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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1882-02-01 · Heft 2 (1.2.1882) · p. Seite 40

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
2 (1882)
Issue
Heft 2 (1.2.1882)
Date
1882-02-01
Page
Seite 40 (sequence 16)
Language
German
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40 den größten Gelehrten seiner Zeit, sondern auch mit den entferntesten Gemeinden, die in den wichtigsten religiösen Angelegenheiten an ihn appellirten. Seine Responsen „Zemach Zedek", die weite Verbreitung und allgemeine Anerkennung gefunden, zeugen von seiner großen talmudischen Gelehrsamkeit und von seinem bebewunderungswerten Scharfsinn. Wie der Baum so die Frucht. Die Kinder Krochmals traten in die Fußtapfen ihres Vaters' und erfreuten sich der allgemeinen Hochachtung. Er hatte drei berühnlte Schwiegersöhne und zwar: Gerson Aschkenasi, der als Wiener Rabbiner bei der Vertreibung der Juden aus Wien 1670 zum Wanderstabe zu greifen genötigt war. Derselbe starb 1794 als Oberrabbiner von Metz; ferner R. Jakob b. Jecheskel, der am 26. Nissan 1671 als mährischer Landesrabbiner in Nikolsburg das Zeitliche gesegnet, und R. David, der in Eisenstadt, Ung. Bood und Trebitsch als Rabbiner fungirt hatte. Lezterer starb in Trebitsch am 27. Tischeri 1718 im Alter von 90 Jahren. Auch einen sehr gelehrten und würdigen Sohn hatte Krochmal; er hieß Jehuda Arjeh Leb, der seiner hohen Geistesgaben halber frühzeitig die rabbinische Reife erlangte und von der Trebitscher Gemeinde zu ihrem Rabbiner ernannt wurde. Als im Jahre 1671 sein bereits erwähnter Schwager Jakob b. Jecheskel die irdische Laufbahn vollendet hatte, wurde er, als dessen Nachfolger nach Nikolsburg berufen. Hier unterhielt er eine große „Hochschule", die von wißbegierigen, jungen Leuten fleißtg frequentirt wurde. Jehuda Arjeh Leb edirte seines Vaters Responsen „Zemach Zedek", und verfaßte zu denselben Glossen, die von seiner tiefen Gelehrsamkeit zeugen. Ein zweiter sehr berühmter Zeitgenosse Hellers war R. Sabbatai Cohen aus Wilna (Schach), Rabbiner iu Holleschau in Mähren. Er war der Sohn des, seiner tiefen talmudischen Kenntnisse halber, ebenfalls sehr berühmten R. Meir Cohen, Rabbiner zu Mohilew in Äthanen. Sabbattai zeichnete sich frühzeitig durch ungewöhnliche Gelehrsamkeit und hervorragende Tugenden so sehr aus, daß er sich gar bald einen klangvollen Namen in der jüdischen Gelehrtenwelt erworben hatte. Sein Cominentar zum „Sulchan Aruch" wurde von den Rabbinen sanctionirt, und wird heute noch von vielen Rabbinen in den wichtigsten religiösen Angelegenheiten besonders berücksichtigt und gewürdigt. Als jedoch im Jahre 1648 der grausame Hetmann Chmelnicki mit seinen blutgierigen Kosaken gegen die Juden in Polen wüthete*), wunderten viele dortige Rabbinen nach Deutschland aus. Unter diesen Exulanten befand sich auch unser R. Sabbatai Cohen. Er kam nach Straßnitz in Mähren, wo er von der dortigen Gemeinde zu ihrem Rabbiner ernannt wurde. Als sechs Jahre später, ungefähr 1654 das Rabbinat in Holleschau erledigt wurde, wurde der Wunsch in ihm rege, sich um dasselbe zu bewerben. Der Vorstand der Holleschauer *) Das Jahr 1648, ein Friedensjahr für Mittel-Europa, ein Freiheitsjahr für England, ein Chriftusjahr nach den Verheißungen Piere de la fous, ein Messiasjahr nach dem Sohar, wurde ein Unglücksjahr für die Juden in Polen und Ukraine. Die Kosaken und ihre Verbündeten, die unter Bogdan Chmielnicki gegen Polen Krieg führten, verwüsteten die Städte und erschlugen alle Juden, die sich nicht retten konnten, oft mit erfinderischer Grausamkeit. Das Haar sträubt sich bei den Beschreibungen; die Qualen übertresfen die des Mittelalters, die Anzahl der Opfer hält der vom Jahre 1348 die Wage: die Zerstörung der Gemeinden erinnert an den Hadrianischen Krieg. Biele Tausende flohen nach der Türkei, nach Deutschland und Holland. Auf lange Zeit war der Wohlstand jener Gegenden, ihre Cultur auf noch längere vernichtet. Die Verwüstungen und die Mordthaten waren vornehmlich in den Jahren 1648 und 1649, und dauerten teilweise bis zum Jahre 1656. (Zunz die synagogale Poesie S. 344.)

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