Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 2 (1882)
- Issue
- Heft 3 (1.3.1882)
- Date
- 1882-03-01
- Page
- Seite 52 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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52 die sich durch Schönheit auszeichneten, alte Frauen, die durch Häßlichkeit auffallend waren, wurden als Hexen betrachtet, gefoltert und durch eine scheußliche Inquisition zum unwahren Geständnisse gebracht und verbrannt. Manche böse Schwiegermutter, die man los sein wollte, arme und gebrechliche alte Frauen, welche man nicht länger ernähren und verpflegen mochte, wurden als Hexen angeklagt und dem Feuertode überliefert, bis endlich in unserm Vaterlande der z. Z. aufgeklärte Fürst aus deni Hohenzoller'schen Hause, Friedrich II. mit dem Beinamen „der Große", den der Volksmund „den alten Fritz" nannte — diesen Hexenprozessen ein Ende machte, indem er decretirte: „Ich will, daß in meinem Reiche die Weiber in Ruh und Frieden sollen alt werden können!" Bei dieser Gelegenheit kann ich nicht umhin, mitzuteilen, was schon ein alter jüdischer Weise Rabbi Chanina, welcher in der ersten Hälfte des ersten Jahrhunderts lebte, von der Zauberkraft der Hexen gehalten hatte. Einst trat ein solches abergläubisches Weib unter seinen Sitz und scharrte den Staub zusammen, um mittelst ihrer Zauberei den Rabbi zu schädigen. Da sprach er zu dieser Hexe: „Versuche es immerhin, es wird dir nicht gelingen; denn wir glauben nur an den allmächtigen einzigen Gott, von bem es in der heiligen Schrift (V. M. 4, 35) ausdrücklich heißt, daß außer ihm niemand eine göttliche Kraft besitzt, daß niemand uns nützen oder schaden kann, wenn es nicht Gottes Wille ist! (Talmud B. Tr. Synhedrin 67, b.) Mit dem Hexenglauben steht — wie schon angedeutet wurde — der Teufelsglaube*) in Verbindung insofern man an einen eigenmächtigen persönlichen Teufel glaubte, welcher als Feind der Menschen dieselben zum Bösen verführen und somit in ihrem Glücke und Fortschreiten zur Vollkommenheit zu hindern bestrebt sei, was für jeden vernünftigen Menschen gleichfalls ein Aberglaube ist. Dagegen verdient wieder die Ansicht eines alten jiidischen Weisen aus dem 5. Jahrhundert (Resch Lakisch, i Talmud B. Tr. Baba bathra 16 a.), welcher behauptet, „daß eigentlich die böse Begierde im Menschen der Teufel d. h. der Verführer und Verhinderer seiner Glückseligkeit und somit zugleich der Todesengel sei, der ihn moralisch tobet", unsere volle Beachtung! Der Aberglaube an schädliche oder nützliche Geister ist noch nicht verschwunden und die Spritisten unserer Zeit versuchten sogar diesen Aberglauben in ein gewisses System, nach Dimensionen berechnet, zu bringen, hierzu gehört das in der neuesten Zeit aufgekommene angebliche Tischrücken und das Citiren der Seelen von Verstorbenen u. dgl. m., was eitel Blendwerk und Aberglauben ist. Ebenso erklärt der jüdische Hochgelehrte R. Samuel Sohn Chophni**) *) Die Schriften der Bibel, welche vor dem babylonischen Exil verfaßt und gesammelt worden sind, kennen keinen persönlichen Teufel (Satan), sondern teils boshafte Menschen, welche Andere gerne schädigen, also letzter» hinderlich und feindlich sind, (vgl. Hz. I. König. 11, 14); und teils göttliche Verhängnisse gegen das vereinte Glück einzelner Menschen zu deren Prüfung und Veredlung wurden Satan genannt. — Erst in den nachexilischen Schriften der Bibel sind die mitunter falschen Ideen der persischen Religion, welche circa 600 Jahre vor Entstehung des Christentums von Zoroaster oder Zerdutsch dort eingesührt wurde und worin neben der guten Gottheit des Lichtes \Ormutz) eine feindliche das Glüa der Menschen verhindernde Gottheit (Ahriman) erscheint, in's Judentum eingedrungen und wird darum zuweilen auch von einem selbständigen Satan gesprochen (vgl Hz. II. Samuel 24, 1. und dag. I. Ehr. 21, 1. **) Derselbe war der Schwiegervater des letzten Gäonäer R. Hai und lebte Anfangs des 11. Jahrhunderts.