Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 2 (1882)
- Issue
- Heft 3 (1.3.1882)
- Date
- 1882-03-01
- Page
- Seite 53 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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53 die Geschichte, welche die Bibel li. I. B. d. Könige 28, 7—25) von dem Citiren des verstorbenen Propheten Samuel vor dem König Saul durch die Hexe zu Endor erzählt, als einen Betrug seitens dieses schlauen Weibes; wie ich dies schon in einer Anmerkung (S. 13in meinem gedruckten „Vortrag zur Versöhnung der positiven Religionen und ihrer Bekenner" auseinandersetzte. Wir kommen nun zur zweiten Haupterscheinung des Aberglaubens, zur Mantik, d. i. die angebliche Kraft des Voraussagens künftiger Ereignisse, die man auch die Wahrsagekunst nennt. — Damit meinen wir aber keineswegs die Weissagungen der Propheten. Denn, abgesehen davon, daß eine rationelle Bibelkritik namentlich bei vorher verkündigter Benennung von Personen, die erst in der geschichtlichen Zukunft auftraten*), die betreffende Mitteilung als nachträgliche Bemerkungen bei der späteren Sammlung der h. Schriften betrachten; so waren doch die Propheten vom Schöpfer zum Wohle der Menschheit mit einem höhern Grade der Weisheit begabt, wodurch sie sich aus der Vergangenheit die Zustände der Gegenwart erklärten und aus diesen die guten oder bösen Folgen der betreffenden Verhältnisse in ihrer gottbegeisterten bilderreichen poetischen Sprache prophezeiten. Betrachten wir dagegen das Orakel der alten Griechen, wo die Priesterin zuerst durch die pythonischen Dünste in einen schlafwachen Zustand versetzt wurde, in welchem sie unklare Reden führte, die dann von dem Priestercollegium willkürlich bald so und bald anders gedeutet worden sind**). Zur Mantik gehören auch Träume und Ahnungen. Jene sind meistens die Folgen der voraus gehegten Hoffnungen oder Sorgen und erfüllen sich auch zuweilen dadurch, daß man einerseits nach einem guten Traume mit munterm und hellem Geiste, mit aller Kraft und Umsicht nach dem Ziele, das einem im Traume vorgeschwebt hatte, ernstlich strebt und es am Ende auch erreicht; und andererseits nach einem bösen Traume, namentlich bei abergläubischen Personen die aus Furcht vor dessen Erfüllung Geist und Gemüt so niedergeschlagen sind, daß alle Umsicht und jeder innere Widerstand gegen äußere Geschme oder gegen schlaue und boshafte Menschen ihnen abhanden gekommen, bis endlich das Längstbefürchtete in die Wirklichkeit tritt! Ebenso entstehen dunkle Ahnungen in Folge vorangegangener Besorgnisse rc. *) Wie z. B. der Name Josija's (f. I. König. 13, 2), welcher fast 300 Jahre vor dessen Geburt genannt wurde (f. II. K. 23, 15—18). Nun überliefert der Talmud (B. 2r. Baba bathra 15, a) die literarische Notiz, daß der Prophet Jirmija, welcher ein jüngerer Zeitgenosse des Königs Josija war, die Bücher der „Könige" gesammelt und vollendet habe. **) Die Uri nt und Tumim, wie solche seit Moses bis zur Zerstörung des ersten Tempels der Hohepriester und der oberste Fcldpriester — Letzerer bei einem bevorstehenden Kriege — (1. Talmud B. Tr Sota 42) in der inneren Tasche des aus die Rechtslehren hinweisenden Brustschild (j. II. M. 28. 15 - 30) trug, waren keine Orakel, sondern — meines Erachtens — den beiden Bundestafeln, worauf die 10 Sinai-Worte eingegraben waren, nachgebildeten 2 Täfelchen. Die eine Tafel mit der Hälfte dieser Sinai-Worte sollte religiöse Erleuchtung über unser Verhältnis zu Gott lehren und die zweite Tafel mit der andern Hälfte dieser Grundworte sollte zur moralischen Vervollkommnung im Umgang mit unsern Nebenmenschen führen. Sie sollten zugleich die Macht des Oberhauptes gegenüber dem Kriegsherrn und dem Volke beschränken, damit keine willkürliche dem Gemeinwohl schädliche Kriegsführung oder sonstige Tyrannei geübt werde; weßhalb bei allen großartigen Unternehmungen das bürgerliche Oberhaupt voraus in Gegenwart dieser Urim und Tumim — die als solche die Grundsätze der ganzen Mosaischen Gesetzgebung enthielten, sich mit dem Oberpriester — und in späterer Zeit mit dem Synedrium — beraten mußte, ob das Unternehmen ja oder nicht mit diesen ewig wahren Grundsätzen übereinstimme, darum gelingen oder mißlingen werde! (Vgl. Hz. IV. M. 27, 21.) Hierüber wird später noch eine Erörterung vom Verfasser erfolgen.