Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 2 (1882)
- Issue
- Heft 2 (1.2.1882)
- Date
- 1882-02-01
- Page
- Seite 41 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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41 Gemeinde zog über ihn bei dem damaligen Landesrabbiner Menachem Mendl Krochmal in Nikolsburg brieflich Erkundigungen ein. Zufälliger Weise befand sich gerade Sabbatai's Lehrer, der berühmte R. Josua Heschel, Verfasser des „Megine Schlomo" und der Rechtsgutachten „Peue Jehoschua" in Nikolsburg bei Krochmal auf Besuch, als der Holleschauer Brief anlangte. Der Landesrabbiner fragte seinen Gast, nachdem er ihn mit deni Inhalte des Briefes vertraut gemacht, ob er den Sabbatai kenne. „Sollte ich meinen würdigsten und vorzüglichsten Schüler nicht kennen? entgegnete rasch der Gefragte. Glaube mir, du würdest klug handeln, wenn du das Holleschauer Rabbinat übernehmen und dem Sabbatai das Nikolsburger Landesrabbinat übergeben möchtest". In seiner großen Bescheidenheit teilte Krochmal Heschels Antwort dem Holleschauer Vorstande wörtlich mit, worauf Sabbatai Cohen mit Acclamation zuip Holleschauer Rabbiner ernannt wurde. Ungefähr sieben Jahre wirkte Sabbatai segensreich in Holleschau, bis er am 1. Adar 1663 im Alter von 41 Jahren das Zeitliche gesegnet hatte. Sein Dahinscheidcn wurde von der ganzen Judenheit tief betrauert. In Holleschau ist es heute noch gebräuchlich, daß die Beerdigungs-Bruderschaft alljährlich am ersten Montag oder Donnerstag nach dem Purimfeste das Grab des allverehrten Rabbi Sabbatai besucht, und dessen Andenken durch inbrünstige Gebete feiert. Wie Sabbatai Cohen, gehörte auch Gerson Aschkenasi Oulif zu den vorzüglichsten Schülern R. Josua Heschel's. Aschkenasi, der ein Sohn sehr würdiger und frommer Eltern aus Krakau war, zeichnete sich frühzeitig als großer und scharfsinniger Talmudist aus, wodurch es ihm gelang, von der hervorragendsten Gemeinde Oesterreichs, wie Proßnitz, Nikolsburg und Wien zum Rabbiner gewühlt zu werden. Er hat nämlich, wie viele andere seiner Leidensgenossen, Polen in dem verhängnißvollen Jahre 1648 verlassen und kam nach Mähren, wo er in Proßnitz Anstellung gefunden. Daselbst starb ihm seine erste Frau. Er heiratete dann die Tochter des Landrabbiners Menachem Mendl Krochmal. Nach dem Tode seines Schwiegervaters wurde er zu dessen Nachfolger designirt. Er war kaum ein Jahr als mährischer Landesrabbiner tätig, als er von der Wiener Gemeinde zu ihrem Rabbiner ernannt wurde, wo er bis zum verhüngvollen Jahre 1670 segensreich gewirkt hatte. Als jedoch in diesem Jahre Kaiser Leopold dem dringenden Verlangen der Wiener Bürger gemäß, die Juden, weil sie ihnen, wie sie angaben, auf dem Gebiete des Handels Concurenz machten, aus Wien, wie ans sämmtlichen Ortschaften Niederösterreichs ausweisen ließ, mußte auch Aschkenasi zum Wanderstabe greifen und als Exulant die Welt durchziehen. Gott verläßt aber die Seinen nicht. Aschkenasi wurde bald nachher von der Metzer Gemeinde zu ihrem religiösen Oberhaupte ernannt. In Metz erfreute er sich, wie früher in Mähren und in Wien der allgenleinen Hochachtung und Liebe, und wirkte daselbst ungefähr 24 Jahre bis zu seinem 1694 erfolgten Tode. (Vgl. meine Beiträge z. Gesch. d. Jud. in Mähren S. 23). Aschkenasi Schriften: „Abodat Hagerschuni" und„TiferetHagerschuni" zeugen von seiner tiefen talmudischen Gelehrsamkeit. Einer seiner vorzüglichsten Schüler war R. David b. Abraham Oppenheim aus Worms. Derselbe entstammte einer hochachtbaren Familie, und erbte von seinem reichen Oheim, dem berühmten Hofjuden Samuel Oppenheim in Wien, eine reichhaltige Bibliothek, die dieser der Vermittlung des Prinzen Engen, dem er Geld lieh, zu verdanken hatte. David Oppenheini war auch seinerseits stets bemüht, diese ererbte Bibliothek zu vergrößern, was ihm in der That auch in hohem Maße 4