Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 2 (1882)
- Issue
- Heft 3 (1.3.1882)
- Date
- 1882-03-01
- Page
- Seite 54 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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54 Wir wollen jedoch nicht leugnen, daß es auch gleichsam prophetische Träume gibt, wie solche die heilige Schrift erzählt. Was nun die Deutung der Träume und Ahnungen anlangt, so spricht schon Joseph (i. d. h. Schrift) zu den gefangenen Hofdienern: „die Deutung — das will auch sagen: die Verwirklichung derselben — stehe allein bei Gott"; obgleich die obige Bemerkung über die Folgen deutlicher Träume namentlich bei abergläubischen Personen auch hinsichtlich der Traumdeutungen Anwendung findet, so, daß die Verwirklichung mancher Träume sich meistens nach deren Deutung richtet, wie dies alles schon unsre alten Weisen im Talmud (B. Tr. Berachoth 55, a.) von den Träumen und deren Deutung behaupten. Weit gefährlicher war indeß der heidnische Aberglaube an eine eingebildete Vorbedeutung (Omen) gewisser äußerlichen Zeichen und Erscheinungen, die aber in gar keinem natürlichem Zusammenhang standen. So betrachteten heidnische Priester die Gestalt der Eingeweide von Opfertieren als gute oder böse Vorzeichen für den Opferer und prophezeiten aus dem Fluge der Vögel eine glückliche oder unglückliche Zukunft der Einwohner in der betreffenden Gegend u. dgl. Unsinn mehr! Ja, noch heutzutage geschieht es bei wilden Völkern, wenn ihre Führer zur Beratschlagung über Krieg oder Frieden zusammentreten, daß sie den Sonnenschein als ein gutes Omen betrachten. Tritt aber zufällig eine Wolke unter die Sonne, so bedeute dies Unglück, vorbereitet von der bösen Gottheit oder dem Teufel, was man alsbald durch Menschenopfer von vielen Sclaven und Sclavinen zu versöhnen sucht, bis die Sonne wieder sichtbar wird. Hierher gehört auch der heidnische Aberglaube, durch das Loos die Zeit bestimmen zu wollen, in welcher irgend ein Unternehmen in der Zukunft gelingen muß, wie dies die h. Schrift von Haman im Buche Ester erzählt. Ferner gehört hie rher der sinnlose und dessen ungeachtet noch öfters vorkommende Aberglaube a. aus den Falten der inneren Handfläche die Schicksale eines Menschen voraus bestimmen zu wollen (Chiromantie), oder b. die Fragen über zukünftige Verhältnisse mittelst der sog. Karten schlage r ei richtig beantworten zu können; wobei es sich von selbst versteht, daß die betreffenden Betrügerinnen sich voraus nach den Zuständen und Verhältnissen der Fragenden anderweitig erkundigen! Endlich ist noch ein Aberglaube an eingebildete Vorzeichen (Omina) zu rügen, wie er jetzt noch einerseits unter Christen und andrerseits unter Israeliten und zwar nicht nur beim Pöbel, sondern auch bei sonst gebildeten Personen vorkommt, ohne daß dabei irgend ein Zusammenhang zwischen Ursache.Md Wirkung wahrzunehmen ist. Ich meine die Furcht vor der persönlichen Zahl dreizehn bei christlichen Zusammenkünften, weil unter den Aposteln Jesu ein Dreizehnter Judas Jscharioth zum Verräter an seinem Herrn wurde, als niüßte deshalb jede 13. Person falsch gegen die andern 12 sein? Andererseits heiraten viele Israeliten nicht gern beim abnehmenden Mondlicht, d. i. in der zweiten Hälfte des Mondmonats. Es möchte hierdurch auch ihr Eheglück abnehmen, u. dgl. Aberglaube mehr auf beiden Seiten. Vor all dergleichen magischen Geheimkünstlern, Wolkendeutern, Zauberern und Todtenbeschwörern re. warnt schon Moses, der Vater der Propheten (i. V. 13, 2—5 und 18, 9—14) und Jeremia sagt ausdrücklich: (10, 2) „Vor den Zeichen am Himmel sollt ihr euch nicht fürchten!"