Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 2 (1882)
- Issue
- Heft 3 (1.3.1882)
- Date
- 1882-03-01
- Page
- Seite 62 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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62 und entfaltete eine literarische Thätigkeit, die sowol von seinen Glaubensgenossen, als von den hervorragendsten christlichen Gelehrten seiner Zeit bewundert wurde. Er schrieb und sprach'Hebräisch, Spanisch, Lateinisch, Portugisisch, Holländisch und Englisch mit einer Fertigkeit, die allgemein Sensation erregen mußte. Seine sämmtlichen Werke wurden in seiner eigenen Druckerei, die er sich in Amsterdam errichtet hatte, gedruckt. Mit den berühmten christlichen Gelehrten Dionysius Vossius*), Hugo Grotius, Samuel Bochart, Buxtorf u. v. a. stand er in wissenschaftlichem Verkehr und erfreute sich ihrer Hochachtung und Anerkennung. Sein berühmtestes Werk war der in spanischer Sprache abgefaßte Conciliador, eine Schrift, in der er die scheinbaren Widersprüche in der h. Schrift nach Art Don Jsak Abravanels, dessen Urenkelin Rahel Sorira, er geheirathet hatte, zu lösen suchte. Auch über „Auferstehung" schrieb er ein Werk unter dem Titel „isiisotimat chajini“, das von seinen Zeitgenossen hochgeschätzt wurde. Seine materielle Lage jedoch war trotz seiner allgemein bewunderten hohen Gelehrsamkeit eine höchst ungünstige. Das Einkommen des Rabbineramtes, das er in Amsterdam bekleidete, war nicht hinreichend genug, um seine Faniilie ernähren zu können. Er errichtete sich daher 1627 in Amsterdam eine jüdische Buchdruckerei, um nicht ausschließlich auf das Einkommen seines Amtes hingewiesen sein zu müssen; allein durch die Concurrenz, die sich auf diesem Gebiete kundgab, sah er sich bald in seinen Erwartungen getäuscht. In Folge dessen faßte er den Entschluß, nach Brasilien auszuwandern. Die Amsterdamer Gemeinde jedoch, vorzüglich die aus Spanien eingewanderten Abraham und Isaak Pereyra, die Besitzer immenser Reichtümer waren, wollten den hochgefeierten R. Menasche b. Israel durchaus nicht aus ihrer Mitte scheiden lassen, und waren daher aus allen Kräften bemüht, seine materielle Stellung wesentlich zu verbessern, wodurch er sich veranlaßt sah. seinen Auswanderungsplan aufzugeben und in Amsterdam zu verbleiben. Nicht blos durch seine hohe Gelehrsamkeit, sondern auch durch seine edlen Bestrebungen, seinen Glaubensgenossen die Wiederaufnahme in England zu erwirken, ist er eine weltberühmte Persönlichkeit geworden. Als die Puritaner, die dem Judentume freundlicher gesinnt waren, als die früheren englischen Regierungen, zur Herrschaft gelangten, glaubte Menasche b. Israel diesen günstigen Moment benützen zu müssen und überreichte dem Parlamente eine von ihm verfaßte Schrift „die Hoffnung Israels", die ihres äußerst gediegenen Inhaltes halber Sensation zu erregen und auf die Mitglieder des Parlamentes einen günstigen Eindruck zu machen nicht verfehlte. In derselben sprach er zugleich den Wunsch ans, selbst nach England zu kommen, um dort für die Wiederaufnahme seiner Glaubensgenossen persönlich wirken und Propaganda machen zu können. Ein Mitglied des Parlamentes, Lord Middelsex, sandte ihn: ein Schreiben, in welchem er ihn seinen „theuren Bruder" nannte. Auch ein Paß zur Reise nach England wurde ihm zugeschickt, allein in Folge des mittlerweile zwischen England und Holland ausgebrochenen Krieges war er genötigt, seine Reise nach Britanieu aufzuschieben. Erst im Oktober 1655 trat er, nachdem von deni damaligen Protektor des Reiches, Oliver Croinwell, die Einladung an ihn ergangen war, in Begleitung des gelehrten R. Jakob Sasportas die Reise nach *) Dionysius Vossius, Sohn des gelehrten Johannes Gerhard Vossius, dessen hohe Gelehrsamkeit, obschon er im Alter von 18 Jahren seine irdische Laufbahn vollendet hatte, allgemein bewundert wurde, hatte kurz vor seinem Tode Menasche b. Israels Schrift „Der Versöhner", Conciliador, in's Lateinische übersetzt.