Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 2 (1882)
- Issue
- Heft 2 (1.2.1882)
- Date
- 1882-02-01
- Page
- Seite 29 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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29 Nichts. Man nimmt ihn nicht nur als Friihtrunk, sondern jeder Araber trägt eine Kürbisflasche, mit ledernem Mundstück versehen, mit Kaffee gefüllt, an einem Stricke über die Schulter mit sich herum und feuchtet die Kehle, so oft sie trocken geworden, damit an. Dieses geschieht sogar in den Pausen während des Gottesdienstes. Von höchst eigentümlicher Beschaffenheit sind die öffentlichen Kaffeeschenken; sie sind darum so wichtig, weil sie die einzigen Stätten sind, wo der Fremde ein vorläufiges Asyl findet, da es Gast- oder Logierhäuser im ganzen Lande nicht giebt. Sie bestehen aus langen, ziemlich schmalen Hütten aus Reisig oder Rohr mit einem Strohdach versehen, am untern Teile mit einer Matte von Palmenbast, Ehrenplätze auch wohl mit einem Teppich behängen. An den Wänden laufen Bänke herum, der Fußboden ist von Lehm, doch kann man auf Verlangen einen Teppich zur Unterlage erhalten. Sobald man Platz genommen, d. h. der Länge nach sich ausgestreckt hat, bringt der Schenkwirth ein niedriges, einige Fuß hohes Tischchen und stellt es vor den Gast. Dieser bestellt dann seinen Topf Kaffee mit so vielen Tassen, als er Gesellschafter entweder schon hat, oder zu erhalten wünscht. Zu jeder Tasse wird aber auch ein Tschibbuk gereicht; denn Tabak gehört zum Kaffee. Die Einheimischen kommen dahin und mustern die Fremden. Jeder gesellt sich zu dem, der seine Neugierde am meisten anregt und fühlt er sich ini Gespräche von ihm angezogen, so wird er sein Gastfreund, und dann ist der Fremde für die Dauer seines Aufenthaltes geborgen. Ist er aber nicht so glücklich, einen Gastfreund sich zu erwerben, so muß er schutzlos in der Schenke bleiben, die sich gewöhnlich auf einem freien Platze in der Stadt, oder vor dem Stadtthore befindet. Wer daher in Arabien reisen und gut fortkommen will, der muß geübt sein bei Kaffee und Tschibbuk ein feines, herzgewinnendes Gespräch zu führen. Die Hauptmahlzeit wird Abends gehalten. Im Speisezimmer liegen Teppiche, auf denen man sich ausstreckt, das Haupt auf den linken Ellenbogen gestützt, jeder erhält sein Tischchen, auf welchen, seine Portion Brod, frische Kräuter, Fleisch, gekochtes Kraut, Kürbis oder Gurken und ein Schüffelchen mit einer sehr stark gewürzten Brühe steht. Messer und Gabeln kennt man nicht, man ißt mit den Fingern und tunkt jeden Bissen in die scharfe Brühe. Auch ein Spucknäpchen ist für Jeden bereit gestellt, worin auch Knochen, Gräten und Abfälle gelegt werden. Wird außer dem Kaffee, den Jeder bereit hat, auch Wein oder Branntwein getrunken, so wird dieser in Bechern von Dienern besonders gereicht. Ein Tischdiener ist in jedem Hause, außer bei ganz Armen, immer zur Hand, der zum Schluffe auch Waschwasser herumreicht. Die Speisegesetze bedingen selbstverständlich manche Abweichung in der Tischordnung; aber auch die Moslemen haben ihre Speisegesetze, z. B. ihre Schlachtregeln, sie essen daher niemals Fleisch von einem Thiere, das ein Jude oder Christ geschlachtet hat. Hätte daher die von den occidentalischen Juden aus übertriebener* Ängstlichkeit angenommene Erschwerung die Hinterviertel nicht zu genießen, auch bei den arabischen Eingang gefunden, so müßten sie die bessere Hälfte wegwerfen. Sie kennen diese Erschweruug aber gar nicht und lassen sich das ganze Thier, versteht sich nach Entfernung der verbotenen Bestandtheile gut schmecken. Da dem Moslen, der Wein verboten ist, so vermeidet er auch andere Spirituosen, die ihm ein Jude anbietet, aus Furcht, sie könnten mit Wein geinischt sein. Ja, er vermeidet es ans einem Gefäße zu trinken, das der Jude im Gebrauch hatte. Wenn die Not ihn dazu drängt, spült er es erst sorgfältig im Wasser ab.