Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 2 (1882)
- Issue
- Heft 2 (1.2.1882)
- Date
- 1882-02-01
- Page
- Seite 46 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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46 in der Dühringschen Bedeutung des Wortes. Aber es ist derselbe Spinoza, den Dühring in seinen anderen Schriften nur als ein Beispiel dafür was Gesinnung bei einem Philosophen sei und sein soll, erwähnet. In diesem Sinne sagt Dühring in der Einleitung seiner „Kritischen Geschichte der Philosophie" Seite 3. „Ein Spinoza würde wenig bedeuten, wenn er nur nach Maaßgabe seiner metaphysischen Schematisirungen zu schätzen wäre. Wer dagegen auf die Triebkräfte seiner Ideen und auf die in seiner Lebens- und Weltbetrachtung zum Ausdruck gelangte Gesinnung sieht, wird ihm nicht nur den richtigen Platz anweisen, sondern auch aus seinem Studium die edelsten Früchte ziehen". Die Darstellung des philosophischen Systems Spinoza's schließt Dühring auf Seite 316 (2. Stuft.) mit folgenden Worten ab. „Man wird, wenn man mit seinen Schriften verkehrt, wenigstens in ein Reich eintreten, in welchem der philosophische Ernst und die Kraft der philosophischen Gesinnung in einem Grade thätig gewesen sind, wie er in der gesummten Geschichte nur wenige Male erreicht und wohl nur zweimal, nämlich in Sokrates und Bruno übertroffen worden ist." Aber noch mehr! Dühring brachte nicht nur die eine Karikatur jenes Mannes fertig, der von ihm selbst als „hochsinniger Denker" und mit anderen beinahe hymnologischen Bezeichnungen in seiner Geschichte der Philosophie gefeiert wird. Dühring konnte es auch mit seinem literarischen Gewissen vereinigen, den philosophischen Grundgedanken Spinoza's in der Weise zu fälschen, daß er an Stelle dessen, was von ihm selbst durch alle drei Auflagen seiner kritischen Geschichte der Philosophie, als die einzig richtige, dem inneren Berständnisse nach allein zulässige und mögliche Auffassung von Spinozas Grundconeeptionen mit allem Nachdruck betont und gegen die abweichende Meinung Schopenhauers verteidigt hat, in diesem Buche eine Auffassung derselben treten läßt, welche das gerade Widerspiel jener ist, eine Unterschiebung, deren Absicht unschwer zu entdecken ist. So ist auf Seite 286 und fg. (2. Stuft.) von Dührings „Kritischer Geschichte der Philosophie" über Spinozas philosophischen Grundgedanken Folgendes zu lesen: „Jede Darstellung von Spinozas Philosophie wird f e h l g r e i f e n, wenn sie nicht von vorn herein das ins Auge faßt, was jener Denker mit seinem System wollte oder was, um in seiner eignen Weise zu reden, als bestimmende Ursache seines ganzen Philosophirens anzusehen ist. Die Ethik spricht schon durch ihren Titel aus, was der Inhalt für jeden unbefangenen Leser unverkennbar macht. Nicht eine Gottes lehre, sondern eine Theorie der menschlichen Gemütsbefriedigung ist der Schwerpunkt, um den alle Gedanken der in jenem Werk widerlegten Anschauungsweise von Natur und Mensch gravitiren. Die Vorstellung der Natur unter der Bezeichn u n g „Gott" ist allerdings in einigen Beziehungen noch eine poetische und vom Afftet bestimmte. Allein diese Züge des Affeetiven, die sonst die Eigentümlichkeit des gewöhnlichen Pantheismus auszumachen pflegen, reduciren sich in Spinozas System auf eine lehr geringe Zahl, sobald man sich durch die absichtliche Wahl gewisser Ausdrücke und Wörter nicht täuschen läßt. Wenn er daher unter der Bezeichnung Gott etwas unbedingt Vollkvmmendes zu denken vorschreibt, so ist sein Gottesbegriff gleichbedeutend mit dem Inbegriff aller Realität. Dieser Begriff fällt außerdem mit demjenigen der N'atur zusammen, insofern die letztere im weitesten Sinne gefaßt wird. Wollen wir streng philosophisch in unserer heutigen Weise reden, so müssen wir bei Spinoza statt Gott