Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 2 (1882)
- Issue
- Heft 3 (1.3.1882)
- Date
- 1882-03-01
- Page
- Seite 56 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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nung zu erzwingen. — Der Sieg und Triumph dieser religiösen Idee auf dem Boden Palästinas war das von Moses gesteckte Ziel, war das einzige Ideal des jüdischen Volkes, an dessen Verwirklichung seine ganze geistige und materielle Kraft arbeiten mußte selbst auf Kosten seiner staatlichen Größe, indem ihm ja sein Sinaigesetz strengstens anbefohlen hatte, jene sieben Völkerschaften, von denen es ob ihrer religiös-moralischen Versumpfung nicht erwarten konnte, daß sie den ethisch-strengen Grundsätzen des Mosaismus sich jemals fügen werden, mit der Schärfe des Schwertes bis auf ihr Wiegenkiud zu vertilgen, obgleich seine nationalpolitische Stärke durch den allmäligen Zuwachs an Menschenkräften gewiß in hohem Maße potenzirt worden wäre. Das welteroberende Römertum, dieses eminent elastische Volk der nationalen Politik, beobachtete natürlich stets das entgegengesetzte System. Es kümmerte sich blutwenig um die Glaubensansichten der unterjochten Völker, sobald sie seiner politisch-nationalen Alleinherrschaft nicht hindernd waren, wie denn dieser religiöse Jndifferentsimus dem römischen Weltreiche schließlich doch den Todesstoß gegeben hat. Auch das andere arische Volk der Kunst und Philosophie, das alte Hellenentum, dessen Seele der alles individuelle und Familienleben absorbirende nationale Staatsgedanke war, kämpfte mit fremden Volksstämmen nicht um den Cultus seiner Götter, sondern ausschließlich um seiner Nationalität die Oberhoheit zu erringen; und der Nichtgrieche, wenn er gleich dem Zeus und Apollon opferte, wurde dennoch als Barbar verachtet und zum Sklaven erniedrigt. — Das Judentum hingegen, dem es niemals um seine nationale Machtentfaltung zu tun war, das seiner staatlich-politischen Selbständigkeit stets nur einen sekundären Wert beilegte, insofern nämlich diese die Freiheit und Reinerhaltung des religiösen Lebens sicherte, gewährte den Fremden, den sogenannten „Gerim" in seiner Mitte, die ungeschmälerte politische Gleichberechtigung und nationale Sonderentwicklung, so sie die uoachidischen Gebote beobachteten: nämlich einen Weltenschöpfer auch ohne Vermittlung der Offenbarung anerkannten, vor Gotteslästerung sich hiiteten, die Familienkeuschheit, das Eigentum und das Leben Anderer heilig hielten, für die Handhabung des Rechtes Sorge trugen und jede tierische Roheit in ihren Genüssen zurückwiesen. — Die glühende Liebe zum Lande der Verheißung, die nach dem Verlust desselben sich in den Bekennern des Monotheismus in eine verzehrende Sehnsucht voll poetstch-heiliger Gewalt umsetzte, war niemals eine nationale sondern eine rein religiöse, weil gerade auf dessen Zionshöhe das Palladium der geoffenbarten Lehre, das sichtbare Heiligtum des einzigen unsichtbaren Gottes prangte. Denn als die Perser den Wiederaufbau dieses Heiligtums gestatteten, in welchem der Cultus des Einig-Einzigen unter ihrem starken Schutze ungestört gepflegt wurde, da schlossen sich die Juden mit unerschütterlich-nationaler Treue dem persischen Reiche an, ja fanden das politisch-persische Anrecht auf den Besitz des eroberten Palästina für so begründet, daß ihr Hohepriester Jaddua dem sieggekrönten Macedonierkönig Alexander dem Großen, der auch Jerusalem mit Zerstörung drohte, sagen ließ: „Ich habe dem Darius Treue geschworen, und so lange er lebt, werde ich meinen Schwur nicht brechen"!! Mit eben solcher national-politischer Selbstentsagung fügten sie sich willig der mehr denn 100 Jahre andauerenden Oberhoheit der egyptischen Ptolmäer und der nachherigen Seleucidenherrschaft unter dem toleranten Scepter Antiochus des Großen. Und hätte sein jüngerer Sohn, Antiochus Epiphanes, im selbstvergötterendcn Tyrannenwahne dem Judentum nicht ans Herz gegriffen durch eine grausame Religionsverfolgung; so wären wahrlich keine Makkabäerhelden und keine Heroen eines todesverachtenden Mär-