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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1882-02-01 · Heft 2 (1.2.1882) · p. Seite 45

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
2 (1882)
Issue
Heft 2 (1.2.1882)
Date
1882-02-01
Page
Seite 45 (sequence 21)
Language
German
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45 Waffen von dieser Oalität auf dem Altäre des Hasses und der Rache seine Opfer hinschlachten. Doch jene Herren und die Dühringianer sind nicht Dühring! Er opfert mehr als jene, er opfert nicht nur seinen Anteil an der Humanität, er opfert auch seinen höchsten persönlichen Besitz: sein literarisches Gewissen und seine literarische Ehre! Und die Art, wie er dieses thut, ist eins der lehrreichsten Beispiele aus der ganzen modernen gegen Juden und Judentum unternommenen Schriststellerei. Auch der Haß trachtet nach einem System. Im Grunde häßlicher Leidenschaften und Affecten wurzelnd, will er sich wenigstens wissenschaftlich bespiegeln, wie nun einmal im neunzehnten Jahrhundert nichts mehr das Epitheton wissenschaftlich missen will. Nun systematisiren und construiren kann Dühring Alles, warum nicht auch die Judenfrage? Wenigstens weiß Dühring, wie kein Anderer, seine Leser, vielleicht aber auch sich selbst in diesem Punkte zu täuschen. Ich sage vielleicht auch sich selbst. Bei der Verachtung, die Dühring gegen alle Gelehrsamkeit zur Schau trägt, mag er geglaubt haben, es sei jene umfassende Sprach- und Literaturkenntnis, jener eindringliche Forschersinn und rastlose dem Gegenstände ausschließlich zugewendete Fleiß, jene edle Selbstverleugnung und Begeisterung, es seien all die Eigenschaften, welche einen Zunz, Rapoport und die anderen Männer, welche in unserem Jahrhundert den Grundstein zu einer Wissenschaft des Judentums gelegt haben, in der That kennzeichnen, bloßer Gelehrtenluxus. Einige Reminiscenzen aus dem Confirniationsunterricht, die sich auf biblische Geschichte erstrecken, und gelegentliche Reflexe aus einer Renan- und Straußlectüre, aber auch Schopenhauer und Voltaire nicht zu vergessen, sollen hinreichen, alles Wissen über Juden und Judentum in ein System zu bringen und unter dein Rainen, welchen Dühring für sein Buch ausgesucht, „den allgemeinen, sowie politischen und socialen Wissenschaften als ein Bestandteil einzureihen". Durch diese seine wissenschaftliche Großthat meint Dühring ferner „findet sich der Gegenstand systematisirt und als unentbehrliches Wissen in die Cultur- und Humanitätserrungenschaften ausgenommen" (Vorrede). Wie gesagt über diesen Punkt kann Dühring, — was allerdings von einer wissenschaftlichen Naivität, die einer diesbezüglichen Unzurechnungsfähigkeit gleich käme, zeugen würde — in Selbsttäuschung sich befinden. Worüber aber Dühring sich selbst unniöglich täuschen konnte, wohl aber seine Leser zu täuschen suchte, das ist, was wir oben bereits andeuteten und sehr gelinde mit doppelter Buchführung bezeichnen. Als das Gravirenste aber erscheinen uns hierbei Dührings fortwährende Hinweise auf seine Fachschriften, wo er in ideeller und sachlicher Beziehung über die jüdischen Autoren dasselbe gesagt haben will, in der That aber Entgegengesetztes oder doch Widersprechendes bekundet hat. Dühring setzt hierbei richtig voraus, daß die Vergleichung bei demjenigen Theil des Publikums, den er für sein Buch zunächst in Aussicht genomnien, unterbleiben dürfte. Wir aber wollen eine solche Vergleichung nicht unterlassen. Wir fangen bei Spinoza an. Eine andere Beteiligung des „geschichtlichen Judentums" an philosophischen Bestrebungen kennt Dühring in diesem Buche nicht, obwohl er in seiner Geschichte der Philosophie eine Kenntnis dieser Thatsache verrathen hat. Doch wir wollen hier darüber mit ihm noch nicht rechten; es wird dieses erst später zur Sprache kommen. Also Spinoza. Dieser Philosoph ist Dühring nur ein Beispiel dafür, daß die Juden, wie religiös so auch philosophisch, von sich selbst und ihren Eigenschaften nicht zu erlösen sind. So auf Seite 53 des fraglichen Buches. Von allen Verunglipfungen dieser edlen Gestalt sehen wir vorläufig ab. Genug auch Spinoza war nichts weiter als ein Jude

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