Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 2 (1882)
- Issue
- Heft 3 (1.3.1882)
- Date
- 1882-03-01
- Page
- Seite 59 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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59 aus einer ursprünglich feinern oder gemeinern Abstammung hergeleitet werden durfte, wohl aber ausschlieslich aus jenen spätern Natur- und Cultureinfliissen, denen sie, nach allen Richtungen der Windrose hin zerstreut, unterworfen wurden, und die ihnen in den schweren Kämpfen ums Dasein ihr besonderes leibliches und geistiges Gepräge aufgedrückt haben. (Vgl. I. M. c. X, 1—32. c. XI, 1—9). — Als sich daher der semitisch-hebräische Nomadenstamm, aus der Knechtschaft Egyptens erlöst, zu einen! selbständigen Volkstume andern Volksgemeinschaften gegenüber gestalten sollte, da knüpfte der Erlöser und Prophet Moses nicht etwa an eine uralte Überlieferung einer besondern Racenabstammung an, die sein befreites Israel zu einer national-politischen Sonderstellung in der Geschichteter Menschheit berechtige; sondern er berief sich ausdrücklich und feierlichst auf eine religiöse Familientradition von einem einzigen unsichtbaren Gotte, der schon der anerkannte Gott seiner Erzväter war und dessen Cultus daher auch sein ureignes pietätsvolles Volkserbe, seine ihn vollends beherrschende Lebensaufgabe auf Erden bleiben müsse. (Vgl. II. M. cap. XIX, 1—8). Diese Erzväter, Abraham, Isaak und Jakob, wurden denn auch von dem jüdischen Volke nicht als städtegründende Heroen verherrlicht, welche seine national-politische Existenz in Palästina vorbereitet hätten, wohl aber als die ersten Träger und Verkünder einer reinen Gottesidee verehrt, deren Verbreitung vorerst im Lande der Verheißung, wo diese im Dienste derselben geräuschlos lebten und wirkten, die einzige geschichtliche Sendung ihrer Nachkommen geworden ist. — Während also jene Völker des heidnischen Altertums, die ein geordnetes Staatsleben führten, sich vor Allem durch das stolze Bewußtsein eines Racenunterschiedes von einander abgesondert und zu einander gefunden haben, um dann durch ein gewaltsames Absorbiren oder Entnationalisiren schwächerer Menschenstämme allmälig zu mächtigen Staatsorganismen heranzuwachsen auf eineni Boden, der ihrem traditionellen Mythos gemäß schon von ihren siegesgewaltigen Ahnen erobert und wohnbar gemacht wurde; löste sich der Semitenstamm der Hebräer von den übrigen Völkern der alten Welt einzig und allein durch die Geltendmachung eines religiösen Unterschiedes los; leitete er auch sein Anrecht auf Palästina, ohne sich auf erobernde Siegestaten seiner Urhelden berufen zu können, blos aus dem festen Glauben an die göttliche Verheißung her, daß es einst in dem Lande, wo seine Ahnen ein still-bescheidenes Leben im Dienste ihres Gottes fiihrten, den überkommenen monotheistischen Lehren und religiösen Formen die volle Anerkennung erringen werde. — Die thatsächlich erfolgte Herrschaft Israels über die Urbewohner Canaans machte sich daher niemals in einer nationalen, wohl aber in einer sehr oft blutigen religiösen Unduldsamkeit fühlbar, indem sie den nationalpolitischen Sitten und Einrichtungen gegenüber völlig indifferent, alle Götzendiener zum offenbaren Schaden ihrer eigenen staatlichen Machtbereicherung eifervoll vernichtete oder zu vernichten das Bestreben hatte; die sogenannten noachidischen Familiengruppeu hingegen, die mehr oder weniger der mosaischen Lehre huldigten, nicht blos verschonte, sondern auch für ebenbürtig und gleichberechtigt erklärte, ohne auf eine Racenverwandtschaft oder Racenverschiedenheit zu reflectiren. Einen der klarsten Beweise hierfür liefert jenes mosaische Gesetz, dem zu Folge ein Amoniter oder Moabiter, wenngleich als Nachkomme Lots auch stammverwandt mit Abrahams Geschlechte, nie in die „Gottesgemeinde" Israels ausgenommen werden durfte, ein EgyPter jedoch, der einer ganz andern Menschenrace angehörte, unter bestimmten Bedingungen ihr einverleibt werden konnte; weil eben dem mosaischen Verbote, sich mit andern Völkern zu mischen, nicht das