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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1882-03-01 · Heft 3 (1.3.1882) · p. Seite 60

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
2 (1882)
Issue
Heft 3 (1.3.1882)
Date
1882-03-01
Page
Seite 60 (sequence 12)
Language
German
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60 Motiv der Reinerhaltung der jüdischen Race zu Grunde liegt, sondern ausschlieslich das der Reinerhaltung des religiös-sittlichen Lebens, welches durch die innige Berührung mit den Amonitern und Moabitern, die gerade ob ihrer Stammesverwandtschaft mit Israel viel Herz- und liebloser gegen es handelten denn die fremden Egypter, sehr getrübt worden wäre. (Vgl. V. M. cap. XXIII, 4—9). So überaus mächtig also auch in dem alt-jüdischen Volksgeiste der religiöse Fanatismus vorwaltete, — der vielleicht nur damit zu rechtfertigen wäre, daß die blose moralische Kraft des neuen Gottesglaubens nicht ohne Hülfe der blutigen Waffengewalt die Riesenstärke des dainals schon Jahrtausende hindurch herrschend gewesenen Aberglaubens überwinden konnte, — so gänzlich fehlte es ihm an nationalem Dünkel, der vorzüglichen Charaktereigentümlichkeit der andern alten Culturvölker, weil, wie erwähnt, die Religion schon die allererste Grundbedingung eines unduldsamen nationalen Cultus, die Annahme eines ursprünglichen Racenunterschiedes der Menschenstämnie, d^r den gefährlichsten Feind der Völkerverbrüderung, den instinktiven Racenhaß erzeugte, ini jüdischen Volksbewußtsein nicht aufkommen ließ. Die Lehre Mosis: Gott schuf e i n Menschenpaar nach seinem Ebenbilde, aus dem dann die ganze große und bunte Menschenwelt sich entwickelt hatte, mußte den Gedanken der Gleichberechtigung der Nationen schon frühzeitig in der Seele Israels großziehen; mußte dann in der praktischen Betätigung dieses Gedankens alle die fremdartigen national-volkstümlichen Sitten und Gewohnheiten im eignen Staate dulden, welche den reinen Gottesglauben nicht bedrohten. Und diese Cardinallehre des Mosaismus war es auch, welche Israel in seiner Zerstreuung auf dem weiten Erdkreis die innigste Verschmelzung mit den mannigfaltigsten Volksstämmen in Bezug auf ihr nationales L eben und Streben ungemein erleichterte, indem es sich ja von ihnen, nie durch eine natürliche Schranke des urwüchsig-rohen Racenhasses getrennt sah, sondern blos durch eine Scheidewand des religiösen Bekenntnisses, welches eine national-staatliche Interessengemeinschaft nicht zu hindern vermag, aber auch niemals zu hindern das Bestreben hatte. — Wer dem widerstreitet, den hat entweder Racen- und Glaubenshaß geistig verblendet, oder er wird noch immer von jener mittelalterlich finstern Priestertendenz beherrscht, welche die gemeinsame Interessensphäre eines Staates mit dem individuellsten religiösen Interesse seiner einzelnen Bürger zu verquicken trachtete, nicht etwa um dadurch die Moralität der Nation zu befördern, sondern um neben der weltlichen Regierung der geistlichen Macht einen entscheidenden Einfluß zu verschaffen. Und so lange mau noch in den gebildeten und aufgeklärten Ländern Europas, wie namentlich jetzt in dem deutschen Reiche, von einem christlichen Staatswesen spricht, d. h. dem national-politischen Volksleben einen konfessionellen Charakter aufzwingen will; so lange wird es in den Geistern finster bleiben und so lange wird man sich auch sträuben anzuerkenuen, daß der Jude ein ebenso treuer und würdiger Bürger eines Saates zu sein den Willen und die Fähigkeit hat, wie der Bekenner des christlichen Dogmas. Doch die Zeit wird bald kommen, weil sie kommen muß, da die folgenden goldnen Thesen Bluntschlis, des großen deutschen Lehrers der Staatswissenschaft, ins Fleisch und Blut der Volker übergehen werden: I. Der Staat, als die geordnete Lebensgemeinschaft des Volkes, darf das Gesetz seines Daseins nicht in der Religion suchen.

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