Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 2 (1882)
- Issue
- Heft 3 (1.3.1882)
- Date
- 1882-03-01
- Page
- Seite 57 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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57 tyrertums erstanden, obgleich die Üeberwucherung des syrisch-hellenistischen Geistes alles jüdische Wesen faßt gänzlich erstickt, die hebräische Sprache und Sitte, so sehr verdrängt hatte, daß man selbst im Klange des Naniens den Juden zu verleugnen strebte. - Ans all diesen geschichtlichen Beispielen, die sich noch durch viele ähnliche aus der späteren kampf- und schmerzensreichen Geschichte des jüdischen Stammes vermehren ließen, geht bis zur Evidenz die Wahrheit folgender Behauptung hervor: Die ureigne Idee, durch welche das jüdische Volk auf der Weltenbühne alsein geistiges Ganzes erschien, die es entstehen, wachsen und blühen ließ, die ihm den eigentümlichen Stempel aufdrückte und ihm, als ihrem Träger, seine besondere Mission gegeben und noch giebt, ist nicht die der Nationalität, sondern ausschlieslich d i e religiöse Idee des Monotheismus, dessen Lehrsätze, als die notwendigen Grundprinzipien der gesitteten Menschenwelt, mit jedem nach Cultur und Sittlichkeit strebenden nationalen Volksgeiste harmonieren, weil sie nie die nationalen Sitten und Meinungen, ja nicht einmal die nationalen Unsitten und Vorurteile, sondern nur die abergläubischen Dogmen und Gewohnheiten eines Volkes schonungslos vernichten wollten und noch wollen. In welch' historisch-psychologischen Momeilten jedoch die erklärende Ursache für diesen gänzlichen Mangel an jüdisch-nationalem Sinne, zu suchen sei, soll im Laufe dieser Abhandlung wie möglich nachgewiesen werden, deren Endresultat ein Doppeltes bezwecken möge. — Erstens soll damit die auch durch die Statistik bestätigte Tatsache erklärt werden, warum kein anderes Volk des grauen Altertums, losgerissen von seiner Urheimat und nach allen Richtungen der Windrose hin in Atome zerstäubt, sich so rasch und mit so geringem Verluste an Kraft und geistiger Rührigkeit acclimatisiren und einem fremden Volkstume assimiliren konnte, wie gerade das jüdische Volk bei all seiner religiösen Zähigkeit. — Zweitens soll damit jene tendenziös-feindselige Verdächtigung zurückgewiesen werden, die jetzt besonders in der christlich-germanischen Tagesliteratur als eine in wissenschaftliche Makulatur gehüllte Lüge verbreitet wird, daß nämlich der jüdische Stamm der Semitenrace selbst unter solchen Nationen, die ihn mit dem Segen der bürgerlichpolitischen Gleichberechtigung beglückten, noch immer Sonderinteressen hege und von einem nach national-staatlicher Selbständigkeit zielenden Wunsche beseelt sei, der ihn verhindere, sich aus voller Seele mit den Culturbestrebungen irgend einer andern Nationalität zu identificiren. Daß diese Ansicht hohl und nichtig ist, bezeugt zwar schon klar genug die moderne Zeitgeschichte, die ja alldort, wo die Siinde des heidnischen Altertunis und namentlich die des christlich-frommen Mittelalters gegen das Urvolk der wahren Religion so ziemlich gesühnt wurde, davon zu erzählen weiß, wie die jüdischen Bewohner eines jeden gebildeten und sogar halbgebildeten Staates mit der nationalen Opferfreudigkeit seiner christlichen Bürger bisher inimer noch 'gleichen Schritt gehalten haben. - Allein der Nachweis, daß in Be^ug auf Abstammung, Vaterland, Sprache und Literatur der semitisch-jüdische Volksgeist überhaupt niemals von der Idee einer exklusiv-jüdischen Nationalität in jener unduldsamen Weise, wie andere Volksstaaten, beherrscht und geleitet werden konnte, beleuchte noch entweder die Ignoranz der Antisemiten, welche diese Behauptung aufstellteu ohne die Geschichte des jüdischen Geistes zu kennen, oder aber ihre absichtliche Bosheit, welche die Wahrheit mit den rostigen Waffen der Lüge zu ertödten sich vermißt und nicht bedenkt, daß ihr dies nicht nur nicht gelingen wird, sondern daß sie schließlich dem Verdammungsurteile des Weltgerichtes, d. h. der Weltgeschichte anheimfällt.