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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1882-02-01 · Heft 2 (1.2.1882) · p. Seite 31

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
2 (1882)
Issue
Heft 2 (1.2.1882)
Date
1882-02-01
Page
Seite 31 (sequence 7)
Language
German
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31 vollständig erreicht. Er hat sich durch sein berühmtes Sendschreiben bei ihnen als die allein maßgebende Autorität für die Regelung des gesetzlichen Lebens eingeführt. Die später abgefaßten Codies als Tur, Schulchan Aruch, geschweige noch spätere sind kaum dem Namen nach dort bekannt. Weit verbreiteter dagegen sind die kabbalistischen Schriften, Sohar, Jezirah, Kewanoth-Ari n. a., was in dem dort allgemeinen Hang zur Mystik seinen Grund hat. Von einem Mari zeichnet uns unser Reisender folgendes Bild. Er hat zu entscheiden über Erlaubtes und Verbotenes, hat die Jurisdietion, ist Prediger, Vorbeter und Küster, hält Vorlesungen aus der Thora, Rambam und Sohar, ist gewandt in der praktischen Kabbalah und in der Astrologie, verteilt Talismane als Schutz- und Heilmittel, wirft Lose, er ist aber dahier auch noch nebenbei Schmied, Goldschmied oder Pulvermacher und Jakob Saphier hat einen solchen Mari von eminenter Gelehrsamkeit in der Schmiede getroffen, wo er mit berußtem Gesichte den Hammer auf dem Ambos schwang, während eine seiner Frauen das glühende Eisen hielt und die andere den Blasebalg zog. Der Mari ist auch der Arzt. Man hält nämlich dort alle Krankheiten, die in der That selten sind, für Folgen von Einflüssen böser Geister und von Verzauberungen und sucht daher als Heilniittel Geisterbeschwörung und Entzauberung. Es enrsiren daher eine Beenge Beschwörunngsfornieln. Steht ein Geisterbanner in dem Rufe, daß seine Formeln gegen eine gewisse Krankheit gut gewirkt haben, so verkauft er solche an andere Geisterbanner, denen er noch eine inündliche Gebrauchsanweisung giebt. Jakob Saphir benutzte die augenblickliche Abwesenheit eines Mari eine seiner Beschwörungsformeln zu lesen und fand unter andern Namen von Geistern auch den Namen Jesu ben Miriam. Er fragte später den Mari, ob er denn wisse wer der Angerufene sei. Als er das verneinte, machte er ihn aufmerksam, daß er sich keiner jüdisch-kabbalistischen Formel bediene, worauf er erwiderte, er habe diese Formel von einem Beschwörer von Ruf gekauft, sie habe eine gute Wirkung gethan und so werde er sie weiter gebrailchen. Die Juden haben dort noch die seleucidische Ära beibehalten, d. h. sie zählen ihre Jahre nicht nach E. d. W. sondern vom Jahre 311 vor der christlichen Zeitrechnung. Jnr Uebrigen ist er ganz wie unser jüdischer Kalender eine Combiuatievn von Mondmonaten und Sonnenjahr vermittelt durch den 19jährigen Cyclus. Auch feiern sie auffallenderweise alle biblischen Feiertage mit Ausnahme des Versöhnungstages doppelt, wie wir. Ihr Gebetbuch, sowohl für Wochenwie Festtage ist noch dickleibiger als das des polnischen, deutschen, romanischen und portugiesischen Ritus. Die Hauptgebete, Schema mit den Segensspriichen vor- und nachher, sowie die Thephilah sind nur in wenigen Ausdrücken von den unsrigen abweichend, auch die biblischen Bestandteile kommen noch ziemlich mit den unsrigen überein. Dagegen haben sie ihre ganz eigenen liturgischen Dichtungen. Die Proben die Jacob Saphir davon giebt, haben fast alle eine kabbalistische Färbung und arabische Versmaße, ähnlich denen der spanischen Schule, aus welcher sie einiges von Jehudah Halevi ausgenommen haben. Ihre Hagadah wird mit einem Kiddusch eingeleitet, der zwei Druckseiten unsres Buches einnimmt, fünzehnmal so lang als der uusrige. Wenn unser Autor vernmtet, daß dieses die ursprüngliche Form der Gebetordner sei, so verrät er einen wenig kritischen Sinn. Der öffentliche Gottesdienst wird in Synagogen abgehalten, von denen es auch in den kleinsten Gemeinden wenigstens zwei, in den größren aber noch viel

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