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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1882-02-01 · Heft 2 (1.2.1882) · p. Seite 35

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
2 (1882)
Issue
Heft 2 (1.2.1882)
Date
1882-02-01
Page
Seite 35 (sequence 11)
Language
German
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35 Serkcs hat ungefähr 1560 in Lublin das Licht der Welt erblickt. Er war der Sohn sehr frommer und höchst achtbarer Eltern, die ihn schon frühzeitig im Talmud und dessen einschlägigen Literatur unterrichten ließen. Kein Opfer war ihnen zu groß, so es galt das geistige und körperliche Heil und Wohl ihres heißgeliebten und hochbegabten Sohnes zu fördern. Den ersten Unterricht genoß Joel bei seinem Vater R. Samuel Jafe, der ein gewiegter Talmudist und tüchtiger Dialektiker war. Obschon Samuel mit Mangel und Not zu kämpfen hatte, Pflegte er denn doch seinem Sohne Joel, als er noch ein junges Kind war, an den hohen Festen in der Shnagoge des R. Salomo Luria für teueres Geld „Maftir" zu kaufen. (Respd. I. S. 158.) Seine späteren Lehrer waren: R. Salomo S. Löbisch aus Lublin (dessen Hochschule zur selben Zeit auch Jcsaias Hurwitz besuchte) und R. Zebi Hirsch Schor. In Folge seines Scharfsinnes und seiner staunenerregenden Gelehrsamkeit, erwarb sich R. Joel bald einen bedeutenden Ruf in der jüdischen Gelehrtenwelt, und die hervorragendsten Gemeinden appellirten oft an ihn in den wichtigsten religiösen Angelegenheiten. Selbst von den talmudischen Capaeitäten der von seinem Domieil ferne gelegenen Gemeinde Amsterdam wurde R. Joel S. angegangen, religiöse Bescheide zu erteilen. Serkes stand überhaupt mit den meisten Gemeinden Polens in Verbindung, und mit den hervorragendsten rabbinischen Autoritäten in Correspondenz. Charakterfestigkeit, ungewöhnlicher Scharfsinn, seltener Fleiß und unvergleichliche Herzensgüte waren die Eigenschaften, die ihn schmückten. Er hat den größten Teil seiner Kraft, seine Fähigkeiten und hohen Geistesgaben ausschließlich dem Studium der jüdischen Wissenschaft geweiht und gewidmet, was aus seinem, zu den vier Turim in vier Theilen bearbeiteten Werke „Bajit Chadosch," wie aus seinen Responsen zur Genüge erhellt. Seiner immensen Gelehrsamkeit halber, wurde er von den größten Gemeinden Polens zum Rabbiner ernannt. So z. B. begegnen wir ihm 1601 in Lubmila (Resp. S. 3), dreizehn Jahre später treffen wir ihn in Bels, einer großen polnischen Gemeinde, wo heute nach dritthalbhundert Jahren, an der Stelle des hochgelehrten Talmudisten R. Joel S. ein Chassidim Rebben, der gewöhnlich der „Bester" genannt wird, residirt. Vier Jahre später 1618 sehen wir ihn schon das Rabbinat in Brzezc (Brisk) in Lithauen bekleiden. (Resp. 70.) Gegen Ende des Jahres 1619 folgte er einem ehrenvollen Rufe nach Krakau, einer der größten und wiirdigsten Gemeinden Polens, wo sieben und vierzig Jahre früher R. Moses Jsserls das Rabbinat inne hatte. Daselbst wirkte R. Joel bis zu seinem im Jahre 1641 erfolgten Tode segensreich, und erwarb sich in solch hohem Maße die Hochachtung seiner Glaubensgenossen, daß er öfters nach Lublin zur Messe berufen wurde, um die wichtigsten religiösen Angelegenheiten, wie es damals in Polen üblich war, daselbst zu ordnen, und die etwaigen Prozesse zu schlichten. Ein besonders hohes Verdienst hat sich R. Joel S. in Krakau durch die im Jahre 1628 auf seiner Veranlassung daselbst neu creirte Talmud Thora erworben. Uni von seinen edlen, vorurteilsfreien Anschauungen entsprechende Proben und Belege liefern zu können, wollen wir hier einen Passus aus den für das genannte Institut, das unter der Aegide R. Joels stand, verfaßten Statuten reproduciren. Derselbe lautet: „Ober- und Unterlehrer des Vereins haben den Kindern, wenn dieselben in die Anstalt treten, zuerst das Alphabeth, und das Lesen des punktirten Textes beizubringen. Hierauf folgt das Lesen des Gebet-

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