Mannheim
Compact Memory

Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1882-02-01 · Heft 2 (1.2.1882) · p. Seite 39

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
2 (1882)
Issue
Heft 2 (1.2.1882)
Date
1882-02-01
Page
Seite 39 (sequence 15)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2969669-2969684-2969687--0359-2970776
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

39 in das Zimmer trat, gratulirten mir Alle, und ließen mich den obersten Sitz einnehmen; der erste Vorsteher führte das Wort und zeigte mir in dem Protokolle den Akt meiner Aufnahme als Stadt- und Landrabbiner, nebst allen darin ausgesprochenen Rechten und Pflichten. Ich dankte in kurzen, gewichtigen Worten, und schloß dann mit einem Dankgebet gegen Gott, worin ich die Gemeinde und ihre Velreter segnend einschloß". (Meg. Eba.) Hier in Krakau erfreute er sich der lang ersehnten Ruhe wie der allgemeinen Liebe, Hochachtung und Verehrung. Es war ihm endlich doch vergönnt den Rest seiner Tage in Ruhe und Frieden zu verleben, zum Heile und Wohle seiner Glaubensgenossen segensreich wirken und die Wissenschaft pflegen zu können. Er zeichnete sich nicht blos als großer Meister des Talmud, sondern auch als gediegener Kenner der profaneil Wissenschaften vorteilhaft aus. Er soll auch ein vorzüglicher Matematiker gewesen sein. Am 9. August 1654 wurde Heller im Alter von 75 Jahren vom Schauplatze seiner segensreichen Tätigkeit abberufen. In seiner letzten Krankheit wurden ihm die Beinamen Gerschom und Schon! beigelegt. Durch seine mannigfachen, höchst gediegenen Werke, besonders durch seinen Commentar zur Mischna, den er unter dem Titel „Tosefot Jomtob" veröffentliichte, hat er sich ein ewiges, unzerstörbares Denkmal errichtet. Die berühmten Gelehrten R. Josua b. Josef Falk, Verfasser der trefflichen Werke „Pene Jehoschua," „Megine Schelomo" und R. Josua b. Jakob Heschel waren in Krakau Heller's Kollegen. Während seiner Wirksamkeit in Krakau erlebte er die furchtbare Katastrofe. die über seine Glaubensgenossen in der Ukraine 1648 durch die Empörung des Kosaken-Hetmann Ehmelnicki hereingcbrochen >var. Sowohl die Leiden der Juden während des dreißigjährigen Krieges, als die haarsträubenden Gräulscenen der raubsttchtigen, mordlustigen und racheschnaubendenden Kosaken, hat Heller durch treffliche, von ihm verfaßte Selicha's (Gebete) verewigt. Von den vielen hervorraugende» Zeitgenossen Hellers, die heute noch am Horizonte der rabbinischen Literatur als Sterne erster Größe hell leuchten, verdienen Mendl Krochmal, Sabbatai Kohen und Gerson Aschkenasi besonders erwähnt zu werden. R. Menachem Mendl Krochmal wurde in Krakau geboren. Sein Geburtsjahr läßt sich nicht genau ermitteln. So viel ist gewiß, daß er zu den vorzüglichsten und begabtesten Schülern R. Joel Serkes gehörte, der ihn oft bei verschiedenen religiösen Funktionen als Assistenten verwendete. Im Jahre 1636 wurde Krochmal von der isr. Gemeinde zu Kremsier in Mähren zu ihrem Rabbiner ernannt. Vier Jahre später 1640, hatte ihm die Proßnitzer Gemeinde das in ihrer Mitte vacant gewordene Rabbinat übertragen, das er acht Jahre lang würdevoll bekleidete, bis er 1648 zum mährischen Oberlandesrabbiner mit dem Sitze in Nikolsburg ernannt wurde. Hier wirkte er ungefähr 13 Jahre und endete auch allda am 2. Schebbat (5421) 1661 sein thatenreiches, dem Studium der jüdischen Wissenschaft gewidmetes Leben. Als Landesrabbiner präsidirte er mehreren Synoden der mährischen Landesültesten und Gemeindeabgeordneten, und wurden bei der, am 6. Schebat 1651 unter seinem Präsidium in Nikolsburg abgehaltenen Synode, die sogenannten „Schai Tekanoth" (310 Statuten) festgesetzt. Dieselben enthalten auch eine Unterrichtsordnung, nach welcher jede Gemeinde, die dreißig steuerzahlende Mitglieder hatte, verpflichtet war, einen Rabbiner anzustellen, dessen Aufgabe sein mußte, talmudische Vorträge zu halten re. Krochmal's Gelehrsamkeit brachte ihn in Correspondenz nicht nur mit

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.