Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 2 (1882)
- Issue
- Heft 2 (1.2.1882)
- Date
- 1882-02-01
- Page
- Seite 36 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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bnches, dann der Pentateuch, aber ausschließlich mit dem Coinmentar des Ber Mosche, oder (wenn der Schüler begabter ist) mit deni des Raschi, das liturgische Ritual, wie es eben je nach der Jahreszeit an der Ordnung ist, ferner sind die Schüler über die Gesetze des Anstandes und der ehrbaren Aufführung zu belehren. Jedes Kind ist einzeln und seiner Fassungskraft angemessen zu unterrichten. Die Schüler müssen unterwiesen werden im Erkennen der nichthebräischen (also deutschen und polnischen) Schriftzeichen wie sie für die Veröffentlichung der in nichthebräischer Sprache erscheinenden Werke verwendet werden, damit sie im Stande seien, solche Schriften zu lesen, woraus sie Tugendlehren und redlichen Lebenswandel erlernen. Auch sollen sie geübt werden im Schreiben der nicht hebräischen Schriften und in der Landessprache, die hier üblich ist. Die begabten Schüler sollen die Paradigmen des hebräischen Zeitwortes einüben, und sich das Wesen der hebräischen Grammatik aneignen re. Sie sollen ferner die Rechenkunst lernen u. z. Addition, Subtraktion, Multiplikation, Division re-" (Neuzeit Jahrgang 1864 Nr. 24.) R. Joel hat auch anderweitig seine Toleranz bekundet, indem er trotz seiner rigorosen Frömmigkeit und streng ascetischen Lebensweise gestattete Melodien profaner Lieder, die in den Bethäüsern anderer Confessionen ertönen, in der Synagoge zu singen, wenn sie sonst keine eonfessionelle Bedeutung haben. tResp. des R. I. S. 127). Obschon er sonst kein Verehrer philosophischer Studien gewesen, las er doch fleißig den Morr des Maimonides, und nahm keinen Anstand, ihn in seinen Schriften öfters anzusühren. Zum Schlüsse müssen wir noch bemerken, daß R. David Lcwi, Verfasser des „Ture Sahab" ein Schwiegersohn des R. Ivel Serkes war, der in seinem erwähnten Werke aus Liebe zur Wahrheit oft den von Serkes angegriffenen „Bet Josef" in Schutz nahm, und die Ansichten des von ihm hochverehrten Schwiegervaters zu entkräften suchte. R. David huldigte zweifelsohne dem Grundsätze der großen Philosophen aus Stagira: Amiens, Plato re. Zu den hervorragendsten Zeitgenossen Serke's gehört R. Josua Falk Kohen in Lemberg, Verfasser des „Sefer Meirat Enjaim" (Senia), R. Meir Lublin (Meharam Lublin) und R. Samuel Edels, bekannt unter dem Namen Meharschah. R. Lipinmm $efler. Eine hochgeachtete und populäre Persönlichkeit war R. Lipmann Heller, Verfasser der „Tossefot Jomtob." Lipmann Jom Tob, Sohn des Nathan Heller, wurde in Wallerstein*) im Fürstentum Anspach, im Jahre 1579 geboren. Sein Vater Nathan starb 19 Jahre alt vor der Geburt des Sohnes, daher Lipmann im Hause seines Großvaters, des Gelehrten R. Moses Wallerstein erzogen wurde. In Prag jedoch erhielt er seine weitere gründliche rabbinische Ausbildung. R. Jakob Grünzburg aus Friedberg war ebenfalls sein Lehrer. Lipmann erregte bald in Folge seiner eminenten Gelehrsamkeit auf dem Gebiete der rabbinischen Literatur wie auf dem der profanen Wissenschaften, ungewöhnliche Sensation. In seinem 18. Jahre wurde er von der Prager Gemeinde zum Rabbinatsassesor und Leiter einer Talmudschule ernannt, welche *1 Löws Angabe iHamafteach S. 280), daß Heller in Prag geboren wurde, beruht aus einem Irrtum, denn Heller zeichnete sich selbst in seinem Vorworte zu seinem Werke „Zurot Habajit' „Wallerstein Js moladeti'' d. h. Wallerstein meine Geburtsstadt.