Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 2 (1882)
- Issue
- Heft 3 (1.3.1882)
- Date
- 1882-03-01
- Page
- Seite 55 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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55 Zum Schlüsse erwähne ich noch eines kindischen und darum unschädlichen Aberglaubens. Junge Mädchen, die erst aus den Jahren der Kindheit und Schulpflichtigkeit getreten sind, werden vom Volksniuud gewöhnlich „Gänschen" genannt. Ein solches Mädchen hat auch Herzenswünsche, die es — wenn auch nicht gleich — jedoch später erfüllt wissen möchte. Was tut nun das junge Gänschen? Es holt sich von einer Wiese ein Gänseblümchen (Bellis perennis), das einen Strahlenkranz von weißen Blättchen um den gelben Stempel hat. Nun rupft es ein Blättchen nach dem andern aus, wobei es seine stumme Frage einmal mit „Ja!" und das zweite mal mit „Nein!" beantwortet. Folgt nun auf das zuletzt ausgerupste Blättchen „Ja!" so ist das junge Herzchen voll Freude und hofft sicher auf Erfüllung seines Wunsches. Ist dagegen die letzte Antwort „Nein!", so macht das Gänschen ein verdrießliches Gesicht! Heil uns Allen und der ganzen Menschheit, so unter dem Volke sonst kein Aberglaube, als dieser kindische mehr bestände! Das Judentum und die Mationakitätsidee. Eine völkerpsychologische Etudie von vr. A. Rosenberg, Rabbiner in Kaposvur. „Die eigentliche Stärke der Semiten ist vorzugsweise in der Religion zu erkennen, nicht in der Wissenschaft. Dort liegt ihre weltgeschichtliche Bedeutung. Auch die Begründung des wahrhaft politischen Volksstaates und des nationalen Rechtsbegriffes ist durchaus ein Werk der arischen Race. Die arischen Völker dürfen daher mit demselben geschichtlichen Rechte auf den Namen der Rechts- und Staatsvölker Anspruch machen, wie die semitischen auf den der Glaubens Völker." Dieser Ausspruch des verstorbenen berühmten deutschen Professors, I. C. Bluntschli, mit welchem er in seinen Vorträgen über „alt-asiatische Gottes- und Weltideen" den Charakterunterschied des semitischen und arischen Volksgeistes kennzeichnet, findet in keinem der orientalischen Menschenstämme so klar und deutlich seinen historisch-psyhologischen Beweis, wie in der cultuellen und culturellen Entwicklungsgeschichte des auf dem ganzen Erdball zerstreuten Israel, dieses eminent elastischen Urvolkes der Religion —. Die Babylonier und Assyrer, z. B. wie auch die kleinern Staatsorganismen der Phönikier und Charthager bekundeten doch mehr, oder weniger auch ein Bestreben nach nationaler Größe und Machterweiterung; sie wollten nicht blos ihren religiösen Anschauungen, sondern auch ihren staatlich-politischen Institutionen die Herrschaft über jene Völker erringen, welche sie besiegten. Begnügte sich doch der Babylonierkönig Nebukadnezar nach seinem ersten siegreichen Feldzuge gegen Palästina mit der Vernichtung der staatlichen Selbständigkeit Judäas ohne dessen religiöse Einrichtungen zu verletzen, die er sogar unter den Schutz eines jüdischen Statthalters stellte. Nicht so der jüdische Stamni der semitischen Menschenrace. Dieser offenbarte selbst während seiner politischen Prosperität unter dem Königsseepter eines David und Salomo nicht jenen national-staatenbildenden Genius, der von den unterworfenen Völkern das Aufgeben ihrer Nationalität in Sprache und Sitte unerbittlich fordert; sondern er wurde ausschließlich auf seinen Eroberungszügen durch Kanaan von dem Bestreben geleitet, seiner neuen monotheistischen Glaubenslehre die vollste Anerken-