Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 2 (1882)
- Issue
- Heft 2 (1.2.1882)
- Date
- 1882-02-01
- Page
- Seite 43 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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43 Buche „zwischen den Zeilen zu hören wähnte" und in das er in seiner Schrift „Die Judenfrage und ihr Geheimnis" so viel hineingeheimnist hat, ist nichts, was den Haß Dührings gegen die Juden besonders kennzeichnete. Wer sich in Bezug auf Dührings Schriften in der genannten Lage befindet, hat dieses Wutknirschen wenn auch durch einen mephistophelischen Hohn ein wenig verhalten, auch schon gegen andere Personen und Tatsachen vernommen, als gegen Juden und Judentum. Um nicht zu weit ins Jahrzehnt zurückzugreifen, lese man das vierte Kapitel seiner 1878 erschienenen „Nene Grundgesetze der Physik und Chemie" und die entsprechenden Ausführungen in der Schrift Robert Mayer etc. (1880), diezweite größere Hälfte seiner Logik und Wissenschaftstheorie (1878). Dort kann man zwischen und in den Zeilen die Ausbrüche der Dühringischen Wut, aber auch die Beflissenheit, mit der Dühring das Gift seines Hasses gegen die historisch gewordenen Wissenschaften und ihre gegenwärtige Vertretung auf seine Leser zu übertragen sucht, die unheimliche Energie, die er aufbietet, um, wie er sagt „seine Feinde ldas sind die Professoren) niederznwerfen", kurz all' dies Charakteristische wie es als die Signatur der literarischen Verhaltungs- und Wirkungsart Dührings und zugleich als die Signatur seines Geistes in den letzten Jahren auch für Fernstehende in immer deutlicherer Wahrnehmbarkeit hervortrat, aus den verschiedensten Gesichtspunkten studiren. Was aber auch einen Leser, der die Dühringische Malier in all ihren Kundgebungsarten bereits kennen gelernt und selbst durch den Besuch von Dührings Vorträgen es in dieser Beziehung zu einer ansehnlichen Fertigkeit im Nil admirari der Alten gebracht hat, in diesen! Buche doch noch überrascht und, wie ich für mein Teil hinzufügen muß, trotz lang gehegter Hochschätzung Dührings .mit moralischem Widerwillen um nicht zu sagen mit Verachtung erfüllen muß, das ist die Wahrnehmung jener tiefen Stufe, auf welcher Dühring in literarischer Beziehung endlich angelangt, und auf welcher er sich nicht mehr scheute, über Personen und Thatsachen aus dein „Wissens- und Literaturgebiet" in boshafter und gehässiger Absicht das Entgegengesetzte von dem auszusagen, was er in seinen andern, dem entsprechenden Fach gewidmeten Schriften in anerkennendem Sinne zu berichten ehrlich und unbefangen genug war. Dühring selbst sagt irgendwo: es gibt nicht eine doppelschlächtige Wahrheit, sondern nur eine einheitliche und einige, und diese ist überall ani Orte. Gilt das für ihn? Ist nicht im Buche über die Judenfrage dieselbe Wahrheit am Orte, wie in der Geschichte der Philosophie? Ist Spinoza, wenn Dühring seiner in einein Buche über die Judenfrage zu erwähnen hat, nicht derselbe' ist, der ideelle Gehalt seiner Schriften, der positive Sinn seiner philosophischen Lehrsätze nicht derselbe, wie Dühring ihn in seiner „Kritischen Geschichte der Philosophie" darzustellen der Wahrheit gemäß fand? Ist über Heinrich Heine in diesem Buche eine andere Wahrheit am Orte, als in Dührings Cursus der Philosophie (1875) und in seiner Schrift „Der Werth des Lebens" (1877). Konnte Dühring mit gutem Gewissen in diesem Buche als „eine Grundthatsache aller Culturgeschichte und Culturgeographie" den Satz hinstellen, die Juden seien vermöge eines naturgesetzlich wirkenden Racenzuges überall und zu allen Zeiten die Träger der Corruption, während er doch selbst auf die bessern Bestrebungen der Juden in den Zeiten des Mittelalters und auf ihre Verdienste um die abendländische Geistescultur in seiner „Kritischen Geschichte der Philosophie" als auf „ein für den Culturhistoriker wichtiges Anzeichen" hinwies? Doch wir haben hier noch nicht vorzugreisen. Wir wollen die hier in Frage kommenden Urteile des Or. Dühring, soweit es der Raum gestattet, in ihrem eigenen 4*