser Schrift nicht herausfordernd und siegesgewiß, sondern im Gegenteil elegisch. Er versicherte, daß nie etwas auf sein Gemüt eine tiefere Wirkung hervorgberacht hat, als der an ihn gerichtete Brief mit der Summe der Anschuldigungen. Denn es betrifft das Ansehen eines Volkes, das ich ohugeachtet der mannigfaltigen offenbar schändlichen Verläumdungen für unschuldig zu erklären unternehnien muß. Zuerst muß ich mit bittern Tränen und Beklemmung der Seele jene harte und schreckliche Anklage einiger Christen wider die zerstreuten und niedergebeugten Juden vernehmen, welche bei der Feier des Passafestes zur Gährung ihres Brödes sich des Blutes von Christen bedienen sollten, die sie zu diesen: Zwecke umgebracht hätten." Dieser so oft und auch von Prynne behaupteten und erlogenen Anklage ist der größte Teil seiner Verteidigung gewidmet und sie ist schlagend ausgefallen. Die Beglaubigung dafür führte er mit Recht entweder aus falsche Zeugen oder auf Geständnis der Angeklagten unter der Folter zurück. Die Wahrheit und die Unschuld der Angeklagten sei öfter an den Tag gekommen, aber zu spät, wenn sie bereits hingerichtet waren. Menasche belegte dieses mit einer ergötzlichen Geschichte. Der Arzt eines portugiesischen Grafen war von der Inquisition als judaisirender Christ angeklagt und eingekerkert worden. Vergebens verbürgte sich der Graf für dessen Rechtgläubigkeit, er wurde nichts destoweniger gefoltert und gestand selbst ein, daß er ein judaisirender Sünder sei. Darauf habe der Graf, eine schwere Krankheit vorschiitzend, den Inquisitor zu sich rufen lassen und in seinem Hause bei verschlossenen Thüren, ihm mit drohender Miene befohlen, schriftlich einzugestehen, daß es ein Jude sei. Der Inquisitor weigerte sich; da bringt ein Bedienter einen glühenden Helni, um ihn: denselben auf den Kopf zu setzen. Darauf gesteht der Inquisitor Alles ein, was der Graf von ihn: verlangt hat, und dieser nimmt davon Gelegenheit, ihn: seine Grausamkeit und Unmenschlichkeit

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