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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1882-02-01 · Heft 2 (1.2.1882) · p. Seite 30

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
2 (1882)
Issue
Heft 2 (1.2.1882)
Date
1882-02-01
Page
Seite 30 (sequence 6)
Language
German
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30 So ist eine gemeinschaftliche Mahlzeit von Juden und Moslemen, da die Abneigung gegenseitig ist, ganz unmöglich. Nur die Kaffceschenke ist neutraler Boden, der zuweilen eine Annäherung durch gemeinschaftlichen Genuß zu Stande bringt. Wir wenden uns nun zum religiösen Leben der Juden im engern Sinne. Dieses beruht auf der, dem Gesammtjudentume gemeinschaftlichen Grundlage. Karäer, welche die mündliche Tradition leugnen, giebt cs wohl, aber verhältnißmäßig wenige. Die Kenntnis des gestimmten biblischen Urtextes, besonders aber der Thora, ist dort weit mehr verbreitet, als in irgend einem andern Lande, obwohl das Studium derselben weit seltener dort ist, als hier. Das geht so zu. Die Thora und viele andere biblischen Bücher, ja sogar das Werk Mischne Thora des Maimonides bilden Bestandteile der Liturgie. Man hört sie von Kindesbeinen an tagtäglich beim öffentlichen, wie beini häuslichen Gottesdienste laut rezitiren und so prägen sie' sich dem Gedächtnisse ein. Das eigentliche Studium dagegen ist lediglich Sache des Mari, so titulirt man dort den Rabbiner. Es ist das ganz analog den Moslemen, von denen viele den ganzen Koran auswendig hersagen können, ohne ihn im gelehrten Sinne des Wortes lesen zu können. Mit dem Unterrichtswesen muß es überhaupt dort sehr schlecht bestellt sein. Bon Allem weiß Jakob Saphir Etwas zu berichten, von einer Lehranstalt wird man vergebens Etwas bei ihm suchen, er nennt nur Kinderlehrer. Es wird daher wohl dort derselbe Zustand, wie ehemals, zum Teil noch, in den polnischen Chedarim herrschen, die Jugend wird da hebräisch lesen lernen, ihr übriges Wissen aber aus der religiösen Praxis schöpfen, mit Ausnahme einzelner guten Köpfe, die sich für das Amt eines Mari ausbilden. Grammatik ist den arabischen Juden etwas ganz Unbekanntes, obgleich sie in Folge der herkömmlichen Praxis und der feinern Ausbildung ihrer Sprachorgane das Hebräische richtiger aussprechen, als alle Occidentalen. So unterscheiden sie sehr genau den Laut des Ales von dem des Ajin, unser Gimel lautet bei ihnen ds, auch unterscheiden sie genau Gimel und Daleth je nachdem sie mit Dagesch lene versehen sind oder nicht, ebenso Cheth und Chaf. Doch sollen sie das lange Kamez und das Cholem nach polnischer Aussprache o und au, nicht nach' portugiesischer a und o sprechen. Es wird bei ihnen Alles in einem singenden Tone vorgetragen, die Accente dienen also nicht blos zu Satzbildungssondern auch zu Tonzeichen, wobei die Thora, die Propheten und die Hagiografen jedes seine besondere Tonart hat, wie das auch früher bei uns der Fall war, aber auch Talmundisches, chaldäische und arabische Uebersetzung hat seine besondere Tonweise. Sie bedienen sich fast nur handschriftlicher Bücher. Druckereien giebt es nur zwei im Lande, in Dschidda und in Aden. Die hebräischen Druckwerke sind sämmtlich importirt und sehr selten. Es giebt dort äußerst gewandte Schreiber, aber ihre Handschriften sind deni, an ihre verschlungene Schriftzüge nicht gewöhnten Ausländer zu lesen sehr schwierig. Die am meisten verbreiteten Bücher sind selbstverständlich Gebetbücher, dann die Thora, die Haftarah's, die Psalmen, seltener die andern biblischen Bücher. Nächstdem das Mischne Thora des Maimonides, auch die Mischne mit dessen Cvmmentar. Sehr selten dagegen sind daselbst der babylonische und jerusalemische Talmud, womit nur wenige Maris sich beschäftigen; denn dort hat Maimonides die Absicht, die er bei Abfassung seines Mischnae Thora hatte,

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