Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 2 (1882)
- Issue
- Heft 2 (1.2.1882)
- Date
- 1882-02-01
- Page
- Seite 47 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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47 das Wort Sein setzen. Spinoza setzt nicht voraus, daß es einen Gott als besonders nachweisbares Wesen gebe, sondern die Vorstellung des bloßen Seins und des darin gedachten Inbegriffs aller Möglichkeiten genügt ihm. Hierin unterscheidet er sich wesentlich von jenen Phantasielogikern, die da meinen, aus einem blos subjektiven Begriffe eine außer diesem Begriff vorhandene Wirklichkeit erschließen zu können." Diese Auffassung von dem philosophischen Grundgedanken Spinozas hat Dühring auch in der 3. Auflage mit demselben Nachdruck und stellenweise mit denselben Worten als die dem innern Sachverständnisse nach einzig zulässige und richtige betont. Dagegen ninnnt Dühring keinen Anstand den hier in Frage stehenden Punkt im Buche über die Juden Seite 49 folgendermaßen zu charakterisiren: „Der Umstand, daß Spinoza von dem vorangegangenen Philosophen technische Ausdrücke entlehnt, die bei ihm wie der Ausdruck Substanz den angestammten Herrgott vertreten, darf den Kern der Anschauungsweise nicht täuschen, Auch wenn er gelegentlich sagt: Gott oder die Natur, so macht dies seine Borstellungsart nicht allgemein menschlicher. Er denkt sich eben auch die Natur in jüdischem Lichte; er läßt sie und den Menschen in der einzigen Substanz, d. h. in jenem monokratischen Etwas, welches zugleich überall in allen Dingen ein Denkendes und ein körperlich Ausgedehntes sein soll, völlig aufgehen. Wenn irgend etwas, so haben die Borstellungen Spinozas über Welt und Sein bewiesen, wie zäh im Juden die angestammte religiöse Anschauung sart wurzelt." Was die nun fragliche Vorstellung von dem Denken der Substanz betrifft oder, wie Dühring diesen Begriff jetzt in Widerspruch mit seiner eigenen Auffassung derselben a. a. O. hier als monokratisches Etwas bezeichnet, so erinnert sich mancher Leser wohl gleich an den streitigen Punkt aus der Philosophie Spinozas nämlich an den Begriff des Attributs. Dühring macht nun auch in Hinsicht dieser Grundconception den Versuch, Spinozas Anschauungsart auf dem tieferen Niveau des Volksinäßigen und Beschränkten erscheinen zu lassen. Aber Dühring hat auch hierüber durch alle drei Auflagen seiner Geschichte eine Auffassung vertreten, welche seinen heutigen Verkleinerungsversuchen etwas im Wege stehen muß. Auf Seite 295 kommt dieser Punkt zur Erörterung und Dühring sagt: (S. 296.) „Am besten wird man den Kern des Gedankens treffen, wenn man in dem Denken, welches in der gesammten Natur wirksam sein soll, nichts weiter als ein Gegenbild der mathematischen Eausalitüt zu suchen unternimmt. Das Verbundensein von Grund und Folge oder von Ursache und Wirkung wird von Spinoza als gedankliche Bestimmung bezeichnet, und so wird es begreiflich, daß er jeden körperlichen Vorgang zugleich als eine Handlung des Cogitirens auffasten kann." Und ganz in demselben Sinne und sogar etwas entschiedener und bestimmter heißt es auf Seite 297 „der letzte Schritt den wir zu thun haben, um die Schaale zu entfernen und den Kern zu gewinnen besteht nun darin, daß wir das universelle Denken nicht als eigentliches Denken, sondern als den Act erkennen, durch welchen die Thatsachen und Existenzen nach Grund und Folge, nach Ursache und Wirkung, sowie überhaupt nach jeder causalen Kategorie Zusammenhängen, welche sich nach dem Schema der mathematischen Nothwendigkeit voraussetzen läßt. (Fortsetzung folgt.)