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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1882-03-01 · Heft 3 (1.3.1882) · p. Seite 61

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
2 (1882)
Issue
Heft 3 (1.3.1882)
Date
1882-03-01
Page
Seite 61 (sequence 13)
Language
German
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61 II. Die Religion so wichtig für das Verhältnis der Menschen zu Gott, ist nicht der Maßstab für die Trefflichkeit der Staaten, oder die Fähigkeit der Staatsmänner. III. Die Befreiung des Staates von religiöser Bestimmung und selbst von religiösem Einfluß ist e ine Grundbedingung seiner Wohlfahrt!! Die unumstößliche Wahrheit dieser Lehrsätze bewiesen und beweisen fort und fort tatsächlich die Juden, die fern von jedem Racenhaße, sich mit den national-staatlichen und sozialen Lebensinteressen eines jeglichen Landes, wo sie ihre Heimat gefunden haben, identificiren können ohne ihre aparte religiöse Ueberzeugung aufzugeben, weil eben „der Staat das Gesetz seines Daseins nicht in der Religion suchen darf," sondern in der Verwertung aller ihm zu Gebote stehenden Menschenkräfte zur Hebung seiner materiellen und geistigen Blüte. — Dies jedoch ist nur so möglich, wenn er sich bei der zu verwertenden Menschenkraft ausschlieslich uni ihre Intelligenz und Leistungsfähigkeit, nicht aber auch um ihre zufällige Confession bekümmert, die die heiligste, aber privateste Angelegenheit des einzelnen Menschenherzens ist. Hcschichtsbilder aus der nachtalmndifchen Zeit bis auf die Gegenwart (1566—1886). Nach den Quellen bearbeitet von Dr. M. H. Frie dl ander, Menasche b. Israel. Obschon 1492 sämmtliche Juden der pyrenüischen Halbinsel schonungslos vertrieben wurden, lebten denn doch noch lange Zeit nachher in Spanien wie in Portugal sehr viele jüdische Familien, die sich wohl äußerlich zum Christentume bekannten, während sie heimlich mit allen Fasern ihres Lebens dem Judentuine treu anhänglich blieben. Uni aber die ihnen unerträglich gewordene Maske des Christentums ablegen zu können, ergriffen von Zeit zu Zeit gar viele dieser geheirnen Juden die Flucht und wandelten nach Italien, Frankreich, Holland, Deutschland, wie nach dem Morgenlandc. Selbst Männer, die in der Heimat zu den hervorragendsten, einflußreichsten Würdenträgern und angesehensten Persönlichkeiten gehörten, scheuten nicht die mit vielen Strapatzen verbundene Auswanderung*). Zu diesen Flüchtlingen gehörte auch der berühmte Menasche b. Israel. Er hatte 1604 in Lissabon das Licht der Welt erblickt und ist in seiner frühesten Kindheit mit seinem von der Inquisition verfolgten Vater Joseph b. Israel nach Amsterdam gekomnien. Menasche bekundete frühzeitig einen großen Geist und machte unter der Leitung seines ebenfalls berühmten Lehrers Jsak Uziel solch' riesige Fortschritte in biblischen und rabbinischen Wissenschaften, daß er im Alter von 18 Jahren, nachdem sein Lehrer das Zeitliche gesegnet hatte, als dessen Nachfolger designirt wurde. Menasche betrieb auch eifrigst profane Wissenschaften *) So z. B. flüchtete sich Daniel Lewi de Borrios, der in Portugal als Hauptmann in der portugiesischen Armee eine bedeutende Rolle spielte und eine sehr geachtete Stellung ein nahm, nach Amsterdam, wo er sich offen zum Judentum bekannte uud als jüdischer Schriftsteller einen guten Namen erworben hatte.

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